Schlittenbauerchronik1: 02

Aus Das Hinterkaifeck-Wiki

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Erinnerungen v. Alois Schlittenbauer - Dokument 1

Seite 08 bis Seite 15





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1997 - VORTRÄGE ÜBER HINTERKAIFECK


(Ingolstadt, Hundszell, Vorträge im Bauernmuseum am 04.06.1997 von Herrn Müller, am 08.06.1997 am 15.06.1997 von Frau Sangl, und am 24.6.1997 von Herrn Müller.

Am 21.ll.1997 in Wettstetten von Herrn Müller: Also, den Spitz verletzen und in den Stall einsperren, das Gehöft stark verrammeln und der Hausschlüssel steckt innen, also das sind Überlegungen deren Schlußfolgerungen ich eigentlich den Zuhörern überlassen möchte. Meine Kollegen haben den einen Bauern erst nach 9 Jahren zu dieser Sache vernommen. Oder, wo war denn der Schlittenbauer, seine Frau sagte: Er hat im Heuboden oben geschlafen, weil ihm immer ein Heu gestohlen worden ist. (wie viel Heu kann man denn stehlen ohne das es der Hofhund merkt?)
(Unser Vater sagte auch; es sei vorwärts hinein gegangen und ärschlings wieder heraus, wenn ihm ein Besserwisser befragt hat und die Kuh hätte er bestimmt angebunden und die Hühner aus den Stall gelassen.) Herr Kriminal-Hauptkommissar Müller hat sich die Aufgabe gemacht, nach seiner Pensionierung, die ungeklärten Mordfälle zu lösen. Müller hat auch die Zeugenbefragung von Sophie Fuchs (69) vom 14.2.1984 noch zu den Akten von Hinterkaifeck gelegt! Diese Zeugenbefragung war von der Frau Fuchs nicht unterschrieben. (Sie war zur Tatzeit 7 Jahre alt)
(Alois: "ich weiß noch wie mein Vater zu mir sagte, geh hinaus und halte die Mutter von der Fuchs Sophie auf, denn die geht schon wieder weg." Mein Vater kam dann nach und ist mit der alten Frau wieder bis zum Gori gegangen. Mein Vater sagte zu mir "die alte Gorigin ist durcheinander").




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AUS DER CHRONOLOGIE (III)


1931 im Juli hat der Sohn Johann Schlittenbauer geheiratet und ist in seinem neu erbautem Hof mit 22,9 Tagwerk in Gröbern eingezogen (Land vom Hof abgetreten.)
1932 ist der letzte Sohn vom Perter geboren, Alois.
Um 1935 müsste es gewesen sein, zum Wasserpumpen für den Stall und Futterschneiden, baute unser Vater das Windrad aufs Scheunendach, dass vorher hinterm Haus war. Es funktionierte auch, aber der Sturm hat dem Windrad stark zugesetzt und der Dachstuhl war zu schwach. Er baute es bald wieder ab (Bild vorhanden). Das Windrad wurde zum Futterschneiden und Wasserpumpen benutzt.
Wann unser Vater die erste Zille gefertigt hat ist nicht bekannt. Die Zweite war um 1934 gefertigt worden. Sie wurde zum Fischen und zum Weiher sauber machen benutzt, auch im Waidhofener Weiher hat man sie gebraucht Die Zille war ca. 5 m lang und 1,30m breit und ca. 0,45m hoch (Bilder vorhanden). Diese Zille wurde 1940 an beiden Seiten eingeschnitten. Unser Vater hat sie wieder geflickt, aber sie wurde nicht mehr dicht.
Das Netz zum Fischen hat er selber gestrickt, es war ca. 50m lang und 1,20m hoch. Er strickte auch ein Fischernetz für den Gutsverwalter von Niederarnbach. 1938-39 ist der Weiher wieder über seine Ufer getreten. Er wurde als Badeweiher benutzt.
Der Pfarrer Bumüller hat das Baden beiderlei Geschlechts gleichzeitig verboten, aber es wurde nicht befolgt. Bei schönem Wetter hat man bis zu ca. 100 Leute gezählt. Der Weiher wurde auch als Fischweiher verpachtet.
Der Spargel: Zuerst säte unser Vater für den Schad den Spargelsamen am sandigen Weiheracker an, dann legte er selber am Weiheracker einen Spargel an. Das war so um 1930 oder früher.
Hopfen wissen wir an 2 Stellen am Acker, 1942 wurde der Hopfen entfernt.

1933 hat der Sohn Josef geheiratet, er ist im Peterbauernhof eingezogen und hat das landwirtschaftliche Anwesen zu seinem Gunsten geführt. Josef war im Hof immer mit den Pferden beschäftigt gewesen.
Josef hat auch den Sigl nach Schiltberg gefahren als Sigl wegen Schulden verkaufen musste. Eine Magd aus Mühlried war von 1929 bis 1933 am Hof. (Maria Schmazl)
Auch die beiden Söhne von der ersten Frau seiner Schwester, Hans und Stephan, halfen mit am Hof wann sie gebraucht wurden.
1933 ist die Mutter der ersten Frau Magdalena Tyroller am Hof gestorben, sie führte bis zuletzt das Hauswesen. Sie war 86 Jahre alt.
Unsere Mutter wurde 1937 an Brustkrebs operiert.

Unser Vater war 1936 im Krankenhaus wegen Nierenleiden, Prostata usw., konnte aber nicht operiert werden wegen dem Asthma. Der Hausarzt hatte angeordnet, dass die beiden alten Gewehre aus dem Schlafzimmer entfernt werden. Der Sohn Johann hat die Gewehre abgenommen die an der Wand vom Schlafzimmer waren.
Wann unser Vater Ortsführer wurde wissen wir nicht.
Er war im Gemeinderat und im Kirchenrat. Vorgebetet hat er in seiner Kapelle beim Rosenkranzbeten von Gröbern und auch in Waidbofen wenn er gebraucht wurde.
In der Zeit wo in Gröbern Rosenkranz gebetet wurde, wurde hernach in seiner Küche mit den Nachbarn Karten gespielt. Auch uns Kinder hat er das Kartenspielen beigebracht.
Unser Vater hatte auch immer schon Bienen, selbst gebaute Bienenhäuser waren neben dem Stadel am Hof und auf der Haidmannswiese. Auf der Haidmannswiese waren in der Hütte ein Tisch und Bänke. An dieser Hütte traf er oft mit den Leuten vom Amtsgericht Schrobenhausen zusammen, wenn sie Sonntags ihren Spaziergang mit ihren Frauen machten. Sie haben unsern Vater auch immer von Anzeigen abgeraten, wann wieder Verleumdungen auftauchten. Einer der Kollegen war später Obervormund von uns 4 Waisenkindern.

Die Bienenstöcke und die Bienenhonigschleuder hat er selbst gemacht.
Unser Vater hat am Weihergraben Weidenstöcke angepflanzt, mit den Ruten machte er Kartoffelkörbe. Aus Stroh Strohschuhe für den Winter. Auch die Lederschuhe hat er aufgedoppelt, und nicht nur für uns alleine.
Am Heuboden waren kleinere und am Getreideboden ein größerer Taubenschlag. Maschendrahtzaun machte er selber, mit einer Vorrichtung die er selber gefertigt hat. Der Maschendrahtzaun war um den ganzen Hofraum aufgespannt so cirka 400m.
Er hat einen Getreidebeizkübel und einen Krauthobel selber gemacht die auch ausgeliehen wurden, bis sie in Gemeinschaft für Gröbern angeschafft wurden.
Vom hölzernen Heurechen, Maulkörbe für Pferde und Ochsen, Stricke drehen auch für die Mühlbauer die zur Mühle nach Wangen fuhren, vom Dreschwagen, Dampfkessel, Lanzbulldog, alles wurde repariert.
Am Hofeingang linke Seite war der Backofen mit vorgebauter Schmiede, mit Feuerstelle, Blasebalg, großem Schmiedeamboß und Bohrmaschine mit Handantrieb. Strom gab es damals noch nicht in Gröbern. (der Strom kam 1946)
In den Stall zum Tiere füttern ging er nicht gerne wegen seinem Asthma, das machten seine Kinder.

Seine Schwester Karolina (Klosterschwester) war auf Urlaub und seine Tochter Anna, beide waren am Sterbebett. Er ist ganz ruhig eingeschlafen, sein Atem wurde immer schwächer bis kein Atem mehr bemerkbar war. (Nicht so wie es Herr KHK. Müller in seinen Vorträgen erzählt.)
Gestorben ist unser Vater an Nierenversagen und Prostata, Asthma usw. am 22.05.1941 mit 67 Jahren.

Pfarrer Bumiller war sein Beichtvater, er gab ihm die letzte Ölung, und war öfters am Nachmittag bei unserm Vater und haben natürlich auch über Hinterkaifeck geredet. Dieser Pfarrer hat auch einen Bericht 1941 in der Zeitung geschrieben "Ein Sterbender lügt nicht".
Die Mutter wurde 1939 an Blinddarm operiert, und starb am 14.10.1943. Der Sohn Josef kaufte sich von seinem Wirtschaftsgeld in Schenkenau 1937 ein kleines Anwesen ca. 7 Tagwerk und baute einen Stadel dazu. Er musste l938 zum Militär und ist 1944 gefallen.



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Erinnerungen von Alois


Erinnerungen von Alois geb. 1932, 1937

Ich war etwa 5 Jahre alt, da kam Herr Ruf ein Vertreter und Jäger aus Mühlried zu unserm Vater in den Hof. Sie setzten sich auf der Bank neben dem Hauseingang. Zu mir sagte mein Vater geh weg das geht dich nichts an, was ich leider nicht tat.
Sie erzählten und haben herum geraten, wer die Hinterkaifecker erschlagen hat. Beide waren der Ansicht, dass es versprengte Soldaten aus dem ersten Weltkrieg, die als Handwerksburschen durch die Lande zogen, oder welche aus München die wieder einen Krieg anzetteln wollten. Von einer fremden Zeitung war auch die Rede.
Von den Soldatenkleider, die immer noch getragen werden, weil sie so gut sind, usw... Das war das Erste wo ich mich erinnere über Hinterkaifeck.


Als Bub mit ungefähr 10 Jahren, 1942
habe ich am Spargelacker am Weiher Spargel gestochen und beim Kreitmayer Alois geb. 1931, das war mein Schulkamerad, mit dem hatte ich einen kleinen Streit. Weil sein Vater jedes mal, wenn ich da war mehrere Spargelstangen aus meinem Spargelkorb herausnahm und sie gegessen hat. Ich habe ihm den Spargelkorb weggenommen und wollte heimgehen. Doch der Alois hätte mir den Korb wieder abnehmen wollen, dabei ging der Korb kaputt. Dabei sagte der alte Kreitmayer: Du darfst schon wieder kommen deswegen, wennst nicht gleich mit dem Kaifeckerprügel kommst, und die Tochter Rosa sagte drauf: Da wo dein Vater mit dem Kaifeckerprügel hingeschlagen hat, da lebt auch keiner mehr.
Zuhause angekommen fragte ich meine Mutter, hat denn unser Vater einen Kaifeckerprügel, sie sagte: Wo hast denn das schon wieder her, ich sagte: Vom Kreitmeyer, dann sagte sie: Bub da brauchst dir nichts denken, der Vater war bei mir im Bett drin. Sie ging dann in die Küche und weinte, dabei sagte sie auch: Ist denn da noch keine Ruh. Und ich weinte mit und wußte wieder nichts.

1944
Es war unterm Krieg da war die Rosa Kling aus Waidhofen bei Fuchs in Gröbern (Gori) und die Rosa Kreitmayer, beide waren Freundinnen und so 5 Jahre älter als ich. Bei einem Wortwechsel sagten beide zu mir: Geh doch du heim, du bist für uns zu klein und erschlagen wollen wir uns auch nicht lassen.

1946
Am Anfang meiner Lehrzeit bauten wir eine Kühlanlagenverkleidung beim unterem Wirt ein, wo der Gabriel Jakob eingeheiratet hat.

Da schimpfte der Gabriel mit meinem Meister Josef Kindler: Der kommt mir nicht da herein, den will ich nicht sehen usw ... Mein Meister der auch verwandt mit der Wirtin war, schimpfte sehr laut. Erst als die Worte vom Pertern Alois gebraucht wurden, wußte ich es geht um mich. Mein Lehrmeister beruhigte den Gabriel und sagte: Schau ihn doch erst einmal an und er ist mein Lehrling, er bleibt da. Ein paar Stunden später hörte ich vom Jakob Gabriel: Ach der ist es, denn kenne ich schon, der ist ja mit meiner Tochter in die Schule gegangen. Ich weiß jetzt noch nicht warum da so gestritten wurde. Ich nehme an, weil der Jakob Gabriel 1937 wegen Hinterkaifeck in Untersuchungshaft war. Später, so 1950 war ich bei ihm in der Wirtschaft und mußte beim Kartenspielen bei älteren Herren mitmachen, weil kein anderer da war. Auf einmal redete er von der Küche aus in die Wirtschaft hinein:Der soll herausgehen, der hat da drin nichts zu suchen. Meine Mitspieler sagten zu mir, der meint bestimmt dich. Ich habe dann mein Biergeld auf den Tisch gelegt und bin gegangen.
Einmal später am Tanzboden zahlte mir der Schreiner Josef Lebmeier einen Schnaps und ich wollte auch einen bezahlen, da fragte die Tochter zuerst ihre Eltern und dann sagte sie: Ich darf dir keinen geben und bezahlen darfst du auch keinen.

(Nach Angaben einer Magd die damals beim Gabriel im Dienst war und aussagte, sie hat damals blutige Wasche gewaschen, sind die 3 Gabriel Brüder 1937 in Untersuchungshaft genommen worden.) ( Pöll Johann, Baar) (die Magd war aus Wangen?)



1947
Ich mußte am Samstag am Nachmittag die Werkstatt besonders sauber machen. So drei mal fragte mich Nikolaus Haas aus Rachelsbach in der Schreinerei Kindler in Waidhofen aus, über Hinterkaifeck. Und weil ich auch nichts wußte und mein Meister dazwischen kam wurde es laut, er sagte: Laß den Bub in Ruhe, der weiß von nichts, wirst denn nimmer gescheiter du alter Depp usw. (Was ich damals nicht wußte, der Nikolaus Haas war mit dem Karl Gabriel von Hinterkaifeck im Krieg und hat ihn als toten Kameraden erkannt)



1949
Bei dem Einbruch bei uns in Gröbern. Ich kam aus dem Krankenhaus und fuhr mit dem Rad fort. Die Magdalena Pöll unsere Nachbarin hat mich gesehen und wir beide redeten miteinander, über den Einbruch und den Verletzungen die wir hatten. Am Ende des Gesprächs sagte sie: Da hätte sich bestimmt Hinterkaifeck rächen wollen.

1948-49
Als ich zum ersten mal beim oberen Wirt war, und drei Kartenspieler mich zum Karten mitspielen aufgefordert haben. Da fragten sie, wer bist du, ich sagte: Vom alten Perter der letzte Sohn. Ich kannte den alten Bichler schon, er hatte gegenüber der Schule sein kleines Anwesen, dieser sagte: Mit dir spiele ich nicht, du bist vom Perternlenz. Doch die anderen Spieler sagten: Da kann doch der Bub nichts dafür, er spielte dann doch mit. Am Schluss ging der Bichler als Erster. Bei den anderen Mitspieler ihrem Gespräch hörte ich wie sie sagten: Da kann doch der Bub nichts dafür, wenn der alte Perter dem Bichler seine Freundin erschlagen hat und gewiß weiß man es auch nicht, er könnt's auch selber gewesen sein.



1948
Simon Bichler von Gröbern geb.28.10.J 892, gest 16. 2.1966, war Knecht beim Jakob Gabriel Laag.( Simon und die Frau vom Gabriel waren Geschwister) Simon ging mit mir zwei mal nach der Arbeit, von der Waidhofener Kirche bis Laag. Er erzählte mir vom Krieg 1914-18, dass ein Russe ihn beinahe erstochen hätte, wenn sein Kamerad den Russen nicht erschossen hätte. Und dass er nicht der Lokal Simon, sondern der Gigelberger Simon von Gröbern ist. Er fragte mich auch was ich von Hinterkaifeck weiß und was viele Gröberner meinen. Er sagte dein Vater hat mit dem Mord nichts zu tun. Er sagte zu mir: Dein Vater war es nicht, dein Vater hat sich um Alles gekümmert, damit es aufkommt wer der Mörder war, aber er konnte es auch nicht aufbringen. Weißt du, ich bin ein alter Mann geworden, ich sag dir was ich weiß, die Gebrüder Gabriel haben die Hinterkaifecker erschlagen, und zwar der, der das Holz geerbt hat die anderen zwei haben geholfen. Bei der Erbschaft da haben sie sich verraten. Am zweiten Tag erzählte er mir das gleiche, nur ich sollte es keinen anderen Menschen sagen, solange er lebe, damit er keinen Schaden hat. Aber du sollst es wissen. (Ich glaubte auch diese Meinung nicht, und sagte es auch nicht weiter).

Beim Gabriel waren es sechs Brüder, drei sind im Krieg geblieben, für die anderen war es ein Wertzuwachs. Der Toni hat in Schlot einen Hof gekauft, der Josef eine Wirtschaft bei Wasserburg, der Jakob bekam den Hof in Laag. (Der Simon wurde von der Polizei nie ausgefragt, und er machte auch keinen Gebrauch davon.)



1952 - 53
1951-52 berichteten alle Zeitungen von Hinterkaifeck.
Und weil ich und Kaspar auch im Zweifel waren und nicht wussten, wer die Mörder von Hinterkaifeck waren hat uns mein Stiefbruder, und den Kaspar sein Vater, Johann Schlittenbauer Gröbern, uns aufzuklären versucht. Johann war der Sohn vom Lorenz Schlittenbauer und war bei der Mordentdeckung dabei:
Nach der Nachricht vom Monteur schickte mich mein Vater zum Hinterkaifecker um nachzusehen was da oben los ist. Ich war 16 Jahre und der Josef war 9 Jahre alt, wir gingen rauf und schauten in die Fenster und im Hof herum. Wir sahen keine Leute nur das Vieh war laut, wir haben immer Anderl und Viktora gerufen und gingen wieder heim und erzählten es. Mein Vater und die Nachbarn Loderer und der damalige Hauserbauer Sigl und wir zwei gingen rauf. Als sie das Tor aufmachten und bald darauf die Toten fanden, haben sie uns nicht mehr ins Haus hinein gelassen. Mich schickte mein Vater nach Wangen zum Bürgermeister Greger. Ich und Josef liefen heim, dabei begegneten uns schon Leute vom Dorf. Ich fuhr mit dem Rad nach Wangen und alle die ich traf rief ich zu, die Hinterkaifecker sind erschlagen worden. Ich sagte zum Bürgermeister: Die Hinterkaifecker sind erschlagen worden. Ich musste es ihm ein paar mal sagen. Als ich wieder in Hinterkaifeck ankam, hat mein Vater und die Nachbarn, keine Leute mehr ins Haus gelassen, und hatte eine Mistgabel in der Hand. Der Lodererer sagte zu mir. Die haben auch den kleinen Josef erschlagen, aber ich durfte ihn nicht sehen. Die Männer standen herum und die Frauen beteten Rosenkranz. Als endlich die Polizei mit dem Bürgermeister kam, wollte mein Vater warten bis die Mordkommission aus Schrobenhausen kommt, aber alle drei sagten: Er soll zur Seite gehen und sie hinein lassen. Es gingen auch gleich weg von der Tür und alle Leute gingen mit hinein und das Haus war voller Leute. Der Loderer half meinem Vater das Vieh füttern, das viel Wasser soff. Mein Vater regelte die Nachtwache mit den Männer aus Gröbern und fütterte weiter das Vieh. Erst als die Schrobenhausener Polizei kam wurden die Leute aus dem Haus geschickt.

1953
Ich war beim Andreas Schwaiger, Wirt in Gröbern, und habe eine Wagenbrücke abgemessen. Der Schwaiger erzählte viel. Von der Blutschande vom Hinterkaifecker, von meinem Vater und der Heirat mit der Viktoria, und das die Viktoria ein schönes Weib war, und viele Liebhaber hatte usw... Er sagte auch, dein Vater hat die Hinterkaifecker nicht umgebracht. Der hat ja ein junges Weib im Bett drin gehabt, und hat kein Interesse mehr an der Viktoria gehabt.

1954
Ich war bei meiner Freundin in Mühlried, da mußte ich am Weg, an einem bestimmten Platz stehenbleiben. Es schaute dann ein altes Weib aus dem Fenster heraus, es war die Oma die mich sehen wollte. Später fragte ich meine Freundin warum ich dastehen bleiben mußte, da sagte sie: Meine Oma wollte dich sehen, ob du genauso aus siehst wie der Kaifecker Mörder der die Tiere gefüttert hat. Die Oma ist am 1.Tag der Entdeckung auch nach Hinterkaifeck gegangen.

1961
In der Wirtschaft Duna in Ebenhausen, erzählte Christoph Wassermann geb.: 1930 seine Hinterkaifecker Geschichten, die er in Gröbern (Gärtner, Schwaiger, Gori) erfahren hat. Dabei erzählte er mir, du warst auch dabei wie die Hinterkaifecker erschlagen worden sind, ich fragte ihn, wie geht denn das, er sagte: Im Sack von deinem Vater.

1962
An Allerheiligen bin ich auch an das Grab der Hinterkaifecker gegangen. Der Kirchenchor war auch an dem Grab. Ich habe Weihwasser ans Grab gegeben, beim Zurückgehen tippte mich eine Schulkameradin an und sagte. Geh weiter hinter an dem Grab da hast du nichts zu suchen.

1965
Ich habe am Weiher meine Stiefschwester Viktoria Baum beim Fischen getroffen, dabei fragte ich sie, wie sie damals Hinterkaifeck erlebt hat. Sie sagte: Der Monteur war da und wir sollen den Hinterkaifecker sagen, dass der Motor wieder läuft, denn da oben rührt sich kein Mensch nur das Vieh ist unruhig. Ich und Maria sagten es unserem Vater. Er schickte den Hans und Josef hinauf, als sie wieder kamen, ging er mit den Nachbarn hinauf. Wir erfuhren es vom Hans. Wir mußten unser Vieh füttern und hatten große Angst. Unser Vater kam spät heim, er mußte auf unser Drängen hin, die Riegel im Stall und Haus richten. Er musste am anderem Tag auch den Nachbarn die Riegel so richten, dass man sie nur von innen aufmachen konnte.

1985
An Allerheiligen an unsern Elterngrab,war in der Weihwasserschüssel eine übel riechende Brühe hinein getan worden. Meine Schwägerin hat die Brühe wieder herausgeputzt.

1990
Bei einem Besuch beim Seger in Neuschwetzingen, da war ein Polizeibeamter (Pensionist) und es wurde über Hinterkaifeck gesprochen. Dieser Polizeibeamte hat die Hinterkaifeckgeschichte genau gewußt. Er sagte zu mir und meiner Frau: lhr könnt beruhigt sein, der Schlittenbauer war es nicht und den Müller kenn ich gut, er macht sich halt wichtig.



1991
Erzählt vom Anton Pach Ebenhausen (80)
Der Kreppmeier Max von Haunwöhr (Hausname Veroni Max) hatte sich bei Schmidl Josef Zuchering vor der Polizei versteckt gehalten, wegen anderen Sachen. Er ist 8 Tage nach dem Kaifeckermord nach Rußland ausgewandert. Seine Frau und Kinder sind später nachgezogen. Schmidl Josef hatte den Verdacht, es könnte der Veroni Max gewesen sein, und sprach ihn darauf an. Max sagte: Wenn du mich verrätst erschlage ich dich. Josef Schmidl erzählte diesen Vorgang erst ca. 30 Jahre später, aber nicht der Polizei.(Blödsinn)

Wir holten unser Brot in Hohenwart beim Bäcker Kaiser-Bauer.



1944-45
Ich fuhr mit dem Rad zum Brot holen, gleich nach dem Wald nach Wangen, da lag eine Kuh vom Zagler Wangen, am Weg. Es waren auch so 4 Männer und ein paar Buben dort, die versuchten die Kuh mit allerhand groben Mitteln zum aufstehen zu bringen. Ich bin mit dem Plöckl Adolf Wangen, er war ziemlich gleich alt wie ich, weiter gefahren und ich erzählte es wie es mein Vater und sein Nachbar Pöll, bei uns im Stall es mit unserer Kuh machten, die auch nicht aufgestanden ist: Ich mußte Federn von Hühnern und Gänsen im Hof sammeln, die kamen dann in einem Topf mit ein bisschen Heu dazu, sie brannten es an und haben es der Kuh vor die Nase gehalten. Die Kuh ist dann aufgestanden. Beim Heimweg vom Brot holen, hat mich die Frau Zagler (damals erstes Haus links von Wangen ) aufgehalten und mich gefragt ob ich vom Perter bin, ich sagte ja, und sie sagte: Vergelt's Gott Bub, die Kuh ist im Stall drin und steht noch, schau nicht so blöd, wenn ich dir sage, du hast mir meine Kuh gerettet, noch einmal vergelt's Gott. Ich habe tatsächlich blöd geschaut, denn ich habe nicht gewusst was passiert war. Beim letzten Haus rechts von Wangen steht der Adolf Plöckl und erzählt mir: Ich (Adolf) habe das mit den Federn meinem Nachbarn Schaupp gesagt, mir haben Federn zusammen gesammelt und sind wieder raus gefahren, der Schaupp hat die Federn angezündet und die Kuh ist aufgestanden und heimgegangen. Jetzt wusste ich Bescheid. Beim nächsten mal Brot holen, hat mich die Frau Zagler zum Brotzeit machen ins Haus eingeladen. Ich wollte nicht in das Haus gehen, stellte aber doch mein Rad ab und wäre mitgegangen, aber an der Haustürschwelle sagte sie: Dann kannst du mir auch dabei erzählen wie dein Vater gehext hat. Ich habe sie ein blödes Rindvieh geheißen und bin auf mein Rad zu. Sie aber hätte mir eine runter hauen wollen, Saubub dreckiger schau das du weiterkommst usw. Beim nächsten Brot holen machte ich einen Umweg. (Unser Vater sagte zu uns, eine Hexe gibt es nicht, die Hexe ist man höchstens selber.)

Auch mein Schwiegervater Josef Schrittenlocher ist am Tag der Entdeckung nach Hinterkaifeck gegangen und hat die Toten gesehen. Mir hat er erzählt: Als der kleine Josef am 07.09.1919 geboren wurde, haben wir die Dreschmaschine mit Dampfkessel in Hinterkaifeck aufgebaut. Der Gruber kam einfach nicht aus dem Haus heraus und wir waren mit dem Aufbau fertig. Dann kam er doch und wir fragten ihn warum er so lange nicht heraus kam. Da sagte er: Die Tochter Viktoria hat einen Buben zur Welt gebracht, es ist nicht schneller gegangen. Ich fragte, hat sie auch einen Vater für den Buben. Da sagte er: Mir wär es lieber du wärst es gewesen, als der Körbezeller. (Korbmacher)




Telefongespräch mit Konrad Müller am 5. Juli 1999.

1999
Dem Pater Held Steinerskirchen wurde 1972 von einem Herrn gebeichtet, er habe die Hinterkaifecker erschlagen. Anruf am 23.Juli 1999 von Müller. Man soll dies ruhen lassen, und Müller will über die Hinterkaifeckersache nichts mehr unternehmen. (Von den Hänseleien der Nachkommen hat er nichts gewusst und er machte diese Nachforschungen aus eigenem Interesse.) Am Anfang dachte ich der KHK Konrad Müller hat das Zeug dazu den Hinterkaifeckermord zu klären.

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