Aussagen: 1952-05-08 Liebl Florentine

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1 Quelle

Staatsarchiv Augsburg

2 Detailinformationen

2.1 Datum

08.05.1952

2.2 Ort

Augsburg

2.3 Zugegen

Florentine Liebel, geb. Gump
Josef Prähofer
Nußbaum , OKomm. d.LP

3 Inhalt

Landespolizei Bayern
Augsburg, den 8. Mai 1952

Chefdienststelle Schwaben
-Kriminalstelle-


Vernehmungsniederschrift

Aufgesucht in ihrer Wohnung, mit dem Gegenstand der Vernehmung vertraut gemacht und zur Wahrheitsangabe ermahnt, gibt Frau Florentine Liebl folgendes an:


I. Zur Person:

Liebel, Vorname Florentine, verh. Hausfrau, geb. 10.7.1894 in Abens, LK Freising,wohnhaft in Augsburg, Schießlerstr. 22 / I.



II. Zur Sache:

„Ich bin eine Tochter der Korbmacherseheleute Anton und Rosalie Gump, letzt. geb. Kügler, von Karlskron. Meine Erziehung und meine Jugend verbrachte ich bis zu meinem 12. Lebensjahr in meinem Elternhaus. 1906 ist meine Mutter gestorben. Im Jahre 1907 hat mein Vater das Anwesen verkauft. Sowohl ich als auch meine Geschwister, die seinerzeit noch bei den Eltern gewohnt haben, traten in fremde Dienste. Mein Vater mit Bruder Adolf und Schwester Rosalie verzogen in die Gegend von Freising. Wo sich mein Vater ständig aufhielt, weiß ich nicht. Später habe ich jedoch erfahren, dass er in Kranzberg, LK. Freising, eine Wohnung gehabt haben soll. Ich selbst habe mit meinem Vater seit dem Jahre 1907 wenig Kontakt mehr gehabt. Zu Allerheiligen habe ich dann hin und wieder einige meiner Geschwister am Grabe der Mutter in Karlskron getroffen. Anfang März 1913 kam ich zum erstenmal nach Augsburg in Stellung. Zu dieser Zeit war nämlich mein Bruder Blasius schon in Augsburg. Ich war im Haushalt bezw. der Fa. Wolfram in Augsburg in Stellung und mein Bruder Blasius war bei der MAN in Augsburg beschäftigt. Mit meinen sonstigen Geschwistern hatte ich Briefwechsel. Getroffen habe ich sie selten. Der Bruder Anton war zu damaligen Zeit in der Gegend von Ingolstadt, ich glaube Stammham, im Dienst. Die Schwester Centa war um diese Zeit in der Gegend von München teils als Hausmädchen, teils als Kassiererin im Dienst. Mein Bruder Adolf hielt sich vor und nach dem I. Weltkrieg beim Vater auf.
Blasius ist im I. Weltkrieg gefallen. Meine Schwester Eva war zunächst bei einem Bauern in Lichtenau in Stellung. Später habe ich sie nach Augsburg geholt und ihr in einem Haushalt eine Arbeit verschafft. Während des I. Weltkrieges war ich bei der Pulverfabrik in Ebenhausen beschäftigt, meine Schwester Eva in Ingolstadt beim Laboratorium beschäftigt. Nach dem I. Weltkrieg hat sich meine Schwester Eva verheiratet. Nun heißt sie Biehlmaier und wohnt in Nürnberg. Sie ist aber von ihrem Mann geschieden. Es besteht die Möglichkeit, daß sie sich wieder verheiratet hat. Meine Schwester Anna, verh. Heimer, ist in Augsburg und wohnt Schubertstr. 15 (Eingang Mendelsohnstr.). Meine Schwestern Theresia und Maria sind im Kindesalter gestorben. Meine Schwester Rosalie ist in Freising, Sonnenstr. 13 wohnhaft. Meine weiteren Geschwister Sebastian und Petronilla sind auch im Kindesalter gestorben. Mein Bruder Alfons ist im Alter von 8 Monaten verstorben.

Wir drei in Augsburg wohnhaften Schwestern (Centa, Anna und ich) haben uns anfangs der zwanziger Jahre hin und wieder gegenseitig besucht. Meine Schwester Centa hatte zur damaligen Zeit drei außereheliche Kinder. Das älteste heiß Christine. Diese ist 1907 geboren und wohnt glaublich in Augsburg. Das zweite Kind heißt Markus und wurde glaublich 1908 oder 1909 geboren. Dieser wurde in Karlskron aufgezogen. Sein derzeitiger Aufenthalt ist mir nicht bekannt. Das dritte Kind heißt Josef und ist glaublich 1910 oder später geboren. Dieser ist heute in Gröbenzell bei München. Diese 3 Kinder haben alle den Mutternamen Gump. Diese Kinder meiner Schwester wurden nicht von ihr, sondern von der Gemeinde Karlskron aufgezogen. Die Christine jedoch wurde von den Eltern des Kindsvaters aufgezogen. Diese waren in Inning am Ammersee wohnhaft und hießen glaublich Seitz. Das dritte Kind Josef, wurde glaublich ebenfalls von Seitz, Inning, erzeugt. Das Kind Markus wurde von einem Mann aus Klagenfurt erzeugt. Insgesamt hatte meine Schwester 6 uneheliche Kinder. Die übrigen drei sind im Kindesalter gestorben. Schließlich verkehrte meine Schwester Centa mit dem ebenfalls aus unserer Heimat stammenden Hilfsarbeiter Adolf Maier. Maier war zu dieser Zeit verheiratet. Die Beziehung, welche meine Schwester mit Maier pflegte, blieb nicht ohne Folgen. Bevor jedoch beim Vormundschaftsgericht die Vaterschaft geregelt werden konnte, ist dieses Kind gestorben. Meine Schwester Centa hat sich über den Erzeuger dieses Kindes nie ausgesprochen. Als sich Maier von seiner ersten Frau scheiden ließ, hat die Centa den Adolf Maier geheiratet.
Meine Schwester Centa war eine etwas sonderbare Person. Sie hatte an uns Geschwister immer etwas auszusetzen. Die Beziehung zwischen meinem Vater und meiner Schwester Centa war gut. Sie brachte es auch fertig, dass sie unseren Vater, als er krank war, überredete, von Schönbichl zu ihr nach Augsburg zu kommen. Dies war im Jahre 1938.
Mein Vater war glaublich 8 – 10 Tage bei meiner Schwester Centa in Pflege. Anschließend ließ sie ihn ins Hauptkrankenhaus einliefern. In der Zeit, als mein Vater bei meiner Schwester Centa in Pflege war, habe ich ihn ein oder zweimal besucht. Meiner Schwester Centa waren scheinbar meine Besuche beim Vater nicht recht. Dies entnahm ich aus ihrer Redensart. Mein Vater sagte mir auch, dass er 120 – 140 Mark Geld bei sich habe. Am 1.5.1938 ist mein Vater im Hauptkrankenhaus Augsburg gestorben. Aufgefallen ist mir bei der Beerdigung, dass meine Schwester Centa für den Vater nicht einmal einen Blumenstock gekauft hat. Nach der Beerdigung des Vaters ist meine Schwester Centa von uns Geschwistern und Angehörigen weggegangen. Ich entsinne mich aber jetzt, dass mein Bruder Anton mit meiner Schwester Centa einen Zusammenstoß hatte. Was die beiden zusammen gesprochen haben, weiß ich heute nicht mehr.
Woher meine Schwester Centa einen solchen Hass gegen uns Geschwister und insbesondere gegen Bruder Anton hatte, weiß ich nicht.“

Auf Frage: Ob sie von einer Belastung ihrer Brüder etwas wisse, erklärte Frau Liebl:

„Meine Schwester Centa hat auch bei einer mir nicht mehr bekannten Gelegenheit die Äußerung gebraucht, dass die Brüder Anton und Adolf Gump mit Hinterkaifeck etwas zu tun hätten. Aber wie und was kann ich nicht mehr genau sagen. Ich weiß auch nicht wo und wann dies war. Jedenfalls ist dies schon lange her. Ich weiß nur noch, dass ich mich damals sehr erregt habe. Eine sonstige Belastung einer meiner Geschwister ist mir nicht bekannt. Wie mein Bruder Adolf ums Leben gekommen ist, weiß ich nicht genau. Man erzählt mir, daß er mit einem Rad bergab fuhr und dabei an einem Fuhrwerk streifte und zum Sturz kam. Ich weiß nur, daß im Febr. 1944 war, weil wir am 24. bezw. 25.2.1944 bei dem Bombenangriff auf Augsburg ausgebombt wurden. Bei der Beerdigung meines Bruders Adolf, der nach Tünzhausen überführt wurde, war ich nicht. Was mein Bruder vor seinem Tod noch ausgesagt hat, weiß ich nicht."


Meine Angaben habe ich freiwillig und ohne Zwang abgegeben. Sie entsprechen der Wahrheit und wurden meinem Sinne nach niedergeschrieben, was ich nach Durchlesen des Protokolls mit meiner Unterschrift bestätige.“

Geschlossen: ...... Zugegen: ...... Selbst genehmigt und unterschrieben:
(Prähofer) (Nussbaum) (Florentine Liebl)
Okomm.d.LP.


4 Verbindung zum Mordfall Hinterkaifeck

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