Dokumente: 1952-05-16 Vernehmung Strobl Michael

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Vernehmung

Detailinformationen

Datum

16.05.1952

Ort

Donauwörth

Art des Dokumentes

Vernehmungsprotokoll

Verfasser

Polizeioberkommissar Prähofer

Verfasst für

Landpolizei Bayern

Quelle

Staatsarchiv Augsburg, 1 Js 244/51

Inhalt

Landpolizei B a y e r n
z. Zt. Donauwörth, den 16. Mai 1952

Chefdienststelle Schwaben
-Kriminalstelle-





Vernehmungsniederschrift:

Vorgeführt im Aggfs. Donauwörth erscheint der Strafgefangene Michael Strobel und gibt, nachdem ihm der Gegenstand der Vernehmung bekanntgegeben und er zur Wahrheitsangabe ermahnt worden war,folgendes an:

I. Zur Person:


S t r o b e l, Michael, verh. Fleischer, geb. 25.1.1927 in Dillingen/Do. Wohnhaft in Dillingen, Brühlweg 9, z. Zt. Als Strafgefangener im Aggfs. Donauwörth.


II. Zur Sache:


(P): Nun Sie haben einen Untersuchungsgefangenen namens Gump kennen gelernt, stimmt das?
(St): Ja,ich habe mit diesem Mann etwas gesprochen, aber ----
(P): Wie und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Mann gesprochen?
(St) Ja,ich bin oben eingeteilt zum Putzen und zu dem Zeug und zum Abstauben im Gang!
(P): Eingeteilt zum Reinemachen?
(St): Hausarbeit!
(P): Bei welcher Gelegenheit haben Sie ihn dann kennen gelernt?
(St): Ich bin in der Früh hinaufgekommen und da ist das Geschirr rausgekommen und da habe ich gesehen,daß ein neuer Mann drinnen ist und zu rauchen habe ich nichts gehabt ging an seine Klappe hin und fragte einmal vielleicht hat der Mann etwas zu rauchen. Dann habe ich gefragt,wielange hast Du noch,dann hat er gesagt, Untersuchungegefangener und hat mir die Sache so erzählt.
(P): Wie sieht der Mann aus?
(St): Ja, ich habe den Mann nur durch das Fenster gesehen, also graumelierte Haare und Stiftenkopf und rötliches Gesicht, er trug eine braune Joppe. Ich habe ja weiter mit dem Mann nichts gesprochen, er hat mir ---
(P): Wann war dies?
(St): Am Mittwoch.
(P): Am Mittwoch dieser Woche?
(St): Er hat mir den Fall so erzählt.
(P): Was hat er gesagt?
(St): Ja, daß er in Augsburg war, daß er am Freitag verhaftet worden ist, daß er in Augsburg vernomnen werden ist wegen diesem Fall. Mich hat dies praktisch interessiert, mich hat der Fall interessiert, weil ich noch nie so etwas gehört habe von so einem großen Mordfall.
(P): Warum was erzählte er‚ wegen was ist er denn verhaftet worden?
(St): Ja‚ er hat mir gesagt,daß er reichlich verdächtig ist einen Mord begangen zu haben von 6 Personen, hat er mir erzählt und ich habe, wie er mir gesagt hat‚ ist der Aufseher rauf, der Herr Kupella. Dann sagte ich, wie mir der Mann erzählt hat‚habe ich es dem Aufseher wieder erzählt.
(P): Herr-Strobel, jetzt in aller Ruhe‚ jetzt erzählen Sie uns einmal, was er Ihnen alles gesagt hat.
(St): Da müssen die Herren entschuldigen.
(P): Haben Sie sich etwas aufgeschrieben?
(St): Ich habe mir gestern gedacht, ich schreibe mir dieses Zeug auf.
(P): Vielleicht erzählen Sie uns in aller Ruhe, was er Ihnen gesagt hat.
(St): Schauen Sie, es ist mir sehr unangenehm, daß ich durch so etwas in eine solche Lage hineingekommen bin. Er hat gesagt, der Mord war zwischen 13./14.4.1922. Sein Bruder ist umgekommen und die Kriminal-- und Staatsanwaltschaft gibt an, mit einem Motorrad. Er erzählte mir aber durch einen Schlag von einem Beil an der linken Schläfenseite, was auch erkenntlich ist auf dem Bild, das wo die Kriminalpolizei hat, das ihm vorgelegt worden ist.
(P): Mit dem Beil hat er den Schlag --
(St): -An der linken Seite der Schläfe. 4 Tage später war er auf dem Hof und hat Obst geholt und eine Gans.
(P): In welchem Hof war er da, wo dies passiert ist?
(St): Da wo dies passiert ist und er hat zu mir gesagt, bei der Kriminalpolizei hat er angegeben,er wäre erst im Herbst vergangenen Jahres, im Herbst auf diesem Hof gewesen.
(P): Bei der Kriminalpolizei sagt er, er war erst im Herbst auf dem Hof gewesen!
(St): Im Herbst war er dort gewesen, weil er gefragt wurde, ob er dort war. Also mit diesem Fall, da spielt eine Frau sozusagen eine Frau,mit der sein Bruder eine Liebschaft gehabt hat, aber nicht eine Ehe zustande gekommen ist.
(P): Eine Frau spielt da herein‚die damals die Geliebte des Bruders war!
(St): Ja‚ die spielt da eine Rolle, und angeblich soll von ihrer, diese soll etwas wissen, das habe ich nicht recht herausbekommen‚ die soll die Anzeige aus Eifersucht gemacht haben.
(P): Diese Frau aus Eifersucht-
(St): Ja‚ die soll die Anzeige gemacht haben und das Bild, das die Staatsanwaltschaft hat über den Mord, dieses stammt von seinem Bruder, seiner verheirateten Frau.
(P): Von wem stammt dieses Bild?
(St): Von seinem Bruder‚ seiner seiner verheirateten Frau.
(P): Stammt von der verh. Frau seines Bruders!
(St): Und der Geistliche‚ der hat die Geständnisbeichte vom Täter abgenommen beim Sterben.
(P): Der Geistliche hat die Geständnisbeichte vom Täter abgenommen am Sterbebett. Ja wer war dann der Täter?
(St): Das soll sein Bruder sein, sagt er, aber der Geistliche schweigt und er hat mir auch erzählt, daß sein Bruder Soldat war,daß er auch Offizier war und sogar ein sehr rabiater Draufgänger mit seinen Untertanen und das er mit seinem Bruder das letztemal zusammen gekommen ist kurz nach dem Mord.
(P): Kurz nach dem Mord, seit dieser Zeit hätte er seinen Bruder nicht mehr gesehen!
(St): Seit dieser Zeit hätte er seinen Bruder nicht mehr gesehen.
(P): Ja, sagte er denn nicht, daß er auch mitbeteiligt war?
(St): Da hat er bis jetzt noch gar nichts gesagt. Er sagte nur‚er kann seine Unschuld nicht mehr beweisen durch dies, weil er keine Zeugen mehr herbringt.
(P): Wer war dann damals mit seinem Bruder beisammen?
(St): Ja, er sagte schon, daß er mit seinem Bruder immer beisammen war,Ja,er sagte schon,daß er mit seinem Bruder immer beisammen war, aber er sagte, ich werde jetzt den Verdacht von diesem Mord, ich habe ihn nicht gemacht und er kann dies nicht mehr beweisen, daß er dort nicht war.
(P): Aber sein Bruder war dort!
(St): Ja, das sagt er ja und weiterhin hat er mir gesagt, daß sein Bruder ein liederliches Leben geführt hat und daß die junge Frau, die ermordet worden ist, die verh.Frau von diesem Hof, die hat ein uneheliches Kind gehabt und durch dieses uneheliche Kind sei der Mord gekommen. Aber er hat mir nicht gesagt, ob das Kind von seinem Bruder war oder ob dies eine Verwandtschaft mit dem zu tun hat.
(P): Ja was haben Sie noch?
(St): Dann hat er mir angegeben‚ daß die StA. ihn vernommen hat,wo er 1923/24 war und das die StA. ein Bild von seinem Bruder hat und daß er bei einem Sportklub war und ein Mann‚der ihm den Zeugen machen soll‚ der kann es nicht mehr bezeugen,weil es schon solange her ist und er hat nachträglich an die Polizei‚ durch die Kriminalstelle‚ hat er seinen Lebenslauf geschrieben und hat einzele Verbesserungen in seinem Protokoll niedergelegt.
(P): Seine Angaben verbessert‚ net war!
(St): Ja‚seine Angaben verbessert; Mord vermutlich Raub! Er selbst müßte sohweigen‚ von seiner Person aus sagt er ja nichts, daß er dort war und er hat mir nur gesagt, daß er von diesem Hof hätte er zu seiner Frau nichts heimbringen dürfen, wenn er da dort gewesen wäre und von den Kleidern, Schmuck oder so etwas‚ da hätte ihn seine Frau hinausgeschmißen, wenn er da etwas heimgebracht hätte. Er hat damit nichts zu tun gehabt mit dieser Sache.
(P): Ja‚weiß er denn, daß da Schmuck und Kleider gestohlen worden sind?
(St): Ja, das hat er mir nicht gesagt, er hat mir gesagt, von diesem Zeug, was da drinnen gewesen ist. Er nimmt an, daß es ein Raubüberfall war, weil‚ kein Luchtmord (sic!) kann es nicht gewesen sein, sagt er, dies ist ein unmöglicher Fall‚ er rechnet,daß es ein Raubmord ist, und wenn er da von diesem Zeug etwas heimgebracht hätte‚ dies hätte er nie mit heimbringen dürfen ‚er würde mit seiner Frau ein gutes Eheleben führen und hätte 2 angenommene Kinder‚die er adoptiert habe oder so was, wie er gesagt hat und wenn er einen Mord machen hätte wollen, dann hätte er ja diesen mit den Kindern machen können.
(P): Wer hatte 2 Kinder angenommen?
(St): Der Mann da, mit dem ich gesprochen habe. Er hat mir erzählt, wenn er ein Lustmörder gewesen wäre oder sonst wenn er so etwas getan hätte, dann hätte er ja nicht die Kinder angenommen und er hätte es an diesen machen können,er bräuchte da nicht diese Familie raus suchen oder sonst was.
(P): Hat er jetzt Ihnen noch etwas gesagt,daß er der StA. oder der Polizei nicht gesagt hat? Oder nur unvollständige Angaben gemacht hat?
(St): Er hat mir nur gesagt‚ daß er bei seiner Vernehmung stark aufgeregt war, warum‚ ob ich dies verstehen könnte, er ist schon 65 Jahre alt u. der Fall liegt soweit zurück und er wäre unschuldig sagt er, aber er kann seine Unschuld nicht beweisen und er weiß‚ daß er bestraft wird. Er tät sich das Leben nehmen, aber das mache er nicht vor der Verhandlung aus dem Grund.weil sonst die StA. u.die Leute sagen, er war trotzdem der Täter. Nlatürlich wenn es zur Verurteilung kommt‚ dann wird er ohne weiteres aus dem Leben scheiden.
(P): Hat er Ihnen etwas gesagt,daß er uns angelogen hat?
(St): Nein, er hat zu mir nichts gesagt‚ daß er Sie angelogen hat, er hat nur gesagt, daß er da die Verbesserung in seinem Protokoll gemacht hat und das ist sein Nachteil, daß er das nicht gleich gesagt hat, daß er dann nachher auf diesem Hof war, und ich habe ihn dann zu Wort genommen und sagte: "Wenn er einmal--- hat er zu mir gesagt---und war dennoch dort auf dem Hof, 4 Tage und zur Polizei hat er gesagt‚ daß er erst im Herbst bei der Kartoffelernte dort war‚ ich sagte‚das stimmt ja gar nicht überein‚ was machst Du da zusammen? Sagst entweder ich war erst im Herbst oder Du sagst‚ Du warst gleich danach dort,und dann sagt er‚ ja ich war gleich danach dort, 4 Tage danach--- 3 oder 4 Tage danach. Dies ist eine schöne Sache,wenn Du ein solches Zeug daher redest."
(P): Was hat er denn von der Frau noch gesagt‚ die der Bruder damals dabei gehabt hat, wo ist diese heute?
(St): Ja‚ dies hat er mir nicht gesagt‚ da ist nämlich der Herr Wachtm. gekommen und da habe ich gedacht‚ der schimpft mich gleich und dann bin ich weggegangen.
(P): Hat er Ihnen noch etwas gesagt‚ daß die Frau bei seinem Bruder dabei war?
(St): Ja,die Frau,die war ja die Eifersuchtsdrama‚ darum ist ja sein Bruder von seiner verh. Frau weggangen und ist wieder zu der led. Frau gegangen, wo die Tat begangen werden ist. Diese led. Frau war eine leichte Frau‚ diese war nach seiner Mundart ein richtiges Zigeunerweib gewesen. Sein Bruder tät ein liederliches Leben führen.
(P): Herr Strobel, hat er Ihnen etwas gesagt, daß damals‚ wo dies passiert ist, wo also sein Bruder auf dem Hof war, ob der Bruder da die led. Frau dabei gehabt hat?
(St): Da hat er nichts gesagt.
(P): Was hat er denn Ihnen über seinen Bruder und den Hof gesagt?
(St): Er hat mir nur gesagt, daß der Mann von der Frau die da auf diesem Hof ist die Junge, die wo ermordet worden ist, daß da also sein Bruder hingekommen ist öfters und von dem Kind, aber er weiß nicht‚ und von dem Kind, aber er weiß nicht‚ ob dieses Kind von seinem Bruder ist oder wie dies zusammen hängt. Er hat da näher keine Beziehungen gehabt und er hat mir gesagt, daß der Mann, angeblich soll es ein russischer Offizier gewesen sein und der Mann war nicht mehr zurück gekommen.
(P): Und sein Bruder hat den Mann der jungen Bäuerin gekannt?
(St): Ja, das sagt er, den hatte er gekannt.
(P): Herr Strobel und wenn das alles so wäre, wie Sie mir gesagt haben!
(St): Da ist kein Wort nicht verdreht oder sonst was .Das kann ich zu jeder Zeit auf Eid nehmen und gegen den Mann gegenüber gestellt werden. Der Mann muß ein Wort wie das andere sagen, das gibt es bei mir nicht, nämlich ich habe nichts, wenn ich Ihnen da vielleicht was vorlüge oder was vormache, das wäre ja für mich ein großes Ding. Ich weiß ja nicht,ob der Mann wirklich der Täter ist oder nicht der Täter ist. Er sagte nur zu mir, daß er hier angesehen wird als Mörder. Und wie ich dann mit ihm gesprochen habe, da sagte er zu mir: "Gell Du siehst mich nicht an als Mörder?", sagte er und in Augsburg war es gut drinnen, da ist er nur einmal aufgefallen auf dem Transport, weil er auch so nervös war und sonst--- und da hat er dann zu dem Wachtmeister, hat ihn nachher angesprochen und hat gesagt:"Na hörens einmal, warum sind Sie so nervös,wenns wegkommen?", und dies und jenes, sagt er von wegen dem Verschuben, jetzt war er zuerst in Ingolstadt, dann ist er nach Augsburg gekommen, dann hat er in Augsburg die Vernehmung gehabt durch den. Herrn von München glaube ich --- jetzt er hat gesagt,ein Herr von München ist --- zwei Herrn waren.bei ihm und jetzt wieder anders.
(P): Jetzt nochmals Herr Strobel: „Er hat Ihnen erklärt, sein Bruder hatte einen Schlag auf die linke Schläfe bekommen und zur Polizei hätte er gesagt er hätte einen Motorradunfall gehabt.“
(St): Nee, er hat zu mir gesagt,die Polizei, die Kriminalabteilung hat zu mir gesagt, sein Bruder wäre umgekommen durch einen Motorradunfall. Aber er.sagte mir, das kann nicht stimmen, im Bild nach, wie sein Bruder auf der Totenbahre liegt, das was ihn zurückgeschreckt hat, wie er das Bild gesehen hat, ist sein Bruder erschlagen worden mit dem Beil, und zwar ist ein schwarzer Flecken auf der. linken Schläfenseite sichtbar. Auf dem Bild da, hat er mir gesagt.
(P): Haben Sie öfters mit ihm gesprochen?
(St): Nein, ich habe nur einmal mit ihm gesprochen!
(P): Habt ihr solange Zeit gehabt zum Sprechen?
(St): Es war ja niemand da gellns.
(P): Ich habe mit dem Verwalter schon gesprochen, für Sie gibt das keine Folgen, nicht wahr.
(St): Ich habe dann mit dem Mann gesprochen und am anderen Tag habe ich dann die Zeitung rein und sonst bin ich nicht mehr hinaus. Ich werde mich da hüten ,daß ich mich gegen das Gesetz noch verstosse, wo ich kurz vor meiner Entlassung stehe Herr Kriminaler, ich habe ja da nichts davon, wenn ich da nichts sage, da könnte an ja schließlich meinen, ich würde dem Mann helfen + ich möchte da was verdecken oder sonst was

Geschlossen:
Zugegen:
Prähofer