Aussagen: 1929-07-04 Messner Joseph

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1 Quelle

Staatsarchiv München

2 Detailinformationen

2.1 Datum

04. Juli 1929

2.2 Ort

Schrobenhausen

2.3 Zugegen

Joseph Messner,
Protokollant unbekannt

3 Inhalt

Ref. I. Dst.2
Schrobenhausen, den 2. Juli 1929


Betreff: Raubmord in Hinterkaifeck.


Vorgerufen wurde der verh. Städt. Strassenwärter

Joseph Messner,

71 Jahre alt, wohnhaft in Schrobenhausen Nr. 147, und erklärte nach geeigneter Befragung und zur Wahrheitsangabe ermahnt wie folgt:

Seinerzeit, als in Hinterkaifeck der Raubmord verübt worden ist, in Schrobenhausen wohnhaft und als die Sprache von dem Morde war, bin ich auch nach Hinterkaifeck gegangen und habe mir die Toten angesehen. Sie lagen bereits im Sarge. Es waren außer mir verschiedene Leute dort, darunter war auch der in Gröbern wohnhafte Bauer

Lorenz Schlittenbauer

Schlittenbauer hat sich dabei mit dem Füttern des Viehes beschäftigt, er hat das Kochgeschirr gereinigt und dabei seine Hemdärmel hoch gestreift. Alle, d.h. mehrere der Anwesenden haben erklärt, sie würden in einem solchen Falle, wo so viele Tote vorhanden sind, nichts anrühren. Es wurde auch erzählt, daß vor ein paar Tagen ein Monteur bei den Toten war, der ins Maschinenhaus eingedrungen ist, d.h. dort eingebrochen hat, um den Motor zu richten. Dieser Monteur soll dann zum Bürgermeister von Wangen gegangen sein, den er vom Richten des Motors bei Gruber in Hinterkaifeck in Kenntnis gesetzt haben soll.

Was von seitens des Bürgermeisters geschehen ist, weiß ich nicht, davon ist nichts erzählt worden.

Unmittelbar nach dem Morde soll der in Hinterkaifeck anwesende Dannerbauer – Schreibname Schweiger [Anm.: richtig Schwaiger] – in Gröbern gesagt haben, daß der Mörder leicht mit den Händen zu derlangen ist.

Ich habe diese Äußerung auch am Platze – Hinterkaifeck – gehört, kann aber nicht sagen von wem ich diese Äußerung erzählt bekommen habe. Vom Dannerbauer habe ich diese Äußerung nicht gehört, kann aber nicht mehr sagen von wem.

Ich muß schon sagen, daß mir das Verhalten des Schlittenbauer im Anwesen Hinterkaifeck sehr aufgefallen ist. Ich und auch andere anwesende Personen haben gewußt, was sich zwischen den Familien Gruber und Schlittenbauer früher abgespielt hat, nämlich der Verkehr der Viktoria Gabriel mit Schlittenbauer einerseits und mit dem Vater der Viktoria Gabriel (Gruber) anderseits. Es hat geheißen, daß der alte Gruber seiner Tochter Viktoria ein Kind gemacht hat und daß Schlittenbauer die Vaterschaft zu diesem Kinde anerkannt hat.

Vor ein paar Jahren wurde erzählt, daß der Hauserbauer in Gröbern gelegentlich eines Streites mit dem Schlittenbauer letzteren – dem Schlittenbauer – zugerufen hat, er – Hauserbauer – glaube, daß der Schlittenbauer den Schlüssel zum Anwesen der Frau Gabriel schon im Sacke gehabt hat, wie der Bürgermeister gekommen ist und er die Türe zum Anwesen aufgesperrt hat. Wegen dieser Äußerung hat Schlittenbauer Klage gestellt und hat es einen langen Prozeß gegeben. Hauserbauer hat den Prozeß verspielt. Es ist dies allgemeines Wirtshausgespräch gewesen. Von wem ich dieses Gespräch gehört habe, weiß ich heute nicht mehr.

Vor längerer Zeit ist beim “Unterbräu“ in Schrobenhausen erzählt worden, daß einmal der Maschinist, als er beim Schlittenbauer Getreide gedroschen hat, während der Brotzeit auf den Mord in Hinterkaifeck zu sprechen gekommen ist und dieser dabei recht derb und grob über den Mörder geschimpft hat. Darauf soll der Schlittenbauer sich entfernt haben und sich auch solange die Dreschmaschine im Anwesen war, nicht mehr sehen gelassen haben. Wer dies beim Unterbräu erzählt hat, weiß ich nicht, der eine erzählt dies, der andere das. Vom Maschinisten habe ich das gesagte nicht erfahren. Ich kenne auch den Maschinisten nicht, er kann aber bei dem Bauern Lebmeier in Kaifeck erfragt werden.

Wenn mir vorgehalten wird, daß beim Unterbräu in Schrobenhausen ein junger Bauer, etwa 25 Jahre alt, blond, glatt rasiert, das Gespräch mit dem Schlüssel geführt hat, so muß ich sagen, daß ich mich beim besten Willen nicht an diesen Mann erinnern kann. Beim Unterbräu verkehren viele Leute und über den Mord in Hinterkaifeck wird viel gesprochen. Ich kann mich auch nicht erinnern, daß zu mir ein junger Mann, als über den Mord in Hinterkaifeck gesprochen wurde, zu mir gesagt haben soll, ich solle meinen Mund halten.

V.g.u.u.

4 Verbindung zum Mordfall Hinterkaifeck

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