Aussagen: 1929-07-14 Schwaiger Thomas

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Quelle

Staatsarchiv München

Detailinformationen

Ersuchen der Leitenden Ermittlers Reingruber zur Identitätsfeststellung eines Maschinisten und zur Befragung von Thomas Schwaiger

Datum

05.07.1929/ 14.07.1929

Ort

München/ Hohenwart

Inhalt

München, den 5.Juli 1929

Betreff:
Raubmord in Hinterkaifeck An die Gendarmeriestation
HOHENWART, BA Schrobenhausen

Nach einer Anzeige soll der Dannerbauer in Gröbern sich in Hinterkaifeck, als die Ermordeten noch am Platze sich befunden haben, anderen Personen sich dahin geäussert haben, „er wisse, wer der Mörder ist, er könne ich leicht derlangen“.
Ich ersuche um Erhebung, ob Dannerbauer (Schreibname soll Schweiger sein) diese Äusserung gebraucht hat und wenn ja, wen er damit gemeint hat.
Gelegentlich des Getreidedreschens bei dem Bauern Schlittenbauer in Gröbern soll der Maschinist während der Brotzeit über den Mörder von Hinterkaifeck grobe Worte gebraucht haben. Schlittenbauer soll daraufhin weggegangen sein und so lange im Hofe nicht mehr haben sehen lassen, so lange der Maschinist anwesend war. Zu welcher Zeit dies erfolgte, ist nicht bekannt.
Ich ersuche um Mitteilung der Personalien dieses Maschinisten und derzeitige Adresse.

Polizeidirektion:
A.A. Reingruber


Abschrift
Gendst.Hohenwart, BA Schrobenhausen
empf. am 8.7.29 Nr.780


Zur Polizeidirektion München

Der verh. Landwirt Thomas Schweiger in Gröbern stellt auf Befragen die vorangeführte Äusserung gebracht zu haben, in Abrede und gibt an, dass er mit dieser, wenn er sie gebraucht haben sollte, was im ersten Effekt wohl möglich gewesen sein könnte, wohl niemand als den Schlittenbauer, im Hinblick auf das Verhältnis in welcher dieser damals zu den Ermordeten gestanden hat, gemeint sein könnte.
Bezüglich des fraglichen Maschinisten ist zu berichten, dass es sich nach den gepflogenen Ermittlungen in diesem Falle um keinen Maschinisten, sondern um einen geistig weit zurückgebliebenen sonst harmlosen Menschen handelt, aus welchem sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene für sich einen Narren machen um eine Unterhaltung zu haben.
Dieser sucht sein armseliges Fortkommen bei den bekannten Landwirten durch Verrichtung von Gelegenheitsarbeiten und war dieses auch Ende Oktober oder Anfangs November 27 (der Fall) beim Schlittenbauer in Gröbern, woselbst er damals bei den Drescharbeiten mitgeholfen hatte, der Fall. Nach Beendigung der fraglichen Arbeiten Abends, noch während der Brotzeit, haben sich mit diesem noch mehrere Personen, welche auch an den Drescharbeiten beteiligt waren, noch etwas in heiterer Stimmung in der Wohnstube des Schlittenbauer beisammen. Dabei kam diese Person (DETTER Martin) auf den kurz vorher verübten Mord bei Seefeld, an der Dienstmagd Kreszenz Greger von Wangen und an diesen anschliessend von Hinterkaifeck zu sprechen. Schlittenbauer, welcher sich ebenfalls ab und zu vorübergehend in der Wohnstube aufgehalten hat, ging bei dieser Unterhaltung aus der Wohnstube fort und kehrte an diesem Abend nicht mehr in die Wohnstube zurück, er begab sich zur Ruhe,
Detter Martin, led. ohne bestimmten Beruf, ist geboren am 13.II.93 in Klosterberg, Ger,Schrobenhausen, da beh. und wohnhaft, ausserehel. der Gütlersfrau Josepha, später verehl. Harler.

I Urschrift an die StA Neuburg a.D. abgegeben.

II Zu den Akten: Raubmord in Hinterkaifeck

Am 14.Juli 29
Unterschrift unleserlich

Verbindung zum Mordfall Hinterkaifeck

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