Aussagen: 1952-07-01 Schrittenlocher Josef

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1 Quelle

Staatsarchiv Augsburg StAnwA 1 Js 244/52

2 Detailinformationen

2.1 Datum

01.07.1952

2.2 Ort

Gröbern

2.3 Zugegen

Josef Schrittenlocher

3 Inhalt

Landpolizei Bayern
Chefdienststelle Schwaben

-Kriminalstelle-

z.Zt. Gröbern, den 1.7.1952


Vernehmungsniederschrift

Aufgesucht auf seinem Acker in der Flurmarkung Gröbern, mit dem Gegenstand der Vernehmung vertraut gemacht und zur Wahrheitsangabe ermahnt, gibt Josef Schrittenlocher folgendes an:

I. Zur Person:


Schrittenlocher, Vorname Josef, verh. Bauer, geb. am 30.1.1896 in Gröbern Ldkrs. Schrobenhausen, wohnhaft in Gröbern Haus Nr. 24

II. Zur Sache:


"Ich bin in Gröbern aufgewachsen und kam schon in meiner frühesten Jugend öfters in das Anwesen Hinterkaifeck. Später habe ich bei den Erntearbeiten wiederholt in dem Anwesen Hinterkaifeck mitgearbeitet. Mir waren daher die sämtlichen Bewohner von Hinterkaifeck gut bekannt. Auch den jungen Bauern, der nur kurze Zeit in Hinterkaifeck war, habe ich schon von frühester Jugend her gekannt.
Während des 1. Weltkrieges war ich nicht beim Militär. Ich habe nämlich seit meinem 13. Lebensjahr das linke Bein steif. Der junge Bauer von Hinterkaifeck, Karl Gabriel ist im ersten Kriegswinter 1914 in Frankreich gefallen. Auch während des Krieges habe ich auf dem Anwesen Hinterkaifeck bei Erntearbeiten, zur Druschzeit und bei sonstigen Arbeiten mitgeholfen. Zu dieser Zeit habe ich aber nie einen Urlauber oder eine sonst mir unbekannte Mannsperson auf dem Hof in Hinterkaifeck angetroffen.
Mir ist vom Reden her bekannt, dass der alte Gruber mit seiner verwitweten Tochter Viktoria Gabriel blutschänderische Beziehungen unterhalten hat. Ich war sogar Zeuge, wie Gruber seinerzeit wegen dieser Beziehungen auf der Wiese von der Gendarmerie verhaftet wurde.
Welchen Umgang die Viktoria nach dem Tod ihres Mannes mit Männern hatte, weiß ich nicht. Mir sind auch keine Korbmacher bekannt, die auf dem Anwesen Hinterkaifeck verkehrt hätten. Eines Tages befand sich Viktoria Gabriel in gesegneten Umständen. Als Erzeuger sagte man, dass ihr Vater in Frage komme. Es handelt sich hierbei um die Schwangerschaft des bei der Mordtat umgekommenen Buben.
An einem mir nicht mehr näher bekannten Tag im Herbst, glaublich 1919, war ich beim Dreschen in Hinterkaifeck. Zur damaligen Zeit wurde der Lohndrusch noch mit dem Dampfkessel betrieben. An diesem Tag kam ich in der Früh zwischen 6 u. 7 00 Uhr in Hinterkaifeck an. Außer mir waren noch der Bauer Schrätzenstaller und der Landwirt Kreitmayer von Gröbern in Hinterkaifeck beim Dreschen. Kreitmayer ist inzwischen gestorben. Als wir drei beim Dampfkessel zusammenstanden, kam der alte Gruber auf uns her. Einer von uns drei begrüßte den alten Bauern und sagte: " Guten Morgen Anderl, bist auch schon auf?" Gruber erwiderte:" Oh mei Buben, ich bin heute Nacht fast nicht zu Bett gekommen." Kreitmayer fragte ihn nun, ob er denn so viel Arbeit gehabt oder ob ihm ein Heil widerfahren wäre. Gruber erwiderte glaublich, dass in der vergangenen Nacht die junge Frau (seine Tochter Viktoria) entbunden habe. Kreitmayer sagte, dass dies doch nicht so schlimm sei. Gruber erwiderte nun daraufhin: "Ja von mir aus wäre es gewesen wer es wollte, meinetwegen auch der Bauernsepp!" Damit war ich gemeint. Aus diesem Ausdruck des alten Gruber haben wir geschlossen, dass er mit dem Erzeuger des Kindes nicht einverstanden war. Wer aber der tatsächliche Erzeuger des Kindes gewesen ist, wussten wir nicht. Den Ausdruck, von den "Herumziehenden" hat Gruber nicht gebraucht.

Von einer Magd, die um diese Zeit auf dem Anwesen Hinterkaifeck niedergekommen ist, weiß ich nichts. Ich kenne überhaupt keine Magd von Hinterkaifeck.

Auf Vorhalt:
Mir ist auch nichts bekannt, dass sich vorübergehend Korbflechter oder Hausierer usw. auf dem Anwesen Hinterkaifeck aufgehalten hätten. Ich habe dort zu keiner Zeit weder Korbmacher arbeiten sehen, noch sonstige Personen auf dem Hof angetroffen. Der Korbmacher Adolf Gump ist mir nicht bekannt. Von Karlskron ist immer ein Korbmacher namens Geier mit Frau gekommen. Es handelte sich hierbei um ein älteres Ehepaar.

Auf Vorhalt:
Ich muss zugeben, dass man seinerzeit auch davon gemunkelt hat, dass Erzeuger des Kindes der Viktoria Schlittenbauer der Landwirt Lorenz Schlittenbauer aus Gröbern sei. Ich selbst habe aber Schlittenbauer weder auf dem Hof in Hinterkaifeck oder sonst wo mit der Viktoria Gabriel angetroffen.

Meine Angaben habe ich freiwillig und ohne Zwang gemacht. Sie entsprechen der Wahrheit und wurden in meinem Sinne niedergeschrieben, was ich nach Durchlesen des Protokolls mit meiner Unterschrift bestätige.
Josef Schrittenlocher

4 Verbindung zum Mordfall Hinterkaifeck

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