Aussagen: 1952-05-08 Heimer Anna

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1 Quelle

Staatsarchiv Augsburg

2 Detailinformationen

2.1 Datum

08.05.1952

2.2 Ort

Augsburg

2.3 Zugegen

Josef Prähofer
Nußbaum , OKomm. d.LP
Anna Heimer geborene Gump

3 Inhalt

Landespolizei Bayern
Augsburg, den 8. Mai 1952

Chefdienststelle Schwaben
-Kriminalstelle-


Vernehmungsniederschrift

Aufgesucht in ihrer Wohnung, mit dem Gegenstand der Vernehmung vertraut gemacht und zur Wahrheitsangabe ermahnt, gibt Frau Anna Heimer, geb. Gump, folgendes an:

I. Zur Person:

Heimer, Vorname Anna, geb. Gump, verh. Hausfrau, geb. 12.5.1898 in Karskron,
LK Neuburg/Do.,wohnhaft in Augsburg, Schuberstraße 15


II. Zur Sache:

„Ich bin die Tochter der Korbmacherseheleute Anton und Rosalie Gump, letzt. geb. Kügler von Karlskron. Meine Erziehung genoß ich mit meinen übrigen Geschwistern im Elternhaus. Im Jahre 1906 verstarb meine Mutter. Ich war damals 8 Jahre alt. Nach dem Tod meiner Mutter kam ich in Karlskron zu fremde Leute. Dort mußte ich neben meinem Schulbesuch auch im Haushalt und auf dem Feld mitarbeiten. Im Mai 1907 kam ich nach Kochheim zu dem Bauern Matthias Müller als Kindermädchen. Dort war ich 7 Jahre im Dienst. Meine Schwester Eva ist ebenfalls kurze Zeit bei dem Bauern Müller in den Dienst getreten. Sie hat aber alsbald diesen Arbeitsplatz verlassen, weil die Eheleute Müller mit uns sehr streng waren. Im Jahre 1914 habe ich meine Arbeitsstelle gewechselt. Ich trat in den Dienst bei dem Bauern Josef Schmidhuber in Pobenhausen, LK.Schrobenhausen. Zuvor war meine Schwester Eva bei Schmidhuber im Dienst. Die Eva verzog damals nach Augsburg zu unserer Schwester Florentine, heute ver. Frau Liebl. Ich selbst arbeitete noch einige Jahre in der Landwirtschaft und zog dann im Jahre 1916 oder 1917 zu meinem Großvater Martin Kügler nach Karlskron. Von dort aus ging ich als Hilfsarbeiterin in die damalige Pulverfabrik in Ebenhausen. Dort war ich bis 2.6.1918 beschäftigt. Anschießend kam ich nach Augsburg, wo ich in der Korbfabrik Lösch als Hilfsarbeiterin gearbeitet habe. Kriegsende habe ich noch an verschiedenen Stellen als Hilfsarbeiterin gearbeitet. Anschließend war ich mehrere Jahre arbeitslos. Vom Jahre 1921 – 1941 war ich in der Spinnerei und Weberei Sparrenlech beschäftigt.
Im Oktober 1924 habe ich mich verheiratet. Von zuhause habe ich zu meiner Heirat nichts bekommen.

Mit meinen Geschwistern hatte ich eigentlich keine richtige Verbindung. Mein Bruder, Anton Gump, war nach dem I. Krieg in Ingolstadt bei den Deutschen Werken beschäftigt. Diesen habe ich eigentlich vor der Inflation nie besucht. Er und seine Frau sind ab und zu nach Augsburg gekommen und haben uns (3 Schwestern, Kreszenz, Florentine und mich) besucht. Auch wir 3 Schwestern, die wir damals schon in Augsburg wohnh. waren, haben uns gegenseitig nur dann und wann einmal besucht. Mein Bruder Adolf war sowohl vor als nach dem I. Weltkrieg immer mit meinem Vater zusammen. Mir war nicht bekannt, wo sich mein Vater, mein Bruder Adolf und meine Schwester Rosalie jeweils aufgehalten haben. Mit meiner Schwester Florentine habe ich meinen Vater glaublich im Jahre 1923 und mit meinem Mann und meinem Kind im Jahre 1932 besucht. Beim ersten Besuch 1923 waren wir an einem Ort unweit Freising. Ortsname ist mir nicht mehr erinnerlich. Beim zweiten Besuch wurde mein Vater nach Freising bestellt.

Meine Schwester Eva, später verehelichte Bielmaier, ist bezw. war bis zu ihrer Ausbombadierung in Nürnberg, Wurzstr. Nr.? wohnhaft. Meine Schwester ist geschieden und hat eine Tochter namens Erna, welche inzwischen sich ebenfalls verheiratet hat. Meine Schwester Rosalie ist in Freising, Sonnenstr. 13 wohnhaft und schreibt sich Mayrthaler. Mit dieser habe ich auch keine Verbindung mehr.

Meine Schwester Kreszenz Gump, später verehelichte Maier, hatte meines Wissens drei uneheliche Kinder. Ich habe auch schon erzählen hören, dass sie sechs uneheliche Kinder gehabt haben soll. Ob sie diese Kinder von ein und demselben Erzeuger oder von mehreren hatte, weiß ich nicht. Wo die Kinder der Kreszenz heute sind, kann ich nicht genau sagen. Die Christine weiß ich nicht. Diese hat sich verheiratet und schreibt sich nun Maier. Ihr Mann war ein Sohn des Adolf Maier (Ehemann meiner Schwester Kreszenz), den dieser aus erster Ehe mitgebracht hat. Den Aufenthalt des Markus Gump weiß ich nicht. Markus Gump wurde von Pflegeeltern in Karlskron erzogen. Josef Gump, als drittes und letztes lebendes Kind meiner Schwester Centa, ist in Gröbenzell bei München wohnhaft. Er ist glaublich Textilreisender.

Über den Tod meines Bruders Adolf bin ich nicht unterrichtet. Ich weiß nicht, wie er ums Leben kam. Ich habe von meiner Schwester Rosa erzählen hören, dass Adolf mit dem Fahrrad gestürzt sein soll. Ich hörte auch erzählen, dass mein Bruder von den kriegsgefangenen Franzosen erschlagen worden sein soll. Wie lange mein Bruder Adolf nach der Verletzung noch gelebt hat, weiß ich nicht. Mir ist auch nicht bekannt, was mein Bruder Adolf vor seinem Sterben noch gesagt hat. Mir ist es übrigens neu, ich glaubte, er wäre sofort tot gewesen.

Mir ist nichts bekannt, dass meine Schwester Centa einmal eine belastende Aussage gegen meine Brüder Adolf und Anton gemacht haben soll. Mein Vater starb im Jahre 1938 und zwar am 1. Mai. Seit der Beerdigung meines Vaters bin ich mit meiner Schwester Centa, solange sie noch am Leben war, nicht mehr zusammengekommen. Meine Schwester Centa ist glaublich im Herbst 1941 in Augsburg verstorben. Bei der Beerdigung meines Vaters waren sämtliche noch lebende Kinder, mit Ausnahme von Adolf, anwesend. Nach der Beerdigung meines Vaters, als wir den Friedhof in der Sätzlingerstr. verlassen hatten, hat mein Bruder Anton versucht, meine Schwester Centa zwecks Aufteilung der Beerdigungskosten unter uns Geschwister zu besprechen. Meine Schwester soll ihm damals zur Antwort gegeben haben: „Ich will nichts wissen“ und ging weiter.

Ich versichere nochmals, daß ich über irgend eine Belastung meiner Brüder Anton und Adolf von meiner Schwester Centa Maier zu keiner Zeit etwas gehört habe. Wie das Verhältnis zwischen meinem Vater und meiner Schwester Centa war, weiß ich nicht. Am Grab bezeugte Centa schon tiefe Rührung über den Tod unseres Vaters.

Ob mein Vater noch Geld hatte als er bei meiner Schwester Centa in Augsburg war, kann ich nicht genau sagen. Ich schließe aber, dass er solches noch hatte, weil er sagte, er möchte wieder nach Schönbilchl zurück. Soviel habe er noch, dass er dorthin kommen könne. Richtig ist, dass meine Schwester Centa damals sagte, daß die Leiche des Vaters nach München zur Anatomie komme, wenn bis zu einer gewissen Zeit (16:00 Uhr) der Betrag von 140,- Mark nicht hinterlegt werde. Es wäre also falsch, zu behaupten, dass meine Schwester Centa den Leichnam unsers Vaters an die Anatomie verkaufen wollte.

Ich habe noch nie eine Belastung über meine Brüder, ganz gleich von welcher Seite, gehört. Auch nicht die, welche Frau Liebl bei ihrer Vernehmung am 8.5.52 (dieser Satz wurde mir vom Vernehmenden vorgelesen) angegeben hat, gehört. Ich habe noch nie gehört, dass meine Schwester Centa oder andere über Hinterkaifeck etwas sagten, wobei meine Brüder als Mittäter oder Mitwisser bezeichnet wurden. Frau Leibl hat mir davon nie etwas gesagt. Ich selbst war im Frühjahr 1922 in Augsburg, wohnte im Äußeren Pfaffengäßchen, Bäckerei Schönherr, und stand am Sparrenlech in Arbeit.

Meine Angaben habe ich freiwillig und ohne Zwang abgegeben. Sie entsprechen der Wahrheit und wurden meinem Sinne nach niedergeschrieben, was ich nach Vorlesung des Protokolls mit meiner Unterschrift bestätige.

Geschlossen:

......... Zugegen: ......... Vorgelesen erhalten, genehmigt u. unterschrieben:
(Prähofer) (Nussbaum) (Anna Heimer)
OKomm.d.LP.

4 Verbindung zum Mordfall Hinterkaifeck

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