Berichte: 1953-03-03 Brückl an Dr. Maginot

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Bericht des Staatsanwaltes Dr. Popp

Quelle

Bayerisches Armeemuseum

Detailinformationen

Datum

03.03.1953

Ort

Schrobenhausen

Autor/Funktion

Brückl, Insp.d.LP.

Inhalt

Schrobenhausen, den 3.3.1953

Bayerische Landpolizei
Landpol. Insp. Schrobenhausen
Tgb. Nr. 9 / 1953

An die Staatsanwaltschaft
Herrn O. St. A. Dr. Maginot persönlich
A u g s b u r g
Nachrichtlich: an LP. Direktion Obb.-D II-



Betr.: Sechsfacher Mord an den Familien Gruber und Gabriel in
Hinterkaifeck im Frühjahr 1922


Durch die St.A. wurden im Jahre 1937 in der Mordsache Hinterkaifeck Ermittlungen durchgeführt. Im Verlauf dieser Feststellungen sind die Gebrüder Gabriel, nämlich Anton G., Josef G. und Jakob G. in Untersuchungshaft gesetzt worden. Die Untersuchungen wurden dortmals hauptsächlich auf Grund der Aussagen der Frau Missel, geb. Grabmann, aus Wangen, Lkrs. Schrobenhausen, in die Wege geleitet. Soviel hier bekannt ist, war seinerzeit eine hohe Geldsumme für wichtige Hinweise zur Ermittlung der Täter ausgesetzt. Die Miessel war verheiratet. Nach Aussagen von Ortsbewohnern aus Wangen hat sie damals auf Zureden ihres Mannes die belastenden Aussagen gegen die Gabriel gemacht. Ihren Worten wurde zunächst Glauben geschenkt, da sie z. Zt. Des Mordes bei Gabriel in Laag, Gde. Wangen, als Dienstmädchen angestellt war. Später wurden jedoch die Aussagen als zweifelhaft hingestellt, ja sogar als unglaubwürdig; Miessel wurde für geistesgestört erklärt und in eine Anstalt in Kaufbeuren eingeliefert. Die Gebrüder Gabriel wurden aus der Untersuchungshaft entlassen.
Am 27.3.1953 war ich auf Besichtigungsfahrt im Stationsbereich Hohenwart und kontrollierte u.a. Gastwirtschaften und Geschäfte in Gröbern und Waidhofen. Ich brachte dort in Erfahrung, daß die Miessel Maria vor ungefähr 3 Wochen aus der Anstalt in Kaufbeuren entlassen worden ist und ihre Angehörigen besucht hat. Sie fragte einen Ortsbewohner, was jetzt über den Mordfall Hinterkaifeck bekannt sei, worauf dieser meinte, sie müsse darüber mehr wissen.
Miessel erklärte daraufhin, sie könne die dortmals gemachten Angaben von 1937 aufrechterhalten und behauptete weiterhin, daß sie von den Gebrüdern Gabriel nach dem Mord in das Anwesen Hinterkaifeck geschickt worden wäre, um die Kühe zu melken. Auch diese Feststellung hielt sie auf Befragen aufrecht. Es konnte nun leider nicht in Erfahrung gebracht werden, ob die Miessel angeblich schon zum melken geschickt wurde, ehe die Tat bekannt worden ist oder erst nach Entdeckung des Mordfalles. Über die Angehörigen der Miessel ist von der Bevölkerung geäußert worden, daß niemand, weder die Eltern, noch Großeltern, noch die Geschwister jemals an Geistesgestörtheit gelitten hätten. Auch die Miessel Maria wird als ganz normal geschildert und sie selbst hat öfter erklärt, daß sie keinesfalls geisteskrank gewesen wäre. Ihre Entlassung aus der Anstalt hätte sie nur bewirken können, weil sie sich an die Regierung in Bonn gewendet hatte. Über den Ehemann der Miessel wird nicht sehr günstig gesprochen. Er soll sich nach der Einweisung seiner Frau in die Heilanstalt von ihr scheiden haben lassen und sich nicht mehr in Augsburg aufhalten.

Die Familie Gabriel wird wie folgt geschildert:
Der alte Gabriel war ein seelenguter Mensch, der niemand etwas zuleide tat. Seine Frau dagegen soll herrisch gewesen sein und einen großen Einfluß auf die Söhne gehabt haben. Der älteste Sohn Josef G., der nun in Rettenbach, Ndby. Verheiratet ist, wird als herrisch geschildert. Er ist von Beruf Metzger. Der zweitälteste Sohn Anton G., wohnhaft in Schlott, Gde. Seibersdorf, soll ähnlich veranlagt sein, wie sein älterer Bruder Josef, während Jakob G., der noch das Anwesen seiner Eltern bewirtschaftet, als ruhiger, friedliebender Mann angesehen werden kann.
Über die Ermittlungen aus dem Jahre 1937 liegen bei der Landpolizeiinspektion Schrobenhausen keinerlei Unterlagen auf. Sie wurden dortmals soviel bekannt ist, von dem jetzigen O.Insp.d.LP. Meiendres und dem Komm.d.LP. Peter Schuster durchgeführt.
Die Maria Miessel hält sich z.Zt. in Augsburg, Humboldgraben 3/III auf. Da sich die Mießel ihren Bekannten gegenüber geäußert hat: „Ein wenig was wüßte ich schon über den Fall Kaifeck“, dürfte eine gründliche Vernehmung notwendig sein. In der Gemeinde Wangen ist auch das Gerücht aufgetaucht, die Miessel hätte nach dem Mord blutige Wäsche der Gebrüder Gabriel waschen müssen; in wieweit dieses Gerücht der Wahrheit entspricht, konnte nicht überprüft werden.

(Brückl)
Insp.d.LP.

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