Dokumente: 1925-05-19 Aktennotiz zu Hofner und zur Reuthaue

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Aktennotiz über den Monteur Albert Hofner und über die Identifizierung der Reuthaue durch Georg Siegl, ehem. Knecht auf Hinterkaifeck

1 Detailinformationen

1.1 Datum

19.05.1925

1.2 Ort

München

1.3 Art des Dokumentes

Aktennotiz

1.4 Verfasser

1.5 Verfasst für

1.6 Quelle

Staatsarchiv München, PolDir 8091b

2 Inhalt

München, den 19. Mai 1925

Betreff: Raubmord in Hinterkaifeck

I. Der Gendarmeriekommandant Schöpf a. D. in Schwarzbach am Wald hat unterm 20. April 1925 an die St.A, Neuburg a.D. eine Anzeige erstattet und in derselben hingewiesen, daß möglicherweise der Raubmord in Hinterkaifeck von dem Monteur, welcher nach dem Mord im Anwesen vorgesprochen und den Motor repariert hat, begangen worden sei. Der Anzeiger gibt dann eine Schilderung über die Ausführung der Tat, die aber im wesentlichen nach den tatsächlichen Verhältnissen nicht übereinstimmt.

II. Seitens der St.A. Neuburg a.D. sind in dieser Richtung durch die Gendarmerie in Hohenwart und Pfaffenhofen a.I. veranlaßt worden, die aber zu dem richtigen Resultate nicht führten.

Eine Befragung des Monteurs Albert Hofner, zur Zeit in Reichertshausen wohnhaft, ist nicht erfolgt. Die Meldung der Gendarmerie in Hohenwart, daß Hofner früher schon eingehend vernommen worden sei, hat sich nicht bewahrheitet.

Die Staatsanwaltschaft Neuburg a.D. hat deshalb unterm 7. Mai 25 diese Anzeige und den Hauptakt 160/22 an die Polizeidirektion München abgesendet mit dem Ersuchen in dieser Angelegenheit Erhebungen zu pflegen, wer der Monteur eigentlich sei, der damals den Bauern Schlittenbauer die Mitteilung überbrachte, daß in Hinterkaifeck alles ruhig sei und sich niemand sehen gelassen habe, als dort der Motor eingerichtet wurde.

Es wurde weiter mitgeteilt, daß das später in der Scheune vorgefundene Taschenmesser sich beim Stadtrat in Schrobenhausen befindet, bzw. dort hinterlegt ist und zu Erhebungszwecken zur Verfügung steht.

Dieses Taschenmesser wurde erholt.

Die vom Krim.Sekr. Kollmer, der Fahndungsabteilung veranlaßten und gepflogenen Erhebungen liegen in Abschrift an.

III. Bekanntlich wurde bei dem im Jahre 23 erfolgten Abbruch des Anwesens Hinterkaifeck im Dachboden unter losen Brettern eine Stockhaue gefunden, die mit Blut u. Menschenhaar beklebt war. Mit dieser Haue sind zweifellos die Bewohner des Anwesens erschlagen worden. Der Besitzer oder Eigentümer dieser Haue konnte lange Zeit nicht festgestellt werden. Am 5.Juli 23 wurde vom Amtsgericht Schrobenhausen der led. Dienstknecht

Georg Sigl [Anm. richtig: Siegl]

20 Jahre alt, bedienstet in Wangen, eidlich über den Eigentümer der Haue einvernommen und machte derselbe folgende Angaben:

Vor 4 Jahren war ich 12 Wochen lang auf dem Hinterkaifer Hof im Dienst. Während dieser Zeit hat der alte Gruber eine Reuthaue zusammengestellt. Den Stiel zu dieser Haue hat er selbst geschnitzt. Da Gruber kein gelernter Wagner war, so ist der Stiel nicht sachgemäß hergestellt worden. Die Reuthaue, die mir soeben vorgezeigt worden ist, ist die, an die damals der alte Gruber den Stiel gemacht hat. Ich erkenne den Stiel ganz genau und zwar daran, daß nur die ersten 20 Zentimeter des Stiels an dem der Haue entgegengesetzten Teil des Stieles auf der einen Seite oval gerundet, auf der anderen Seite aber flach abgeschnitzt ist, mit dieser Haue habe ich selbst gearbeitet. Da die Haue am Stiel nicht festhalten wollte, hat der alte Gruber die Haue mit zwei Eisenbändern am Stiel befestigt und die Eisenbänder außerdem noch mit einer Schraube, die durch den Stiel hindurch ging, festgehalten. An dieser Schraube, die auf beiden Seiten über den Stiel hinausragt und die so befestigt ist, wie sie kein Fachmann befestigen würde, erkenne ich die Haue ganz genau. Ein weiteres Merkmal sind die Splitterungen am Stiel, etwa 3 cm oberhalb des Kopfes der Schraube. Weiteres erkenne ich den Stiel daran, daß seine Holzfasern nicht in gerader Linie verlaufen, sondern an zwei Stellen wellenförmig geschliffen sind. Letztendlich erkenne ich die Haue noch an dem Blatt der Haue. Ich war dabei als der alte Gruber den Stiel schnitzte und an der Haue befestigte. Ich war ebenfalls dabei, wie er die eisernen Klammern an der Haue anbrachte. Es ist gar kein Zweifel möglich, das die Haue, die mir heute vorgezeigt worden ist, eine andere sein könnte, als die, die sich der alte Gruber selbst zusammengestellt hat.

Ich habe die Haue lediglich während meiner Dienstzeit (es war dies vor vier Jahren und meine Dienstzeit dauerte 12 Wochen) im Anwesen des alten Gruber gesehen. Das Werkzeug und die landwirtschaftlichen Geräte wurden auf dem Hinterkaifecker Hof in der Scheunendurchfahrt aufbewahrt, wenigstens so lange als ich dort bedienstet war.

V.g.u.u. gez. Georg Sigl

3 Offene Fragen/Bemerkungen

Warum wurde Georg Sigl eidlich vernommen?