Aussagen: 1932-05-02 Baumgartner Narziss

Aus Das Hinterkaifeck-Wiki

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1 Quelle

Staatsarchiv München

2 Detailinformationen

2.1 Datum

02.05.1932

2.2 Ort

München

2.3 Zugegen/Unterzeichner

Narziß Baumgartner,
Friedrich Tenner, Polizeidirektor München I
August Fauß, Kriminaloberinspektor
Riedmayr Martin, Kriminalinspektor

3 Inhalt

Ref. I. Dst. 2
München, den 2. Mai 1932



Betreff: Sechsfacher Raubmord in Hinterkaifeck.


Auf Einladung erscheint der led. Invalide

Narziss Baumgartner

Geb. 18.3.1873 zu Kühbach, B.A. Aichach, wohnhaft An der Schwaige Nr. 13b/I bei Meier, und gibt auf Befragen an:

„Ich bin der Bruder der in Hinterkaifeck ermordeten Dienstmagd Maria Baumgartner. Von meinen Geschwistern lebt nur noch meine Schwester Franziska, die mit Josef Schäfer verheiratet ist und in Dachau wohnt. Ausserdem habe ich noch einen jüngeren Bruder namens Josef Baumgartner. Diesen habe ich aber schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.

Ich war ursprünglich von Beruf Bauer und war ebenso wie mein Bruder viele Jahre auf der Wanderschaft. Das elterliche Haus habe ich bereits in meinem zwanzigsten Jahre verlassen. Ich war dann lediglich nach einigen Jahren noch einmal kurze Zeit zu Hause, dann ging ich wieder auf die Wanderschaft und bin nie mehr nach Hause gekommen. Meine in Hinterkaifeck ermordete Schwester habe ich seit dem verlassen des Elternhauses nie mehr gesehen. Von ihrer Ermordung habe ich durch die Zeitung erfahren.

Ich habe nämlich im Jahre 1922 in München in der Aidenbachstr. 80/I bei Karl Stöckl, einem Arbeitskollegen, gewohnt. Gearbeitet habe ich zu dieser zeit entweder bei Moll oder bei der Baufirma Pfister und Schmied, vielleicht auch bei Mühlhofer und Pfahler, genau kann ich das nicht mehr sagen. Ich weiß nur noch genau, daß ich seinerzeit in der Aidenbachstr. in der „Münchner Zeitung“ von dem Mord in Hinterkaifeck gelesen habe und daß da auch dabei stand, daß die Magd, die ermordet wurde, Maria Baumgartner geheißen hat. Ich habe daraufhin meinem Schwager Josef Schäfer nach Mühlried geschrieben und habe ihn gefragt, ob es wahr sei, daß die Schwester umgebracht wurde. Er antwortete und bestätigte meine Vermutung. Hinuntergefahren bin ich nicht.

Auf Befragen: Ich bin überhaupt seit dem Jahre 1920 nicht mehr in die Gegend von Schrobenhausen gekommen. Es ist richtig, daß ich meinen Schwager und meine Schwester in Mühlried besucht habe, das war aber schon lange Zeit vor dem Mord. Ob mein Bruder Josef auch dabei war, wie ich meine Schwester besucht habe, weiß ich heute nicht mehr. Vielleicht war das schon während des Krieges, denn damals haben wir im Jahre 1916 einmal miteinander in Reichertshofen gearbeitet. Damals war aber meine Schwester mit ihrem Mann noch in Hohenwart.

Zur Zeit des Mordes war ich in München und habe, wie bereits gesagt, in der Aidenbachstrasse 80 bei Stöckl gewohnt.

Auf Befragen: Es ist richtig, daß ich mich im April 1922 in der Aidenbachstr. abgemeldet habe. Ich mußte mich nämlich abmelden, weil ich sonst Verdrießlichkeiten bekommen hätte. Das kam so: Ich hatte ein Durchgangszimmer und die Familie Stöckl mußte durch mein Schlafzimmer gehen. Als dann Stöckl eine Arbeit in Wackersberg bei Tölz erhielt, war nur mehr die Frau Stöckl in der Wohnung und da gab es gleich Schwätzereien, weil ich alleine mit der Frau in der Wohnung war. Daraufhin habe ich mich abgemeldet und bin auch ausgezogen. Ich habe dann nur noch ganz kurze Zeit vorübergehend beim Soller gewohnt, wo ich früher schon gewohnt hatte. Dann bekam ich bald eine Arbeit in der Maxhütte in der Oberpfalz und dort war ich annähernd zwei Jahre. Als ich dann im Jahre 1924 nach München zurück kam, zog ich zu meiner Schwester in die Winterstrasse. Dort habe ich dann mehrere Jahre gewohnt.

Es ist richtig, daß mein Bruder Josef einmal auch für einen Tag in die Winterstrasse kam. Der ist aber gleich wieder fort; der hält sich nirgends lang. Er ist auch jetzt sicher wieder auf der Wanderschaft. Wo er ist, weiß ich nicht; meist ist er im Süden, in Italien und in Ungarn. Ich habe ihn schon seit Jahren nicht mehr gesehen.

Über den Mord selbst kann ich nicht das geringste angeben. Ich weiß selbst nur was in der Zeitung stand und was ich von meiner Schwester Franziska erfahren habe, die die Maria am Mordtag noch nach Hinterkaifeck begleitet hat. Ich selbst bin nie nach Hinterkaifeck gekommen.“


Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben:


Gez. Narziss Baumgartner




Bemerkung:

Die Eheleute Schäfer und Narziss Baumgartner machten bei der Einvernahme einen durchaus glaubwürdigen Eindruck. Wenn auch noch einige Unklarheiten bestehen, so dürfte dies in erster Linie auf die Länge der dazwischen liegenden Zeit zurückzuführen sein. Jedenfalls erbrachten aber die vorstehenden Erhebungen in keiner Weise eine Bestätigung das ausgesprochenen Verdachts. Es ergab sich auch nicht der geringste Anhaltspunkt dafür, daß die beiden Brüder Baumgartner von dem Dienstantritt ihrer Schwester auf dem Hinterkaifecker Hof Kenntnis erhalten haben.

Es wird deshalb von der Fortsetzung der aussichtslos erscheinenden Erhebungen abgesehen.


gez. Riedmayr,
Kriminalinspektor



Mit 6 Akten, 1 Zusammenstellung über den Tatbestand des Raubmords in Hinterkaifeck und 1 Kostenaufrechnung


an den Herrn Oberstaatsanwalt

Bei dem Landgerichte Augsburg


zuständigkeitshalber.


München, den 3. Mai 1932
Polizeidirektion
I.A.

gez. Tenner



Zum Sammelakt: „Sechsfacher Mord in Hinterkaifeck“ i.d. Dst.2.


München, den 3. Mai 1932
Polizeidirektion
I.A.

Fauss

4 Verbindung zum Mordfall Hinterkaifeck

5 Fragen/Bemerkungen

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