Berichte: 1922-04-12 Tagesbericht Nr. 23 (Kripo Augsburg): Unterschied zwischen den Versionen

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7.) Sechsfacher Raubmord [[Hinterkaifeck | in der Einöde Hinterkaifeck]], B.A. [[Orte: Schrobenhausen | Schrobenhausen]]. [[Sachverhalte: Die Belohnung | Hohe Belohnung]]!  
<br>[[Sachverhalte: Vergleich: Der Auffindungstag | Am Dienstag, den 4. April nachm. um 5 Uhr]] wurden im Einödhof Hinterkaifeck Gde. Wangen, bayr. B.A. Schrobenhausen, [[Personen: Die Opfer von Hinterkaifeck | sämtliche Bewohner des Hofes]] ermordet [[Sachverhalte: Die Auffindung | aufgefunden]]. [[Sonstiges: Tatmotive | Es liegt Raubmord vor]]. Die Tat dürfte [[Sachverhalte: Die genaue Tatzeit | am 31.3.22 in der Zeit von 8-11 Uhr abends]] erfolgt sein. Was alles geraubt worden ist, konnte noch nicht festgestellt werden, immerhin ist aber anzunehmen, daß dem oder den Tätern ein ansehnlicher Betrag Papiergeld in die Hände gefallen ist. Ermordet wurden die im Austrag lebenden, in den 70er Jahre stehenden [[Personen: Ehepaar Gruber | Eheleute Andreas und Zäzilie Gruber]], die Besitzerin des Hofes [[Personen: Gabriel Viktoria | Viktoria Gabriel]], Witwe, deren 8 Jahre altes Töchterchen [[Personen: Gabriel Cäzilia | Zäzilie]] und 2 1/2 jähriger Sohn [[Personen: Gruber Josef | Josef]]; ausserdem die erst am 31. 2.22 bei Gabriel in den Dienst getretene 43 Jahre alte [[Personen: Baumgartner Maria | Maria Baumgartner]]. Die Mörder, es dürften 2 Personen gewesen sein, haben vor der Tat in dem unmittelbar an das Wohnhaus angebauten Stall ein Rind losgekettet, um dadurch eine Unruhe im Stalle hervorzurufen. Anscheinend sind dann die Eheleute Gruber, die Witwe Gabriel und deren Tochter Zäzilie nacheinander in den Stall gegangen, sind dort von den Tätern erwartet, mit einer sogen. [[Sachverhalte: Kreuzhacke | Kreuzhacke]] erschlagen und in die anstossende Tenne geschleppt worden. Das 2 1/2 Jahre alte Kind lag erschlagen im [[Sachverhalte: Kinderwagen | Kinderwagen]], die Dienstmagd in der Kammer neben ihrem Bette. Allen war der Schädel eingeschlagen.<br>
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<br>[[Sachverhalte: Vergleich: Der Auffindungstag | Am Dienstag, den 4. April nachm. um 5 Uhr]] wurden im Einödhof Hinterkaifeck Gde. Wangen, bayr. B.A. Schrobenhausen, [[Personen: Die Opfer von Hinterkaifeck | sämtliche Bewohner des Hofes]] ermordet [[Sachverhalte: Die Auffindung | aufgefunden]]. [[Sonstiges: Tatmotive | Es liegt Raubmord vor]]. Die Tat dürfte [[Sachverhalte: Die genaue Tatzeit | am 31.3.22 in der Zeit von 8-11 Uhr abends]] erfolgt sein. Was alles geraubt worden ist, konnte noch nicht festgestellt werden, immerhin ist aber anzunehmen, daß dem oder den Tätern ein ansehnlicher Betrag Papiergeld in die Hände gefallen ist. Ermordet wurden die im Austrag lebenden, in den 70er Jahre stehenden [[Personen: Ehepaar Gruber | Eheleute Andreas und Zäzilie Gruber]], die Besitzerin des Hofes [[Personen: Gabriel Viktoria | Viktoria Gabriel]], Witwe, deren 8 Jahre altes Töchterchen [[Personen: Gabriel Cäzilia | Zäzilie]] und 2 1/2 jähriger Sohn [[Personen: Gruber Josef | Josef]]; ausserdem die erst am 31. 2.22 bei Gabriel in den Dienst getretene 43 Jahre alte [[Personen: Baumgartner Maria | Maria Baumgartner]]. Die Mörder, es dürften 2 Personen gewesen sein, haben vor der Tat in dem unmittelbar an das Wohnhaus angebauten Stall ein Rind losgekettet, um dadurch eine Unruhe im Stalle hervorzurufen. Anscheinend sind dann die Eheleute Gruber, die Witwe Gabriel und deren Tochter Zäzilie nacheinander in den Stall gegangen, sind dort von den Tätern erwartet, mit einer sogen. [[Sachverhalte: Kreuzhacke | Kreuzhacke]] erschlagen und in die anstossende Tenne geschleppt worden. Das 2 1/2 Jahre alte Kind lag erschlagen im [[Sachverhalte: Stubenwagen | Stubenwagen]], die Dienstmagd in der Kammer neben ihrem Bette. Allen war der Schädel eingeschlagen.<br>
 
Daß die Tat erst spät abends ausgeführt worden ist, ist daraus zu schliessen, daß der alte Gruber nur mit Unterhose und Hemd und die 9 Jahre alte Zäzilie Gabriel nur mit einem Hemdchen bekleidet war, sohin von ihren Betten aufgestanden sein dürften. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur.<br>
 
Daß die Tat erst spät abends ausgeführt worden ist, ist daraus zu schliessen, daß der alte Gruber nur mit Unterhose und Hemd und die 9 Jahre alte Zäzilie Gabriel nur mit einem Hemdchen bekleidet war, sohin von ihren Betten aufgestanden sein dürften. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur.<br>
 
Um eifrige Fahndung, Nachfragen in den Bahnhofstationen der Bezirke Schrobenhausen und [[Orte: Pfaffenhofen | Pfaffenhofen]], sowie in den um den [[Sachverhalte: Tatort | Tatort]] gelegenen Örtlichkeiten über Wahrnehmung von verdächtigen Persönlichkeiten am 31.3. u. 1.4.22 wird gebeten. <br>
 
Um eifrige Fahndung, Nachfragen in den Bahnhofstationen der Bezirke Schrobenhausen und [[Orte: Pfaffenhofen | Pfaffenhofen]], sowie in den um den [[Sachverhalte: Tatort | Tatort]] gelegenen Örtlichkeiten über Wahrnehmung von verdächtigen Persönlichkeiten am 31.3. u. 1.4.22 wird gebeten. <br>

Version vom 28. April 2020, 05:32 Uhr

AktenDokumente.jpg

Tagesbericht Nr. 23

1 Quelle

Leuschner 1978

2 Detailinformationen

2.1 Datum

12. April 1922

2.2 Ort

Augsburg

2.3 Autor/Funktion

Kriminalabteilung Augsburg

3 Inhalt

(Auszug)


Mittwoch, 12. April 1922

Polizei-Amt Augsburg
Kriminal-Abteilung
Fernruf 631.

Tagesbericht Nr. 23
I

7.) Sechsfacher Raubmord in der Einöde Hinterkaifeck, B.A. Schrobenhausen. Hohe Belohnung!
Am Dienstag, den 4. April nachm. um 5 Uhr wurden im Einödhof Hinterkaifeck Gde. Wangen, bayr. B.A. Schrobenhausen, sämtliche Bewohner des Hofes ermordet aufgefunden. Es liegt Raubmord vor. Die Tat dürfte am 31.3.22 in der Zeit von 8-11 Uhr abends erfolgt sein. Was alles geraubt worden ist, konnte noch nicht festgestellt werden, immerhin ist aber anzunehmen, daß dem oder den Tätern ein ansehnlicher Betrag Papiergeld in die Hände gefallen ist. Ermordet wurden die im Austrag lebenden, in den 70er Jahre stehenden Eheleute Andreas und Zäzilie Gruber, die Besitzerin des Hofes Viktoria Gabriel, Witwe, deren 8 Jahre altes Töchterchen Zäzilie und 2 1/2 jähriger Sohn Josef; ausserdem die erst am 31. 2.22 bei Gabriel in den Dienst getretene 43 Jahre alte Maria Baumgartner. Die Mörder, es dürften 2 Personen gewesen sein, haben vor der Tat in dem unmittelbar an das Wohnhaus angebauten Stall ein Rind losgekettet, um dadurch eine Unruhe im Stalle hervorzurufen. Anscheinend sind dann die Eheleute Gruber, die Witwe Gabriel und deren Tochter Zäzilie nacheinander in den Stall gegangen, sind dort von den Tätern erwartet, mit einer sogen. Kreuzhacke erschlagen und in die anstossende Tenne geschleppt worden. Das 2 1/2 Jahre alte Kind lag erschlagen im Stubenwagen, die Dienstmagd in der Kammer neben ihrem Bette. Allen war der Schädel eingeschlagen.
Daß die Tat erst spät abends ausgeführt worden ist, ist daraus zu schliessen, daß der alte Gruber nur mit Unterhose und Hemd und die 9 Jahre alte Zäzilie Gabriel nur mit einem Hemdchen bekleidet war, sohin von ihren Betten aufgestanden sein dürften. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur.
Um eifrige Fahndung, Nachfragen in den Bahnhofstationen der Bezirke Schrobenhausen und Pfaffenhofen, sowie in den um den Tatort gelegenen Örtlichkeiten über Wahrnehmung von verdächtigen Persönlichkeiten am 31.3. u. 1.4.22 wird gebeten.
Mitteilungen an die Staatsanwaltschaft Neuburg, T.R.8, oder Pol. Direktion München, Tel. 20231 Nebst. 1/9.

8.) Zum sechsfachen Raubmord in Hinterkaifeck

(Tagesbericht v. 6.4.22 Nr. 80 I 4, v. 11.4.22 Nr. 84 I 9, v. 22.4.22 Nr. 91 I 5, v. 25.4.22 Nr. 93 I 14, v. 15.5.22 Nr. 110 I 8 u. Bay. Pol. Bl. v. 8.4.22 Nr. 51 /3248 (Sonderblatt), v. 19.4.22 Nr. 55/3461, v.29.4.22 Nr. 60/3809, v. 20.5.22 Nr. 71/4560)

Trotz aller Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, die Täter des v. 31. März zum 1. April 1922 in der Einöde Hinterkaifeck, Gde. Wangen, B.A: Schrobenhausen, begangenen Raubmordes festzustellen. Die Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern, hat nunmehr mit Entschliessung v. 14. August 1926 an Stelle der unterm 7.4.1922 ausgesetzten Belohnung von 100 000 Papiermark eine Belohnung von 1000 RM für die Ergreifung oder sichere Ermöglichung der Ergreifung der Täter ausgesetzt. Zweckdienliche Mitteilungen an die Staatsanwaltschaft Neuburg a.D. zu A 169 oder an die Pol. Dir. München, Kriminalabteilung
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4 Fragen/Bemerkungen

Leuschner 1978