Dokumente: 1951-11-26 Zusammenfassung Gespräch Staatsanwalt Dr. Popp mit Bürgermeister Gall

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Vernehmung

1 Detailinformationen

1.1 Datum

26. November 1951

1.2 Ort

(Hinterkaifeck)

1.3 Art des Dokumentes

Vernehmungsprotokoll

1.4 Verfasser

Josef Prähofer

1.5 Verfasst für

1.6 Quelle

Bayerisches Armeemuseum

2 Inhalt

Vermerkungsnotizen für die Unterredung des Herrn StA. Dr.Popp, Augsburg mit dem Bürgermeister der Gde. Waidhofen anläßlich der Besichtigung des Geländes auf welchem der Hof Hinterkaifeck stand am Montag, 26.11.1951


Bürgermeister Gall von Waidhofen gab an:



„Das Haus in Hinterkaifeck war fast immer abgeschlossen, selbst wenn jemand zuhause war. Dies bestätigt auch der Postbote. Als dieser am Samstag, den 1.4.1922 kam und wieder Post brachte war die Post vom Vortag noch am Fenster gesteckt, wo er sie tagszuvor hingesteckt hatte. Am Dienstag den 4.4.22 war der Monteur Höffner auf dem Hof Hinterkaifeck. Dieser konnte nirgends hinein. Nachdem ihm euch auf Klopfen und Rufen nicht geöffnet worden war, hat er eingebrochen und die Bescherung gesehen. Zum Hof Hinterkaifeck gehörten die Felder (Bgm. Gall zeigte dies im Gelände) und auch noch 3 Tagwerk Wald. Die Grundstücke wurden alle verkauft; wer diese im einzelnen kaufte, weiß ich nicht. Die Erben Gabriel haben das Anwesen abgebrochen.


Über die Kreuzhacke kann ich keine Auskunft geben. Der Hof war südlich von diesem Marterl gestanden. Finanziell standen die Hinterkaifecker immer gut. Die Viktoria,verw. Bäuerin, habe ich gut gekannt. Diese hatte sehr viele Kleider und war immer modern gekleidet. Dagegen ist der alte Gruber immer mit dem gleichen Gewand umher gelaufen.Er hat für sich nie etwas neues gekauft. Zur Tatzeit waren noch ca.500 Ztr.Kartoffeln im Keller. Geld haben die Hinterkaifecker nie gebraucht, sie hat die Not nicht gedruckt. Es waren immer Geldreserven vorhanden. Ob sich die Hinterkaifecker kurze Zeit vor den Mordfall einen Dreschwagen gekauft haben weiß ich nicht genau, ich nehme dies aber an, weil Gruber einen schweren Benzinmotor hatte u. maschinell gut eingerichtet war. Ob die Stieftochter noch lebt,weiß ich nicht. Nach meiner Ansicht waren die Hinterkaifecker finanziell so gut gestellt, daß sie sich einen Dreschwagen kaufen und selbst bezahlen konnten. Es besteht aber die Möglichkeit, das sich Gruber sagte, er nehme etwas Geld auf, damit er weniger Steuern bezahlen mußte.
Der alte Bauer war ein Draufgänger. Er hat mit seiner Tochter Blutschande getrieben. Dies wurde durch das Urteil bekannt. Vor dem I. Weltkrieg war dies nicht so bekannt. Zwischen den alten Leuten soll es nicht mehr gestimmt haben, weil er sie nicht mehr gebrauchen konnte. Es wurde damals schon gesprochen, das er es mit der Tochter haben solle.


Ich war beim 13.Inf.Regt.; Gabriel war beim 12.Inf.Regt. Dieses lag bei Nuneville. Ich habe gehört, daß Gabriel dort gefallen sei. Das Grab des Gabriel habe ich nicht gesehen. Die Kriegskameraden, Josef Bichler von Waidhofen,und Nikolaus Haas von Rachelsbach sollen Gabriel, der am 23.12.1914 gefallen ist beerdigt haben. Gabriel soll längere Zeit zwischen den Fronten gelegen haben. Als Gabriel gefallen war soll man wegen der lebhaften Feuertätigkeit nicht zu ihm gekonnt haben. Erst nach Neujahr, als es in diesem Frontabschnitt ruhiger geworden war, sei Gabriel von seinen Kameraden hereingeholt worden sein. Die Utensilien des Gabriel sollen von den Kameraden seinerzeit heimgeschickt worden sein. Was die Kameraden bei Gabriel fanden, ist mir nicht bekannt.

Einige Tage nach dem Bekanntwerden der Mordtat in Hinterkaifeck sagte man, daß es sich hier um keinen Raubmord handeln könne, weil das Geld nicht geraubt worden war. Dann erzählte man, daß die Hinterkaifecker von den Hamsterern für die Lebensmittel die höchsten Preise gefordert hätten und u. U. von einem Hamsterer Rache genommen wurde. Weiter erzählte man, daß die Tat niemand anderer begangen hat als die Gabriel selbst.

Als ich Bürgermeister wurde, war beim LP.-Posten Hohenwart ein gew. Goldhofer Postenchef. Diesen fragte ich einmal,wer der Mörder von Hinterkaifeck sei. Goldhofer sagte dann: " Dort droben ist der Mörder" und zeigte dabei zu Gabriel. Weiter sagte er: " Ich kann es ihm nicht beweisen, aber meine Ansicht ist es."Die Magd bei Gabriel soll auch einmal gesagt haben,sie wisse schon wer der Mörder ist. Hier soll es sich um die Grabmann gehandelt haben. Ich habe dann den Vater der Grabmann gefragt. Dieser sagte aber, daß er von nichts wisse.

Das Beil hebe ich nicht gesehen. Ich hörte erzählen, daß wenige Tage vorher im Schnee 2 Fußspuren vom Wald zum Anwesen gesehen wurden.Der Alte (Gruber) soll deswegen aber keine Angst gehabt haben Er hatte ständig eine Mistgabel bereit, mit der er sich dann verteidigt hätte. Gruber war immer noch sehr kräftig und hatte auch trotz seines Alters noch Schneid.

In der letzten Zeit erzählt man, daß der in Rußland vermißte Gabriel gekommen sei und die Mordtat in Hinterkaifeck begangen habe. Bichler und Haas waren auch in Rußland in Gefangenschaft und sind dort durchgegangen. Die Leute meinen nun, daß Gabriel dies hätte auch tun können.

Gabriel hat noch 3 Brüder die am Leben sind:
1.) Anton Gabriel, Bauer in Schlot .
2.) Jakob Gabriel, Bauer in Waidhofen.
3.) Josef Gabriel, Gastwirt in Rettenbach bei Wasserburg/Inn.



Hausschlachtungen machte der Jakob Gabriel. Die Gebrüder Gabriel wurden wegen Mordverdacht schon einmal verhaftet. Die Volksmeinung war dann, daß die Gabriel es doch gewesen sein konnten. Den Hof wollte von den Gabriel keiner übernehmen. Einen Gemeindehirten gab es zur damaligen Zeit nicht mehr. Der Name Eser ist mir nicht bekannt. Die Leute sagen alle, daß die Sache mit dem russ. Kommissar ein Schmarren sei. Der Angeber will sich wahrscheinlich nur etwas Geld verdienen und er gehört eingesperrt.

In der Umgebung des ehemaligen Hinterkaifeckerhofes befinden sich mehrere Jagdhütten, die des Weigl, Schrobenhausen, ist etwa 1 ½ km von hier entfernt. Die Waldlücke in südlicher Richtung bestand zur Zeit der Tat noch nicht.

Der Wirt Gabriel ist finanziell gut beisammen. Er ist etwa 50 Jahre alt und ein sehr ruhiger Mensch. Er wird im Volksmund der „stille Jakob“ genannt. Gabriel Jakob war immer schon so ruhig."

Protokollführer:
(Prähofer)
Okomm. d. LP.

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