Wissen: Die Kirche in Waidhofen

Aus Das Hinterkaifeck-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pfarrkirche "Zu U. lb. Frau" Waidhofen

1 Die Kirche

1.1 Bezug zu Hinterkaifeck

Die Waidhofener Kirche spielt immer wieder im Fall Hinterkaifeck eine Rolle.
Um sie drehte sich das religiöse Leben im Waidhofener Raum. In ihr wurde getauft, die Erste Heilige Kommunion empfangen, geheiratet und auch die Beerdigungsmessen wurden dort abgehalten. Die alltäglichen Frühmessen wurden besucht, ebenso wie die Hochämter an Sonn- und Feiertagen. Die Familie Gruber-Gabriel hatte also ganz persönlichen Bezug zu diesem Gotteshaus. Viktorias Funktion als Erste Sängerin im Kirchenchor legt nahe, dass sie oft dort zu Proben war. Sie soll eine unbestätigte Begegnung mit einem Fremden auf dem die Kirche umgebenden Friedhof gehabt haben. Und der damalige Pfarrer Michael Haas wird im Zusammenhang mit der ominösen Beichtstuhlspende und auch mit einer eventuell von ihm stammenden Aussage genannt. Traurigen Abschluss bilden die Kirchenbucheinträge, die den Tod der 6 Opfer von Hinterkaifeck dokumentieren.

1.2 Geschichtliches

Die folgenden Informationen wurden -sofern nicht gesondert gekennzeichnet- der Broschüre "Waidhofen a. d. Paar. Pfarrkirche Mariä Reinigung und St. Wendelin" entnommen, die noch älteren Informationen stammen von v. Streichele.

Der Name Waidhofen leitet sich nach v. Streichele vom altdeutschen Waida ab, also von Weide. Waidhofen sind demnach "Höfe an Weideplätzen".

1.2.1 Die Pfarrei Waidhofen

Die Pfarrei lässt sich nach Streichele bis ins späte 12. Jahrhundert nachweisen, er verbindet Waidhofen mit dem niederen Adel, namentlich mit den Wittelsbachern. Streichele spricht von 2 Schenkungen an das Kloster "Scheiern" [Anm. heute: Scheyern]. So soll Markwart de Waidhouen das "Gut Harroz (Harres, Pf. Hohenwart)" und seine Schwester "das Gut Lushaim" übergeben haben.
Im 15. Jahrhundert sollen die Hofmarken Schenkenau und Waidhofen zusammengelegt worden sein, wobei sich von dem zusammengehörigen Grundbesitz nichts gehalten hat, er wurde aufgeteilt in viele "Kleingüter". Dazu passt, dass v. Streichele auch von einer Sage spricht, wonach Waidhofen ursprünglich aus 2 Höfen bestanden habe, die sich mit der Zeit aufgesplittet haben. Bis ins 19. Jahrhundert aber besaßen die Hofmarktsherren "wohl die Schirmvogtei der Kirche nicht aber das Präsentationsrecht". Dieses hatten "die Haslange zu Haslang-Gereut und Großhausen inne".
Für die Mitte des 19. Jahrhunderts etwa gibt v. Streichele die Größe des Pfarrsitzes Waidhofen mit "53 Häuser, darunter 1 Hof" mit "253" Bewohnern (Zum Vergleich: 1933 waren es 569 Einwohner).

1.2.2 Die "eingepfarrten" Orte

Nach v. Streichele gehörten Mitte des 19. Jahrhunderts folgende Ortschaften zur Pfarrei Waidhofen:

  • Diepoldshofen (13 Häuser (davon 4 Höfe), 69 Seelen) "hier wohnen 7 Protestanten, 1 Haus gehört zur Pf. Schrobenhausen"
  • Engelmarsberg (1 "Schloßökonomiegut", 4 Taglöhnerhäuser, 36 Seelen)
  • Grebern (12 Häuser (davon 4 Höfe), 75 Seelen)
  • Koppenbach (20 Häuser (davon 5 Höfe), 107 Seelen)
  • Loch (9 Häuser (davon 3 Höfe), 54 Seelen)
  • Rachelsbach (20 Häuser (davon 1 Höfe), 105 Seelen)
  • Stadel (4 Häuser (davon 3 Höfe), 28 Seelen)
  • Von Waizenried (3 Häuser, 20 Seelen), 6 Häuser zur Pf. Schrobenhausen gehörend
  • Wolfshof (4 Häuser (davon 1 Hof), 20 Seelen)


Die Einöden sind einzeln aufgeführt:

  • Geishof (Ökonomiegut d. Grafen v. Sandizell, 4 Seelen)
  • Haid (Ober- und Mitterhaid) (2 Höfe, 19 Seelen)
  • Hacklshof/Mergertsmühle (10 Seelen)
  • Hickern (1 Höfe, 2 Seelen)
  • Kaifeck (Ober- und Unterkaifeck) (2 Höfe, 21 Seelen)
  • Kothmühle (2 Höfe, 11 Seelen)
  • Laag (2 Höfe mit 3 Häuser, 18 Seelen)
  • Rothhof (2 Häuser, 12 Seelen)
  • Schenkengrub (2 Häuser, 17 Seelen)
  • Selhof (1 Hof, 12 Seelen)


ehem. Zugeörigkeit zur Pfarrei Waidhofen:

  • Kaltenthal (nun Hohenried)
  • Schachhöfe (nun Brunnen)

1.2.3 Die Schulzuordnung

Nach v. Streichele, gültig Mitte des 19. Jahrhunderts: "Für alle Orte der Pfarrei besteht eine Schule in Waidhofen, mit Ausnahme von Geishof, der nach Edelshausen, und von Waizenried, welches nach Lauterbach eingeschult ist."

1.3 Die Pfarrkirche

Die Pfarrkirche "Zu U. Ib. Frau" (auch "Mariä Reinigung und St. Wendelin") wurde 1718 im Barockstil neu erbaut und am 27. August 1726 geweiht. Das ursprüngliche Gotteshaus stammte wohl aus dem 13. Jahrhundert, wobei die Pfarrei Waidhofen gegen Ende des 14. Jahrhunderts gegründet wurde - für diese Zeit lässt sich ein Herr Konrad (altdtsch.: Choundrad) als Kirchherr und Pfarrer von Waidhofen nachweisen.
Ein weiterer Umbau der Kirche muss Anfang des 15. Jahrhunderts stattgefunden haben. Aus dieser Zeit stammt auch der Kirchturm. Jedenfalls wollte man 1718 zum 300jährigen Jubiläum auf Veranlassung von Pfarrer Kaltenegger ein Denkmal aufstellen lassen. Die offensichtliche Baufälligkeit mündete aber statt eines Denkmales in einem Neubau der Kirche, wobei der Kirchturm erhalten werden konnte. Die Abrissarbeiten begannen im Frühjahr 1718 und der Neubau der Kirche wurde noch im selben Jahr abgeschlossen.
Nach mehreren Teil-Arbeiten vorwiegend am Glockenstuhl und Turm gab es Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts dann nochmals umfassende Baumaßnahmen. So wurde eine neue Empore für die große Orgel gebaut sowie die Fassade neu verputzt, das Turmdach wiederhergestellt und der Friedhof erweitert.
V. Streichele schreibt begeistert über die Pfarrkirche "Sie ist eine der schönern Kirchen dieser Gegend, liegt, vom Gottesacker umgeben, an der Nordseite des Dorfes".


Anfang des 20. Jahrhunderts dann musste die Kirche nochmals umfassend renoviert werden. Dabei wurden die Deckengemälde restauriert sowie Stuckarbeiten an der Empore durchgeführt und es wurden sämtliche Fenster neu verglast. Diese Renovierung war 1909 abgeschlossen.
Von weiteren Renovierungsarbeiten zur Zeit des Mordfall Hinterkaifeck, wo auch Zimmerleute als Schaulustige auf den Mordhof kamen berichtet das Buch nichts.

Die große Orgel wurde 1941 neu erbaut.

1.3.1 Die Besitztümer der Kirche

Aus der originalen Kirche aus dem 13. Jahrhundert sind einige Bilder erhalten, darunter "die Figur des "wunderbarlichen Viehpatrons und Nothelfers" St. Wendelin" [Quelle: Homepage der Gemeinde Waidhofen].
Dem Schutzheiligen St. Wendelin verdankt Waidhofen seinen Status als Wallfahrtsort, zu dem jährlich am 20. Oktober viele Menschen der Umgebung pilgerten. V. Streichele berichtet, daß "das Volk früher in Massen herbei strömte und lebendige Hausthiere, wie Pferde, Kühe, Ochsen, Kälber und dgl. zum Opfer brachte. Vom Erlöse dieser Opfer und vom Erbe des im J. 1746 gestorbenen Pfarrers Franz Kaltenegger stammt hauptsächlich das bedeutende Kirchenvermögen, welches jetzt in 57, 671 fl. Kap., 125 fl. an Realitäten und 794 fl. an Rechten besteht." Der zweiten Schutzheiligen, Maria, zu Ehren wurde an Lichtmess (2. Februar) ebenfalls ein hohes Fest gefeiert.

1.3.2 Außenansichten

1.3.3 Der Altarraum

1.3.4 Die Beichtstühle

In einem dieser Beichtstühle wurde die hohe Goldmarkspende gefunden.

1.3.5 Die Empore mit der Orgel

1.3.6 Der Glockenturm

Der Glockenturm stammt aus dem beginnenden 15. Jahrhundert und wurde seit seinem Bestehen mehrmals renoviert.
Bis 1926 gab es 3 Glocken aus den Jahren 1705, 1737 und 1868. Im Jahr 1926 wurde das Geläut derart umgestaltet, dass nur noch die Zwölfuhrglocke aus dem Jahr 1737 beibehalten wurde. Hinzu kamen 3 neue Glocken, von denen die "Große Glocke" dem Pfarrer Haas zum 25jährigen Dienstjubiläum gespendet wurde und zwar vom Gastwirtsehepaar Walter aus Koppenbach, bei denen u.a. die ehemalige Magd Kreszenz Rieger und der kurzzeitig tatverdächtige Karl Bichler im Dienst standen.

2 Der Friedhof

2.1 Der Obelisk und das Grab der Mordopfer

2.2 Weitere Gräber

3 Die Sonntagsmesse(n) 1922

4 Die Menschen rund um die Kirche

4.1 Der Pfarrer

4.2 Der Leiter des Kirchenchors

4.3 Der Kirchenchor

5 Weitere Informationsquellen

Volltextsuche im Hinterkaifeck-Wiki: *Kirche