Aktencheck: Die Aussagen der ehemaligen Magd Kreszenz Schmid, geb. Rieger

Aus Das Hinterkaifeck-Wiki
Version vom 10. März 2023, 08:13 Uhr von Jaska (Diskussion | Beiträge) (→‎über Lorenz Schlittenbauer)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Mit der Magd Kreszenz Schmid lebte bis ca neun Monate vor den Morden eine wertvolle Zeugin auf dem Hof und mit den Opfern unter einem Dach.

Was?

Die Magd wurde von den Ermittlern mehrmals befragt, da sie selbst in einer Befragung auf ihr schwaches Erinnerungsvermögen verweist sind hier einzelne Auszüge aus ihren Aussagen gegenübergestellt.


Im Folgenden handelt es sich um die hier im Ganzen nachzulesenden Aussagen vom 24.04.1922, 05.07.1929, 15.06.1931, 09.12.1933 und vom 09.07.1952 (Zum 09.07.1952 gibt es zwei Dokumente: Teil 1 und Teil 2).

zur Anstellung auf Hinterkaifeck

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
Richtig ist es, dass ich im Einödhof Hinterkaifeck bei Frau Gabriel als Dienstmagd in Arbeit war. Durch Vermittlung der Verdingerin Julia Roggesmüller [Anm. richtig: Rockesmüller] in Schrobenhausen erhielt ich anfangs November 20 (also nicht erst am 2.10.21) als Magd diese Stellung. Dort blieb ich bis zur Haferernte –Ende August 1921- im Dienst. Mein Austritt aus dem Hinterkaifeckerhof erfolgte im August oder Oktober 1921. Im Jahre 23 war ich als Dienstmagd bei Gastwirt Walter in Koppenbach. "Ich bin glaublich 1919 oder 1920 bei dem Besitzer Gruber des Einödhofes Hinterkaifeck als Dienstmagd eingetreten. Als Jahreslohn waren 100 RM und volle Verpflegung vereinbart. Während mir im ersten Jahr der Lohn voll ausbezahlt wurde, war dies im zweiten Jahr nicht mehr der Fall. Ich hatte einen Restlohn von 80 RM gut.

Klage zwecks Eintreibung des Lohnes habe ich nicht eingereicht; ich habe mich nur mit der Frau darum gestritten.
...
Im Oktober 1921 bin ich bei Gruber ausgetreten."

Vermutlich vom April 20 – Oktober 21, den genauen Zeitpunkt weiß ich nicht mehr, war ich bei der Landwirtswitwe Viktoria Gabriel in Hinterkaifeck als Dienstmagd beschäftigt und wohnhaft. "Vom Jahre 1920 bis Sept. 1921 war ich auf dem Hinterkaifecker Hof als Dienstmagd beschäftigt. Außer mir hatten die Eheleute Gruber bezw. die Viktoria Gabriel keine Dienstboten.



Etwa 3-4 Wochen nach der vorerwähnten Kammerfensterlgeschichte bin ich dann gegen den Willen der Bäuerin weggegangen. Ich trat dann in Schrobenhausen in den Dienst. Nach mir hatten die Hinterkaifecker keine Dienstmagd mehr bis zu dem Tag vor dem Mord. "


verdächtige Beobachtungen

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
Irgendwelche Personen, die Gruber und der Frau Gabriel feindlich gesinnt waren, habe ich nie kennen gelernt. Infolge ihrer Geizigkeit waren sie sehr unbeliebt und niemand hat sie mögen. " Ein andermal verkaufte er an einen Händler aus Ingolstadt, Name unbekannt, verdorbenes Rinderschmalz. Der Händler hat das Schmalz einige Tage später wieder zurückgebracht und Gruber heftige Vorwürfe gemacht.

Die Thalers waren in der Umgebung als Diebe bekannt. Einmal stahlen sie ein Schaf aus einem Pferch und ein andermal wollten sie ein Pferdegeschirr entwenden. Ich habe die beiden nicht in mein Zimmer hereingelassen. Gruber hat meines Wissens den Thalerbuben schon 1920 oder 1921 mit einem Gewehr zweimal nachgeschossen. Dabei hat Gruber die Äusserung gebraucht: ""Wenn ich nur den Langhaxigen einmal in die Füsse treffen könnte."" Gemeint hatte er damit den Josef Thaler. "

Bekannt wurde mir, daß die Thalerbuben schon ein Jahr zuvor in dem Wagenschupfen nachts von Gruber angetroffen wurden. Damals soll ihnen der alte Gruber mit einem Infanteriegewehr nachgeschossen haben. Ich habe seinerzeit den Schuß gehört. Mir sagte man aber nicht, was die Ursache des Schusses war, damit ich in meinem schwangeren Zustand nicht mehr Schrecken habe.


Kammerfensterln, bzw. Um Einlass bittende Männer

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
"Kurz nach meinem Dienstantritt im November 20 kam in die Behausung meiner Dienstgeberin Frau Gabriel der Fabrikarbeiter Anton Bichler -Hausname Verdy- von Waidhofen und stellte am mich Liebesanträge. Ich teilte dies den Eheleuten Gruber und der Familie Gabriel mit. Diesen haben mir aber davon abgeraten und zwar mit der Begründung, dass Bichler immer stehle. Sie hatten auch den Verdacht gegen Bichler ausgesprochen, dass dieser Hühner gestohlen hätte.

Wie ich selbst gesehen habe, hat Gruber den Bichler am ersten Sonntag meines dortigen Dienstes sein ganzes Anwesen, d.h. alle Räumlichkeiten, auch den Motor gezeigt. Er kam nachher alle 14 Tage bis 3 Wochen in die Behausung der Fam. Gabriel um zu hamstern, hat außerdem bei der Kartoffelernte und beim Dampfdreschen mitgeholfen. Er wußte auch, daß die Gabriel viel Geld habe. So sagte er einmal zu mir: „Den Drucker, die Eheleute Gruber und Gabriel meinend, leid´s nicht anders, als ein verbranntes Brot und haben doch so viel Geld.“ Dies hat er später wieder einmal gesagt. Über die Kost klagte er wiederholt und wollte haben, dass ich den Dienst dort verlasse.
Wie mir Bichler selbst mitteilte, war er schon in der ersten Zeit bei mir beim Kammerfensterln und hätte an meinem zu ebener Erde gelegenen Fenster geklopft. Daß dies zutreffend war, ging daraus hervor, dass unten am Fenster abgebrannte Streichhölzer lagen und außerdem konnte man Fußtritte im Garten in den Beeten wahrnehmen. Ich habe das klopfen am Fenster nicht hören können, da ich hin Folge der Entbindung im Wohnzimmer geschlafen habe. Er hat mich auch besucht, wie ich entbunden habe. Nachher kam er einige Mal wieder zum Kammerfenster und war auch vorher öfters beim Kammerfenster bei mir. Ich habe ihn aber niemals in meine Kammer gelassen, da ich nicht Willens war, mich mit ihm auf ein Verhältnis einzulassen und mit ihm geschlechtlich zu verkehren, obwohl er mich öfters darum angegangen habe.
...
Ich hielt Anton Bichler für einen gewalttätigen Menschen und gab dies auch den Eheleuten Gruber und der Frau Gabriel zum Ausdruck, indem ich ihnen mitgeteilt haben, dass ich nicht mehr bei ihnen bleiben werde, da wir sonst von Bichler einmal alle erschlagen werden, Daraufhin hatte die Frau GABRIEL geantwortet: „wenn dich nur einmal einer fressen werde, weil du gar so Angst hast.“ Durch die Drohung des Bichler verliess ich auch den Dienst bei Gabriel.
...
Einmal erinnere ich mich, klopft bei der Nacht am Fenster meiner Schlafkammer in Hinterkaifeck, ein mir zunächst unbekannter Mann. Dieser sagte er sei der Bauern Sepp von Gröbern und ob ich ihn nicht zu mir hereinlassen möchte. Den Bauern-Sepp von Gröbern kenne ich, er war es nicht. Ich glaube aber, dass es Karl Bichler gewesen ist. Dieser Mann war nämlich so groß wie Karl Bichler. Anton Bichler ist etwas kleiner. Fragliche Person war etwa 1,73 cm groß, zwischen 30 und 40 Jahre alt, hatte etwas starkes Gesicht und glaublich Schnurrbart. Er trug einen grünen, oben rund eingedrückten Filzhut. Näher kann ich ihn nicht beschreiben, da es nachts zwischen 11 und 12 Uhr war und ich diese Person nur von der Seite aus sehen konnte. Die Nacht war damals halb dunkel. Er wollte zu mir und da ich ihn nicht hereinließ, fragte er mich, ob die „Junge“ (Frau Gabriel) nicht beim „Alten“ (Gruber) liegt. Ich sagte ihm, dass ich das nicht wüßte, daraufhin entfernte er sich in der Richtung Gröbern. "

Ich erinnere mich jetzt, dass in der Zeit als ich in Hinterkaifeck war, einmal um Mitternacht herum an meinem Kammerfenster geklopft wurde. Der Stimme nach war es ein Mann, der Einlass begehrte und bei mir schlafen wollte. Ich schenkte dem Mann kein Gehör. Als dieser sich entfernte sah ich beim Küchenfenster hinaus und bemerkte zwei Männer, einen großen und einen kleinen vom Hause weggehen. Gekannt habe ich keinen. Nicht richtig ist, dass der Mann gesagt hat, ich solle machen dass ich aus dem Hause kommen, in 8 Tagen werde alles ermordet. "Der Händler hat das Schmalz einige Tage später wieder zurückgebracht und Gruber heftige Vorwürfe gemacht.


Nach etwa acht Tagen kamen sie wieder zu mir ans Kammerfenster. An diesem Abend gab sich Josef Thaler als Gröberner Xaver (Gröberhof) aus, Andreas Thaler hatte sich versteckt. Von den nächtlichen Besuchen der Thalerbuben habe ich meinen Dienstherrn unterrichtet. Gruber warnte mich vor den beiden und gab mir zu verstehen, dass ich sie nicht hereinlassen solle, da ihm diese etwas stehlen könnten. "

"Als mein Kind etwa 1/2 Jahr .alt war- es war um die Kartoffelerntezeit 1921 -, kam nachts, der mir vom Sehen bekannte Landwirtssohn Josef Thaler von einem Gehöft bei Waidhofen zu mir zum Kammerfensterln.



Als damals Josef Thaler zu mir ans Kammerfenster kam, habe ich mein Fenster nicht geöffnet. Er klopfte mehrmals an das Fenster und rief auch wiederholt"" hö“. Mein Bett war vom Fenster etwa einen guten Meter entfernt. Thaler war damals um die Mitternachtszeit bei mir. Auf das Rufen des Thaler hin habe ich schließlich angegeben und habe gefragt, ja was denn los sei. Er sagte dann zu mir, ich solle das Fenster aufmachen Dabei sah er mit einer halben Gesichtshälfte zu meinem. Fenster herein. Die Nacht war so mondhell, daß, ich ihn einwandfrei als den Josef Thaler erkennen konnte. Ich bin weder an das Fenster hingegangen, noch habe ich das Fenster geöffnet. Thaler fragte dann weiter, ob ich denn keine Bekanntschaft will. Ich sagte, daß ich durch mein kleines Kind, das neben mir im Wagen schlief, Bekanntschaft genug habe. Thaler forderte mich noch wiederholt auf an das Fenster zu kommen, Was ich aber nicht getan habe. Schließlich mußte er einsehen, daß ich nicht will und er sagte, er müsse dann halt wieder gehen. Nachdem ich draußen das Laub rauschen hörte, fragte ich Thaler, wer bei ihm noch dabei sei. Er sagte, daß niemand bei ihm sei. Als ich ihm vorhielt, daß ich doch das Laub rauschen höre, so als ob jemand im Laub gehen würde, sagte er, daß ich träume. Sodann fragte er mich, wo die junge Bäuerin schlafe. Ich erwiderte ihm, daß ich das nicht wisse und er solle die Bäuerin selbst fragen. Thaler sagte dann, gell die liegt im Ehebett und ihr Vater schlafe neben ihr. Ich erwiderte ihm, daß ich das nicht wisse, worauf er sagte, daß die alte Bauerin in einem an der Seitenwand aufgestel1ten Bett im gleichen Zimmer schlafe. Weiter sagte er, daß das kleine Kind, also der Bub, im Kinderwagen liege und das Mädel in einem Kinderbett am Fußende der Bettstelle liege. Dem Thaler sagte ich, daß ich noch, nie in das Schlafzimmer meiner Arbeitgeberin gekommen bin und daher nicht wisse, wo und wie diese schlafen. Thaler sagte mir auch, daß die Besitzer von Hinterkaifeck sehr viel Geld im Hause hätten. Das Geld wäre tagsüber in eine Bratröhre im Ofen versteckt und nachts wäre es unter der Bettlade. Ich sagte dem Thaler, daß mir auch dieser Umstand nicht bekannt sei.
Schließlich sagte Thaler, daß er, wenn ich nicht aufmache und zu ihm ans Fenster komme, er wieder gehen werde. Er ging dann auch tatsächlich weg. Die Unterhaltung dauerte etwa 1/2 Stunde. Nachdem Thaler weggegangen war, stand ich auf und ging in die Küche. Vom Küchenfenster aus habe ich ihm nachgesehen und dabei mußte ich feststellen, daß noch eine weitere Mannsperson dabei war. Die beiden Männer gingen zunächst in Richtung zum Brunnen weg, bogen aber dann wieder nach rechts ein und blieben in der Mitte des Stalles stehen und besahen sich von dort aus das Maschinenhaus. Dabei richteten sie auch ihre Blicke nach oben. Mein Kammerfenster befand sich an der Giebelseite des Anwesens und man mußte, wenn man an mein Fenster herankommen wollte, in den Gemüsegarten eintreten. Wie lange die bei den Männer dort stehen geblieben sind, kann ich nicht sagen, weil ich vorher wieder in meine Kammer zurückgegangen bin. Von den beiden Männern war einer etwas kleiner. Ich vermute, daß es sich hierbei um den Bruder Thalers handelte. Der kleinere hieß glaublich mit dem Vornamen Andreas. Die Thaler waren nämlich bekannt, daß sie verschiedene Einbrüche schon verübt hatten. Am nächsten Morgen habe ich mein Erlebnis den Hinterkaifeckern erzählt. Die Viktoria Gabriel sagte damals zu mir, daß ich den Thalers nie aufmachen solle. Außerdem sagte sie auch, daß sie mich wohl nicht fressen werden. Ich erwiderte der Bäuerin, daß ich auf dem Hof nicht mehr bleibe, wei1 es mir so unheimlich wurde. "


Privates/Schwangerschaften

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
"Ich hatte damals mit dem led. Fabrikarbeiter Jakob Weber, 28 Jahre alt, ein Liebesverhältnis. Weber hatte ich schon vor dem Krieg kennen gelernt; er war damals in Edelshausen im Gute des Freiherrn v. Pfetten als Knecht bedienstet, musste während des Krieges einrücken, erhielt eine Schussverletzung im Knie, an der er in Folge einer Operation im Mai 21 in München verstorben ist. In den letzten Jahren war er im Werke Ebenhausen bei Reichertshofen als Fabrikarbeiter beschäftigt. Vom Weber war ich damals schwanger und wurde am 27. März 21 bei Frau Gabriel von einem Mädchen entbunden. Mein Kind musste ich wegen mangelhafter Erziehung in Folge auf Anordnung des Dr. Gessner von Schrobenhausen im Sommer 21 in Pflege geben. Es befindet sich z. Zt. in Rettenbach bei Unterholzer.

...
Mein jetziger Geliebter heißt Johann Engelhart. Er ist Hilfsarbeiter in Schrobenhausen und wohnt dort in der Kaminkehrergasse. Ich lernte ihn in Schrobenhausen kennen und habe mit ihm seit einem halben Jahr ein Verhältnis. Besucht hat er mich bis jetzt nicht, auch nicht in Hinterkaifeck. Von Oberhausen und Augsburg hat mich in Hinterkaifeck niemand aufgesucht, auch nicht beim Hamstern. "

"Bevor ich nach Hinterkaifeck kam, lernte ich den Händler Karl Burkhardt von Schrobenhausen kennen. In der Folgezeit knüpfte ich mit ihm ein Liebesverhältnis an, das nicht ohne Folgen blieb. Ich habe während meines Aufenthaltes in Hinterkaifeck ein Mädchen (Anna) geboren. Das Kind durfte ich mit Einwilligung des Gruber bei mir behalten.


...
Nach Verlassen der Dienststelle bei Gruber habe ich in Pobenhausen, A. G. Schrobenhausen, bei Kaspar Gall Wohnung genommen."

Am 27.3.1921 wurde ich von einem außerehelichen Kind (Viktoria) entbunden. "Als Säug1ing kam ich nach Hörtzhausen und wurde dort von den Pflegeeltern Quirin und Maria Kiermaier aufgezogen. Dort war ich bis zu meinem 13 ten Lebensjahr. Nach meiner Schulentlassung trat ich als Lehrmädchen bei der Damenschneiderin Franziska Kiermair, Schwester zu meinem Pflegevater, in Hörtzhausen in die Lehre. Nach 2 Jahren Lehrzeit ist meine Meisterin gestorben. Ich war also gezwungen, meine Lehrstelle aufzugeben. Eine andere Lehrstelle konnte ich nicht annehmen, weil weder meine Pflegeeltern noch mein Vater die Kosten für meine Lehre übernommen haben. Meine Mutter ist schon gestorben, als ich 9 Jahre alt war. Anschließend ging ich dann als landw. Dienstmagd in Stellung.


...
Als ich die Stelle in Hinterkaifeck angetreten habe, war ich schon von dem Dienstknecht Jakob Weber, Schloßgut Oberarnbach, geschwängert. Solange ich in Hinterkaifeck war, hatte ich mit keinem Mann Geschlechtsverkehr. Im März 1921 habe ich in dem Anwesen Hinterkaifeck entbunden. Es war dies am Ostersonntag den 26. 3.1921. Mein Kind hatte ich dann bis kurz vor meinem Weggehen bei mir in Hinterkaifeck. Dieses schlief nachts bei mir in der Magdkammer.
...
Im Jahre 1923 oder 1924 war ich bei dem Gastwirt Walter in Koppenbach als Schweinemagd beschäftigt."

über die Reuthaue

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
Die beiden Beamten haben mit auch eine mit Blut befleckte Kreuzhaue vorgezeigt. Ich habe diese nicht als Eigentum des Gruber erkannt. Gruber hat seine Werkzeugstiele meist selbst gefertigt. Die Tatwaffe wurde mir seinerzeit von einem Kriminalbeamten vorgezeigt. Ich erkannte aber, daß es sich hierbei um kein Werkzeug aus dem Anwesen Hinterkaifeck handelte, weil der alte Bauer die Stiele immer selbst angefertigt hatte. In der fraglichen Haue aber befand sich ein gekaufter Stiel. Das mir vorgezeigte Taschenmesser erkannte ich als jenes des alten Bauern Gruber.

über den Hund

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
Ausdrücklich möchte ich noch bemerken, dass der Hofhund der Frau Gabriel, der sonst gegenüber anderen Leuten, selbst gegen mich sehr bissig war, gerade bei Anton Bichler nichts machte, d.h. nicht einmal bellte; auch zur Nachtzeit nicht, wenn der Hund im Stalle eingesperrt war und Bichler zu mir zum Kammerfenster gekommen ist. Diesen Hund durfte ich nicht grob ansehen, sonst biß er mich noch in letzter Zeit. Er hat sogar die kleine ermordete Cäzilie Gabriel in den Backen gebissen.

eigener Verdacht

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
"Bichler hatte einen Bruder namens Karl Bichler

... Wie ich von dem Mord in Hinterkaifeck erfahren habe, war mein erster Gedanke, dass diese Tat die beiden Brüder Anton und Karl Bichler und Siegl vollbracht haben. Dies habe ich auch meiner eheml. und meiner jetzigen Dienstfrau – Zach und Wagner mitgeteilt. "

"Auf Frage: Ich selbst vermutete damals als auch heute noch, daß die Täter von Hinterkaifeck die Gebrüder Thaler sind. Dies deshalb, weil Täter von weither diese Haue (Tatwerkzeug) nicht so weit hätten tragen können, ohne gesehen zu werden.

Bei Walter befand sich damals ein Verwandter der Thaler als Dienstknecht. Er hieß glaublich mit dem Vornamen Josef oder Andreas. Dieser fragte mich eines Tages über das Mordgeschehen in Hinterkaifeck. Ich erwiderte ihm, daß ich ihm dies nicht sagen könne, weil ich seinerzeit nicht mehr in Hinterkaifeck war. Dieser Knecht fragte mich dann, wer die Tat verübt habe und ob es wahr sei, daß es die Gebrüder Thaler gewesen sein sollen. Ich sagte, daß ich die Thaler bei der Tatausübung nicht gesehen habe, aber ich vermute, daß sie als Täter in Frage kommen. Er sagte dann, daß er zu den Thaler verwandt sei und ich solle vorsichtig sein mit meinen Äußerungen. Sollte ich aber dennoch weiterhin meine Vermutungen zu Lasten der Thaler aussprechen, so werde ich eines Tages von den Thalers erschlagen werden. Er sagte weiter, daß diese irgendwo bei Nacht in einem Versteck stehen und ich so überrascht und erschlagen werde. Ich habe dies seinerzeit bei der Gendarmerie angegeben, worauf die beiden Thaler in Haft genommen wurden. Nach 4 bis 4 Wochen Haft wurden sie wieder entlassen, weil sie die Tat nicht zugegeben haben und Beweise nicht vorhanden waren. Ich hatte jedenfalls hernach vor den Thalers meine Ruhe."

zum Inzest auf Hinterkaifeck

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
"Gesehen habe ich nie, dass Gruber bei seiner Tochter, Frau Gabriel, im Bette gelegen sei. Dagegen habe ich die beiden einmal abends zwischen 7 und 8 Uhr in der Scheune überrascht, wie sie auf dem Stroh liegend den Geschlechtsverkehr ausübten. Nachher sagte dann Frau Gabriel zu mir, wenn sie gewusst hätte, dass ich in die Scheune käme, wäre sie nicht hinausgegangen. Mich hat Gruber niemals darum angegangen mit ihm geschlechtlich zu verkehren. Trotzdem aber hatte ich den Eindruck gewonnen, dass Frau Gabriel mit mir eiferte." "Mir war bekannt, daß die junge Bäuerin mit ihrem leiblichen Vater geschlechtlich verkehrte. Anläßlich eines Kirchganges wurde ich von einigen jungen Burschen daraufhin aufmerksam gemacht, daß der alte Bauer mit der jungen Frau, also mit seiner Tochter geschlechtliche Beziehungen unterhalte. Mir war vorher von dieser Angelegenheit noch nichts bekannt und ist mir auch nichts aufgefallen, daß die Beiden Zärtlichkeiten ausgetauscht hätten. Ich war aber damals dennoch neugierig und habe in der Folgezeit besonders aufgepaßt.

Eines Tages, es war im Frühjahr 1921, kam ich in den Stadel und wollte dem alten Gruber beim Aufladen eines Wasserfasses behilflich sein. Als ich dann in die Scheune kam, traf ich den Gruber im Stroh liegend an, wie er gerade mit seiner Tochter Viktoria den Geschlechtsverkehr ausübte. Ich weiß bestimmt, daß ich damals von der Viktoria Gabriel gesehen wurde. Dies deshalb, weil sie mir nachher sagte, daß, wenn sie das gewußt hätte, daß ich in den Stadel komme, sie sich ihrem Vater nicht hingegeben hätte. Bei einer anderen Gelegenheit hörte ich wie Andreas Gruber zu seiner Tochter, Frau Gabriel sagte, daß sie nicht heiraten brauche, denn solange er lebe ist er für“ dies“ da. Damit wollte er sagen, daß er seine Tochter in geschlechtlicher Hinsicht immer befriedigen werde."

"Allgemein wurde erzählt, daß die junge Bäuerin das Kind (den Sohn) von ihrem Vater erzeugt bekommen habe."

über Lorenz Schlittenbauer

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
"Den Schlittenbauer, der Vater zu dem ermordeten Knaben sein soll, kenne ich schon. Solange ich in Hinterkaifeck im Dienst war, verkehrte er aber niemals dort. Der alte Gruber und Schlittenbauer redeten miteinander, dagegen nicht die Frauen mit Schlittenbauer. Ich hörte nur einmal von Gruber sagen,

dass Schlittenbauer ein Stier sei. Sonst kann ich über den Verkehr des Schlittenbauer mit Gruber und Frau Gabriel nichts sagen."

Der Schlittenbauer aus Gröbern ist mir nicht bekannt. "Schlittenbauer kenne ich nur vom Sehen. Er ist einmal mit einem Gespann an dem Anwesen meiner Arbeitgeberin vorbeigefahren. Diese sowie ich haben sich in der Stube befunden. Gabriel, die zum Fenster hinausschaute, sagte zu mir, daß dies Schlittenbauer sei.

Ich kann mich nicht entsinnen, daß er sich während meiner Beschäftigungszeit einmal im Gabriel ́schen Anwesen eingefunden und mit meiner Arbeitgeberin oder deren Angehörigen eine Auseinandersetzung gehabt hätte. Vor dem Vorfall, wie ihn die Mitteilerin schildert, ist mir nichts bekannt. Hierfür vermag ich keine Angaben zu machen. Die Mutter des Schlittenbauer ist mir persönlich nicht bekannt. Dass ich von dieser wiederholt zum Verlassen meiner Dienststelle bei Gabriel aufgefordert wurde, entspricht somit nicht der Wahrheit."

"Weiterhin hörte ich erzählen, daß ein verheirateter Mann aus Gröbern einmal in Hinterkaifeck mit dem Rupfen von Gänsen beschäftigt war. Um diese Zeit soll sich Frau Gabriel bereits in gesegneten Umständen befunden haben. Der Bauer aus Gröbern soll damals mit der Frau Gabriel auch den Geschlechtsverkehr ausgeübt haben. Die Gabriel wollte diesen Mann, dessen Namen ich heute nicht mehr weiß, als Kindsvater angeben. Der betreffende Mann aus Gröbern soll aber damals zu Frau Gabriel gesagt haben, wenn sie von ihm etwas vordere, werde er aussagen, daß sie sich zur Zeit des Geschlechtsverkehrs bereits in anderen Umständen befunden hätte und als Schwängerer ihr Vater in Frage komme. Daraufhin hätten es die Gabriel und Grubers unterlassen, gegen den Mann aus Gröbern vorzugehen. Ich habe dies von einem der Angehörigen von Hinterkaifeck erzählt bekommen. Ich kann heute bloß nicht mehr sagen, hat mir dies die Gabriel oder der alte Gruber erzählt."

Fremde auf Hinterkaifeck

24.04.1922 05.07.1929 15.06.1931 29.11.1933 09.07.1952
"Fremden Hamsterern, die nach dorthin kamen, gaben sie nichts. Sie haben auch keine solchen ins Haus gelassen.

Nur einmal kam es vor, dass ein alter Mann, der einen müden Eindruck machte und damals glaublich Schwarzbeeren pflückte, in Hinterkaifeck übernachtet hatte,"

"Nach Hinterkaifeck kam Burkhardt zu mir nie auf Besuch. Auch andere Männer haben auf dem Einödhof nicht verkehrt. Bekannt ist mir, dass Gruber einmal einen Beerensammler übernachten liess." "Solange ich in Hinterkaifeck beschäftigt und wohnhaft war, sind dort nie Korbmacher gekommen. Ich vermute, daß der Gruber die Körbe etc. in Oberhausen jeweils gekauft hat. Ich kann mich nicht entsinnen, daß Gruber einmal herumziehenden Personen die Nacht über Unterkunft im Stall oder Stadel gewährt hätte. Ich glaube dies auch gar nicht, denn vom Hof Hinterkaifeck bekamen nicht einmal durstige Wanderer Wasser.

...

Mir ist nichts bekannt, daß seinerzeit einmal ein Reichswehrsoldat zur jungen Bäuerin zu Besuch gekommen wäre. Ich bin der Ansicht, daß ich dies gesehen hätte. Ein Hausiererehepaar ist zu meiner Zeit nie auf dem Anwesen Hinterkaifeck übernachtet. Ich hätte bestimmt jeden Besuch der in Hinterkaifeck abgestattet wurde, sehen müssen, weil ich ständig, auch Sonn- und Feiertags zu Hause war. Die junge Bäuerin ist meines Wissens nie fortgegangen, es sei denn, an den Sonntagen zur Kirche nach Waidhofen. Es ist auch oft vorgekommen, daß die Eheleute Gruber und Viktoria Gabriel auch wochentags, wenn es die Zeit erlaubt hat, in der Früh den Gottesdienst besucht und die Kommunion eingenommen haben."