Dokumente: 1922-04-12 Laboruntersuchung von Gegenständen des Johann Schwoyer

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1 Detailinformationen

Beauftragung und Ergebnisse der Laboruntersuchungen von Gegenständen des Johann Schwoyer auf Menschenblut

1.1 Datum

12.4.1922/15.4.1922

1.2 Ort

München

1.3 Art des Dokumentes

Schreiben

1.4 Verfasser

Ramer, Prof. Dr. Merkel

1.5 Verfasst für

Akte

1.6 Quelle

Staatsarchiv München, PolDir 8091b

2 Inhalt

Polizeidirektion München
München, den 12.4.22


An
das Medizinalkomitee der Universität
z.H. des Herrn Professor Dr. Merkel,
G.M.R. München Schillerstr. 29.

Betreff:
Raubmord in Hinterkaifeck


Bei dem hier in Haft befindlichen led. Arbeiter Johann Schwoyer, geb. am 23.6.97. in Olching wurde mitfolgender Sack und Hose gefunden.

An diesem Sacke und Hose befinden sich Flecken, welche Blutflecken sein sollen.
Ich ersuche um gefl. Untersuchung der beiden Gegenstände und gutachtliche Äußerung, ob es sich um Blutflecken handelt, wenn ja, ob sie von Menschenblut herrühren.
I.A.
gez. Ramer.


An das Med. Komitee v.k.H. mit der Bitte um geschäftsmässige Erledigung.

E.Nr. 4
V.k.H zurück an die Polizeidirektion München mit Gutachten und Liquidation.
München, den 15.4.22.
Medizinal-Komitee München
Der Vorstand:
Unterschrift.

I.N. 20/22.
Am 15.4. in Rückleitung samt Gutachten und Kostenberechnung.
gez. Dr. Merkel.

I.N. 20/22.
Ger. Med. Institut der Universität München, 13.4.22.


Bericht.

des mit dem mikroskopischen serologischen etc. Untersuchungen in gerichtlichen Fällen betrauten Suppleanten des Medizinalkomitees der Universität in München über eine Untersuchung im untenstehenden Betreff.


Betreff: Raubmord in Hinterkaifeck.

Am 12.4.22. wurden durch die Polizeidirektion München dem Medizinalkomitee eingesandt ein Rupfensack und eine dunkle Hose, beide zur Untersuchung auf Menschenblutspuren; die Gegenstände wurden bei dem Arbeiter Johann Schwoyer, geb. 23.6.97. in Olching vorgefunden.
Über diese dem Unterzeichneten zugewiesene Untersuchung folgt hiemit Bericht.

Untersuchung.

Der Rupfensack zeigte an verschiedenen Stellen teils hellrötliche, teils mehr dunkelrote Flecken; auf diese Flecken, die bei der Lupenbetrachtung wenig für Blut sprachen, wurde Wasserstoffsuperoxyd aufgetropft, es ergab sich aber an keinem derselben das Auftreten von Schaumbildung, wie es bei Blutspuren, die noch nicht ausgekocht sind, der Fall ist. Daher liegt hier kein Blut vor.
Die dunkle Hose erwies bei der Betrachtung im schräganfallenden Tageslicht an der Vorderseite und an den beiden Beinen ausgedehnte eigenartig bräunlich erscheinende teils scharfe, teils wie verwaschene Flecken, die mir zunächst sehr verdächtig auf Blutspuren erschienen. Die Austropfung von Wasserstoffsuperoxyd an einzelnen Stellen hat aber keine Schaumbildung ergeben. Ich habe daher auch noch einmal die ganze auf einem Tisch ausgebreitete Hose mit 3%iger Wasserstoffsuperoxydlösung mittels Gebläses besprayt aber auch dabei hat sich an keiner der zunächst verdächtig erscheinenden Stellen eine Schaumbildung, wie sie bei Blutflecken eintreten muss, ergeben.
Es erübrigte sich somit eine weitere Untersuchung der Flecken.

Zusammenfassung.

Weder an dem Rupfensack noch an der Hose konnten Blutspuren nachgewiesen werden.
Suppleant im Medizinalkomitee u.
Vorstand des ger.med. Instituts.
gez. Prof. Dr. Merkel