Dokumente: 1922-05-09 Aktennotiz zu Löhner und Berchthold

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Aktennotiz über die Reisenden Gottlieb Löhner und Ludwig Berchtold

1 Detailinformationen

1.1 Datum

09.05.1922

1.2 Ort

Augsburg, Schöpplerstraße

1.3 Art des Dokumentes

Aktennotiz, unvollständig

1.4 Verfasser

Johann Feistle, Kriminalassistent

1.5 Verfasst für

1.6 Quelle

Staatsarchiv München, PolDir 8091b

2 Inhalt

Augsburg, den 9.Mai 1922


I. Der verwitwete Reisende Gottlieb Löhner, wohnhaft Lit.B 33/II hier, macht auf Einvernahme folgende Angaben: Es ist richtig, daß ich mit dem Reisenden Josef Drollmann von hier für die Firma: Oel- und Fettverwertungsstelle Winkler u. Co. München – Laim, Agnes-Bernauer-Str. 5 gereist bin. In die Gegend von Schrobenhausen sind wir noch nie gekommen. Ein reisender mit Namen Berchtold ist mir bekannt. Er ist bei der gleichen Firma als Reisender tätig. Den Vornamen des Berchtold weiß ich nicht, mir ist nur bekannt, daß er im vergangenen Winter geheiratet hat und etwa 26 Jahre alt ist.“

Löhner ist schon 48 Jahre alt und lebt in sehr guten Verhältnissen. Es dürfte daher vollkommen ausgeschlossen sein, daß er bei dem Morde in Hinterkaifeck als Mitwisser oder gar als Täter in frage kommt.

Auf Grund der von Löhner gegebenen Anhaltspunkte konnten die Personalien des Berchtold im städt. Einwohneramt hier festgestellt werden, die wie folgt lauten:

Berchtold Ludwig, verh. Reisender, geb. 5.8.1891 zu Leutstetten, Bez.Amt Starnberg, St.A.Bayern, Ehefrau: Pauline, geb. Moos, Eltern: Vitus Berchtold, Oekonom u. Maria geb. Schaberer, Kriegsteilnehmer, nicht vorbestraft und Schöpplerstrasse 8/0 hier wohnhaft.

II. Berchtold ist ständig auf Reisen u. konnte erst am Sonntag, den 7.V.22 hier betroffen werden. Zur Sache gehört, machte er folgende Angaben:

Ich bin bei der Oel- und Fettverwertungsstelle Winkler u. Co. München – Laim, Agnes-Bernauer-Str. 5 als Reisender tätig. Als solcher habe ich auch die Gegend von Schrobenhausen bereist. Im September vergangenen Jahres kam ich auch in den Hinterkaifeckhof. Bemerken möchte ich, daß ich stets allein gereist bin. Die Besitzerin, Frau Gabriel, bestellte bei mir Wagenfett, Motoroel, 1 Fass Benzin und auch andere Fette. In die Wohnung ließ sie mich nicht, sie hat vielmehr den Bestellzettel, den ich ihr durch das Fenster in den Stall reichen mußte, dort unterschrieben und mir durch das Fenster wieder gegeben. Am 7.III.22 suchte ich die Frau Gabriel zwecks Entgegennahme von Bestellungen wieder auf. Sie frug mich, für welche Firma ich reise. Nachdem ich ihr meine Firma nannte u. ihr sagte, daß ich schon im September 1921 bei ihr Bestellungen auf Fette und Oele entgegengenommen habe, fragte sie mich, wo sie mir den Zettel unterschrieben habe. Erst als ich ihr sagte, daß ich den Zettel durch das Fenster in den Stall gereicht u. sie ihn dort unterschrieben habe, ließ sie mich in die Wohnstube. Sie bestellte nun bei mir wieder 1 Fass Benzin u. ein größeres Quantum Oele u. fette. Diese Sachen konnten ihr aber nicht mehr geliefert werden, da sie u. ihre Angehörigen inzwischen ermordet worden sind. Seit dem 7.3.1922 bin ich nicht mehr nach dem Hinterkaifeckhof und auch nicht in dessen Nähe gekommen. In der letzten Woche des Monats März 1922 habe ich die Gegend von Mering bis Diessen zwecks Entgegennahme von Bestellungen aufgesucht u. bin jede Nacht heimgekommen. Am 31.III.22 habe ich in den Ortschaften Schöffelding, Bahnstat, Schwabhausen, u. in Zell, Bahnstation Egling, Bestellungen entgegen genommen. Am gleichen Tage abends bin ich heim u. erst wieder am Montag, den 3.IV.22 auf reisen fortgefahren. Das ich in den letzten Tagen des Monats März 1922 in den angegebenen Ortschaften Bestellungen gemacht habe, läßt sich bei meiner Firma feststellen. Ich selbst bin auch noch im Besitze der Kopien der gemachten Bestellungen, die ich vorzeigen werde.“

Am 8.V.22 hat Berchtold die Kopien vorgezeigt, wonach er am 29.3.22 in Erasing und Unterwindach u. am 31.3.22 in Schöffelding u. in Zell Bestellungen entgegengenommen hat. Daß er in der Zeit vom 29.3. bis 3.4.22 die Nacht über immer daheim war, wird auch von seiner Ehefrau bestätigt.

Berchtold macht einen sehr guten Eindruck und ist ihm die Tat nicht zuzutrauen.
Kriminalassistent Johann Feistle

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