Sachverhalte: Aktenfundstücke Tatwaffen

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1 Die Tatwaffen

Es wurden insgesamt 4 mögliche Tatwaffen der Mordtat Hinterkaifeck zugeordnet:



Anfänglich kam die Kreuzhacke als Tatwaffe in Betracht, die kurz nach der Auffindung der ersten Leichen von Lorenz Schlittenbauer im Futterbarren des Stalles gefunden wurde.

Als dann knapp ein Jahr später im Fehlboden der Dachbodens eine Reuthaue gefunden wurde, die charakteristische Eigenschaften aufwies, welche einige bis dato seltsame Verletzungsmuster erklärten, wurde die Reuthaue als Haupttatwaffe ausgemacht.

Weitere Verletzungen deuten entweder auf weitere Tatwaffen oder aber den unterschiedlichen Gebrauch der Reuthaue hin. Ein Versuch, die bekannten Verletzungen den Tatwaffen zuzuordnen finden Sie hier.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen aus den offiziellen Hinterkaifeck-Akten.

2 Welche Verletzungen können dieser Tatwaffe zugeordnet werden?

Die Vielzahl der unterschiedlichen Verletzungen der Opfer sind sehr unterschiedlich. Waren also mehrere Tatwaffen im Spiel?
Finden Sie eine Liste der Verletzungen und eine mögliche Zuordnung zu den in Frage kommenden Waffen auf unserer Spezialseite zum Thema.

3 Hinweise

Die Ähnlichkeit der beiden Werkzeuge Reuthaue und Kreuzhacke brachte es mit sich, dass in den Akten sowie in den Zeitungsberichten ähnliche oder gar identische Benennungen verwendet wurden. Um eine Unterscheidung zu ermöglichen werden die folgenden Aktenfundstücke zeitlich aufgeteilt in die Ermittlungen vor dem März 1923, als die Reuthaue noch nicht gefunden war und in die Zeit danach. Wo in den späteren Zitaten missverständliche Bezeichnungen auftauchen, findet sich ein entsprechender Hinweis.

4 aus den Akten ...


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Hinweis: Die Aktenfundstücke sind chronologisch in aufsteigender Reihenfolge angegeben. Je höher die Quellennummer, umso weiter ist diese Aussage zeitlich gesehen vom Tatgeschehen entfernt. Bitte beachten Sie dies bei der Einschätzung der Glaubwürdigkeit/Belastbarkeit der jeweiligen Quelle/Information.

4.1 Aktenfundstücke vor 23.2.1923

4.1.1 Tatwaffe allgemein

  • "Der Gerichtsarzt ist der Ansicht, daß die Verletzungen mit einem stumpfen Gegenstand, nicht mit der Kreuzhacke der Toten beigebracht worden ist." [4]

4.1.2 Kreuzhacke

  • "Im Stallgang musste ich einem Rind ausweichen und stieg deshalb in den Barren. Dort sah ich einen Kreuzpickel im Barren an der Wand lehnen." [1]
  • "Im Futtertrog an der Ecke lehnte ein sogenannter Kreuzpickel – auch Kreuzhacke genannt – Schlittenbauer gab an, dass dieser Pickel am 4.4. nachm. im Futterbarren lag und von den Rindern abgeleckt wurde. Er habe den Pickel im Barren an die Wand gelehnt. Die Besichtigung des Pickels ergab, dass am Stiel, dem sog. Haus, braunrote Flecken vorhanden sind, die m.E. nach Blutflecken sein dürften. Der Pickel soll Eigentum der Hausbesitzer sein. Wo dieser eigentlich ständig aufbewahrt war, konnte nicht bestimmt festgestellt werden." [2]
  • "Am 4.IV. nachts fand die Gerichtskommission am Südende des Futterbarrens im Stall eine schwere Kreuzhacke mit einem etwa meterlangen Stiel; diese Hacke war in den Futterbarren selbst hineingelehnt, so daß sie vom Vieh beleckt werden konnte, u.auch tatsächlich beleckt worden ist, wie der Richter selbst gesehen hat. Es machte den Eindruck, als ob an dem Eisenteil dieser Hacke noch einige Blutspuren zu sehen wären, ebenso zeigten sich an dem Teil des Stieles, da wo er aus den Eisenteilen herausführt, einige rotbraune Flecken, wie von angetrocknetem Blut. Die Kreuzhacke wurde da vorgefunden, wo in der Planskizze ein blaues Kreuz im Futterbarren eingezeichnet ist. " [3]
  • "Bei der Augenscheinseinnahme wurde auch noch am 4.April 1922 im Futterbarren eine schwere Kreuzhacke gefunden, die aber keine Blutspuren trug, zumal sie vom Vieh beleckt worden ist. Ihre spätere Untersuchung ergab keine nachweisbaren Blutspuren." [9]
  • "Beim Weitergehen durch den Stall habe ich im Barren eine Kreuzhaue gefunden. Diese haben die Tiere immer abgeschleckt." [12]

4.2 Aktenfundstücke ab dem 23.2.1923

4.2.1 Reuthaue

  • "die von der Gendarmerie überbrachte Reuthaue durch einen Herrn Beamten an die Pol. Direktion München überschickt werde, eventuell Fingerabdrücke festzustellen und zur Untersuchung der Blutspuren. Auf die Anfrage, ob richterlicher Augenschein beantragt werde, wurde erwidert, ein solcher werde vorerst nicht beantragt. Die Gend. Solle jedoch eine Skizze einreichen. Die Anfertigung einer solchen ist bereits angeordnet." [5]
  • "Fingerabdrücke sind auf der Reuthaue nicht festzustellen gewesen. Das Gutachten, von welchem keine Abschrift gemacht wurde, lautet im Allgemeinen dahin, daß mit absoluter Sicherheit feststeht, daß das an der Haue befindliche Blut Menschenblut sei. Ferner befanden sich daran einige Härchen, welche als Menschenhaar und zum Teil auch als Hasen- oder Katzenhaare festgestellt wurden.
    Die Haue wurde mit Gutachten, nachdem von der vorstehenden Requisition nichts bekannt war, an das Amtsgericht Schrobenhausen, welches die Haue zur Untersuchung anher sandte, zurückgeleitet."
    [5]
  • "Vor einigen Tagen wurde in Kaifeck von dem jetzigen Besitzer mit Namens Gabriel von Laag, Gemeinde Wangen, eine stark mit Blut befleckte Haue mit Stiel, sogenannte Reuthaue zum Stockgraben, vorgefunden.
    Fragliche Haue befand sich oberhalb der Stiege unter Bretter auf etwas Heu neben der früher dort gewesenen Leustock. Nachdem allgemein vermutet wird, daß mit dieser Haue die Tat verübt wurde, bezw. Vielleicht einige Personen damit erschlagen worden sind, wird bis zur weiteren Verfügung dieser Haue, welche bis jetzt noch an Ort und Stelle, wo sie vorgefunden wurde, sich befindet, vorerst noch dort belassen."
    [5]
  • "III. Bekanntlich wurde bei dem im Jahre 23 erfolgten Abbruch des Anwesens Hinterkaifeck im Dachboden unter losen Brettern eine Stockhaue gefunden, die mit Blut u. Menschenhaar beklebt war. Mit dieser Haue sind zweifellos die Bewohner des Anwesens erschlagen worden. Der Besitzer oder Eigentümer dieser Haue konnte lange Zeit nicht festgestellt werden. Am 5.Juli 23 wurde vom Amtsgericht Schrobenhausen der led. Dienstknecht Georg Sigl [Anm. richtig: Siegl] 20 Jahre alt, bedienstet in Wangen, eidlich über den Eigentümer der Haue einvernommen und machte derselbe folgende Angaben: Vor 4 Jahren war ich 12 Wochen lang auf dem Hinterkaifer Hof im Dienst. Während dieser Zeit hat der alte Gruber eine Reuthaue zusammengestellt. Den Stiel zu dieser Haue hat er selbst geschnitzt. Da Gruber kein gelernter Wagner war, so ist der Stiel nicht sachgemäß hergestellt worden. Die Reuthaue, die mir soeben vorgezeigt worden ist, ist die, an die damals der alte Gruber den Stiel gemacht hat. Ich erkenne den Stiel ganz genau und zwar daran, daß nur die ersten 20 Zentimeter des Stiels an dem der Haue entgegengesetzten Teil des Stieles auf der einen Seite oval gerundet, auf der anderen Seite aber flach abgeschnitzt ist, mit dieser Haue habe ich selbst gearbeitet. Da die Haue am Stiel nicht festhalten wollte, hat der alte Gruber die Haue mit zwei Eisenbändern am Stiel befestigt und die Eisenbänder außerdem noch mit einer Schraube, die durch den Stiel hindurch ging, festgehalten. An dieser Schraube, die auf beiden Seiten über den Stiel hinausragt und die so befestigt ist, wie sie kein Fachmann befestigen würde, erkenne ich die Haue ganz genau. Ein weiteres Merkmal sind die Splitterungen am Stiel, etwa 3 cm oberhalb des Kopfes der Schraube. Weiteres erkenne ich den Stiel daran, daß seine Holzfasern nicht in gerader Linie verlaufen, sondern an zwei Stellen wellenförmig geschliffen sind. Letztendlich erkenne ich die Haue noch an dem Blatt der Haue. Ich war dabei als der alte Gruber den Stiel schnitzte und an der Haue befestigte. Ich war ebenfalls dabei, wie er die eisernen Klammern an der Haue anbrachte. Es ist gar kein Zweifel möglich, das die Haue, die mir heute vorgezeigt worden ist, eine andere sein könnte, als die, die sich der alte Gruber selbst zusammengestellt hat. Ich habe die Haue lediglich während meiner Dienstzeit (es war dies vor vier Jahren und meine Dienstzeit dauerte 12 Wochen) im Anwesen des alten Gruber gesehen. Das Werkzeug und die landwirtschaftlichen Geräte wurden auf dem Hinterkaifecker Hof in der Scheunendurchfahrt aufbewahrt, wenigstens so lange als ich dort bedienstet war." [6]
  • "das Mordwerkzeug gefunden wurde. Es ist dies eine alte blutbefleckte Reuthaue, bei der die Haue in ganz merkwürdiger Weise an dem Stiel mittels einer Schraube befestigt ist. Die Schraube steht etwa 1 cm über die Schraubenmutter hervor. Durch diese Schraube wurden bei den Schlägen mit der Haue offenbar die bisher so rätselhaften Verletzungen, bleistiftgroße, runde Löcher an den Schädeln der Ermordeten, beigebracht. Die Haue wurde auf dem Dachboden des Hauses sorgfältig versteckt gefunden." [7]
  • "Ein früherer Knecht des Hinterkaifeckerhofes – Sigl- [Anm.: richtig: Siegl] erkannte mit Bestimmtheit die Haue. Er erinnert sich wiederholt mit ihr auf dem Hofe gearbeitet zu haben, und auch, wie sie der alte Gruber so unfachmännisch mittels einer Schraube repariert hat." [7]
  • "Johann Gall es bis jetzt nicht der Mühe wert gefunden haben, diese Haue in Schrobenhausen anzusehen. Wenn Gall diese Haue als sein Eigentum anerkennt, wäre man schon ein Stück weiter."[8]
  • "Im Februar 1923 wurde sodann beim Abbruch des Anwesens von dessen Käufer, dem unter Ziffer I Nr. 4 (Seite 7) am Schluss genannten Karl Gabriel, bzw. dessen Sohn Josef in dem Fehlboden über der Stiege des Wohnhauses, die zum Heustock führt, eine blutbefleckte Haue mit Stiel gefunden. Ihre Untersuchung durch das ger.med. Institut ergab zweifelsfreie Spuren von Menschenblut. Es konnte auch zweifelsfrei festgestellt werden, dass diese Stockhaue zum Anwesen gehörte und nicht von außen in das Anwesen verbracht worden ist. Sie hatte einen Stiel, den der alte Gruber selbst gefertigt hatte." [9]
  • "Das Mordwerkzeug konnte erst bei den Abbrucharbeiten des Anwesens Hinterkaifeck im Fehlboden versteckt aufgefunden werden. Es handelte sich um eine mit einem langen Stiel versehene Hacke, an der bei der Auffindung eine ansehnliche Menge Blut klebte. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um die Verteidigungswaffe, die sich Gruber unmittelbar vor dem Mord zurechtrichtete, um sich und seine Angehörigen im Falle eines Angriffs verteidigen zu können. " [10]
  • "Seinerzeit hat Gabriel Josef von Lag (Anm.: richtig: Laag) die Haue mir gezeigt. Es hat sich um eine Stockhaue gehandelt, die mit Schrauben am Stiel angeschraubt war. Ich habe die Haue zwar angesehen, aber nicht berührt. An ihr hat noch Blut gehaftet. Gabriel hat die Haue seinerzeit im Stadel unter Dachsparren gefunden und mir sogleich bei der Auffindung gezeigt." [11]
  • "Ich selbst vermutete damals als auch heute noch, daß die Täter von Hinterkaifeck die Gebrüder Thaler sind. Dies deshalb, weil Täter von weither diese Haue (Tatwerkzeug) nicht so weit hätten tragen können, ohne gesehen zu werden. Die Tatwaffe wurde mir seinerzeit von einem Kriminalbeamten vorgezeigt. Ich erkannte aber, daß es sich hierbei um kein Werkzeug aus dem Anwesen Hinterkaifeck handelte, weil der alte Bauer die Stiele immer selbst angefertigt hatte. In der fraglichen Haue aber befand sich ein gekaufter Stiel." [13]
  • "Der Hellseher gab lediglich an, dass 2 Personen die Tat ausgeführt hätten, dass Vollmond geherrscht hätte und dass sich die Mordwaffe noch im Anwesen befinde." [14]
  • "Andreas Schwaiger: „Die sind da mit ihren Hunden gekommen. Die haben schöne Hunde gehabt. So ein brauner mit Schlappohren und einen anderen Hund. Das ist ganz gut gegangen. Ich habe die Schuhe voll Blut gehabt. Die haben mich auch abgeschnuppert und andere Leute auch. Dann sind die Hunde in die Tenne hinaufgegangen auf den Streuboden hinauf, wo die Streu umhergestreut war. Hinterhalb, wo die Zwischenscheune war, sind die Heunester gewesen. Die Hunde scharrten immer am Streuboden. Da haben die Herren gemeint, dass da Blutspuren wären und sind dann gleich weggefahren. Weiter ist nichts gemacht worden. Nach 1 1/2 Jahren ist das Haus abgebrochen worden. Als die Zimmerleute auf dem Dachstuhl die Bretter abgerissen haben, was war da unten drinnen? Da war die Stockhaue, das Mordwerkzeug drinnen, wo noch die Haare und das Blut dran waren. Das war so eine lange Stockhaue, so eine kleine.“
    KHK Kolb: „Wie groß war die Stockhaue, wie lang ungefähr?“
    Andreas Schwaiger: „Die war so 70—80 cm lang.“
    KHK Kolb: „War die vom Gruber selber, die Stockhaue?“
    Andreas Schwaiger: „Nein.“
    KHK Kolb: „Warum nicht?“
    Andreas Schwaiger: „Weil der alte Gruber und der Schlittenbauer Lenz nebeneinander ein Holz hatten. Da hat man im Winter Stöcke rausgetan. Der Gruber hat da sein Holz gehabt und der Schlittenbauer hat es da hinauf gehabt. Nebeneinander haben sie Stöcke rausgetan. Am Abend ist das Werkzeug genommen worden, Feierabend gewesen, Stockloch rein und Gras darauf und am anderen Tag wurde wieder weitergearbeitet. Der Schlittenbauer Lenz sagte, als die Stockhaue gefunden wurde: ‘Jetzt sehe ich meine Stockhaue auch wieder, die hat mir der alte Gruber gestohlen.‘ Durch das ist sie dann beim alten Gruber im Hof drinnen gewesen.“
    KHK Kolb: „Dann ist die Stockhaue im Hof drinnen gewesen?“
    Andreas Schwaiger: „Das weiß man nicht. Er sagte, dass er die gestohlen hätte und sie ihm immer abgegangen sei zum Stöcke raushauen. Also gut, die haben sie ihm dann runtergebracht dann war auch die Polizei da. Er sagte: ‘Ja, das ist meine Stockhaue, nur her damit, die brauche ich wieder.‘ Aber er hat sie nicht mehr gekriegt. Die hat die Kriminalpolizei mitgenommen.“ "
    [15]

4.2.2 Taschenmesser

  • "Bei Aufräumungsarbeiten wurde außerdem ein Taschenmesser in der Stadeltenne, unweit der Stelle, wo die Leichen lagen, gefunden." [6]
  • "Eine Verwandte der Ermordeten gibt an, einmal bei einem Besuch in Hinterkaifeck ein ähnliches Messer, wie das gefundene dort gesehen zu haben." [6]
  • "Das mir vorgezeigte Taschenmesser erkannte ich als jenes des alten Bauern Gruber." [13]

4.2.3 Bandeisen

4.3 Quellen/Herkunft

1922:
[1] Aussage Schlittenbauer 05.04.1922
[2] Bericht Reingruber 6.4.1922
[3] Bericht Wiessner 6.4.1922
[4] Fernspruch zur Leichenöffnung 07.04.1922

1923:
[5] Fundmeldung Reuthaue 23.2.1923
[6] Bericht Renner 20.10.1923
[7] Aktennotiz zur Aussage Georg Sigls vom 05.07.1923

1924:
[8] anonyme Aussage einer bekannten Person vom 25.02.1924

1926:
[9] Bericht Pielmayer 6.11.1926

1948:
[10] Bericht Meiendres 12.8.1948

1951:
[11] Aussage Plöckl sen. 17.12.1951
[12] Aussage Schwaiger 17.12.1951

1952:
[13] Aussage Rieger 9.7.1952

1953:
[14] Aussage Ney 19.1.1953
1980:
[15] Aussage Schweiger 05.07.1980