Schlittenbauerchronik1: 05

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Erinnerungen v. Alois Schlittenbauer - Dokument 1

Seite 27 bis Seite 32





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Sophie Fuchs


Kriminalinspektion Ingolstadt, Gröbern, den 14.2.1984 Von Herrn K.H.K. Müller Thumann.

Zeugenbefragung: Sophie Fuchs. (69 Jahre) Am Dienstag, 14.2.1984 fahre ich bei sonnigem Winterwetter nach Hinterkaifeck bzw. nach Gröbern, um zu erfahren wo und wie der Hof der Hinterkaifecker ursprünglich gestanden hat. Ich hatte die Absicht den Zeugen Andreas Schwaiger darüber zu befragen. In Gröbern angekommen fragte ich eine Bäuerin nach dem Hof des Andreas Schwaiger. Diese erklärte mir, da hätten' s früher kommen müssen, wir haben ihn vor zwei Tagen eingegraben. Ich fragte die Bäuerin, ob sie jemanden wisse, der mir dem ursprünglichen Standort des Hofes Hinterkaifeck genau erklären könne. Sie sagte, dass der Schwaiger sowieso nicht immer die reine Wahrheit gesagt hätte. Am besten ist es, sie fahren zu der Fuchs Sophie die weiß am besten Bescheid. Frau Fuchs ist am 16.12.1915 in Gröbern geboren, verwitwet und wohnt in Gröbern Brunnenerstraße 1. Frau Fuchs erzählt im ortsüblichen Dialekt und ich kann nicht immer jedes Fachwort verstehen. Ich gebe ihre Schilderung im Schriftdeutsch wieder.
So so, sie sind von der Kriminalpolizei, wollen sie vielleicht noch den Mörder finden von Hinterkaifeck. Ich sagte, dass diese mit Sicherheit schon lange tot sind. Der ist schon lange tot, den ich weiß, wer es war. Es war kein anderer als der Schlittenbauer selber. Da können's mich fragen und können alle Leute von Gröbern fragen, die sagen alle das Gleiche. Der hat nämlich immer schon ein Auge auf die Viktoria gehabt. Außerdem war er dabei wie die Leichen gefunden worden sind. Er war ja der erste, der ins Anwesen rein gegangen ist. Und der ist ja sogar über die Leichen darüber gestiegen und hat sie nicht gefunden. Der Sigl Jakob und der Michael Pöll waren nämlich auch dabei, denen ist sofort aufgefallen, dass unter einer Stalltür etwas liegt. Nur der Lorenz Schlittenbauer, der ist sogar über die StaJltür gestiegen, ohne die Leichen zu entdecken, das kann sich niemand vorstellen. Später hat er die Stalltür runter und das Stroh von den Leichen, und nachher hat er sie wieder zugedeckt, wie es ursprünglich war. Der Schlittenbauer hat ein Jahr vorher geheiratet, aber er ist der Viktoria immer noch nachgestiegen. Diese hat ihm dann den Vorwurf gemacht, hättest halt auf mich gewartet. Und der Schlittenbauer hat die Sache mit der Blutschande auch gewußt. Dies wäre schon ein Motiv gewesen. Ich fragte Frau Fuchs, ob es nicht vielleicht der junge Bauer Gabriel gewesen sein könnte. Ja niemals, mein Schwiegervater der Fuchs Michael von Rachelsbach und der Bichler von Waidhofen, die waren nämlich dabei, wie sie den Gabriel im ersten Weltkrieg begraben haben. Damals haben sie nämlich immer von einem Ort oder Kreis, die Leute in eine Kompanie gesteckt. Und dann sind bei einer Schlacht oft sehr viele von einem Ort gefallen. Später hat man die Mannsleute in andere Kompanien verteilt.
Wie damals der Schlittenbauer gestorben ist, der hat einfach nicht sterben können, der Doktor hatte ihn immer wieder gefragt, wenn sie was am Herzen haben, sagen sie es mir doch, aber der hat sein Geheimnis mit ins Grab genommen. Nach einem Jahr haben sie den Hof abgerissen, da war der Schlittenbauer auch mit dabei, der hat irgendwo im Keller herum gegraben, dabei haben sie ihn gefragt, was er da eigentlich will, da hat er gesagt: Daß die Hinterkaifecker doch eine Menge Geld haben müßten. Beim Mord damals haben sie auch einen Polizeihund gehabt, der ist den Spuren im Schnee nachgegangen, und wo ist er stehen geblieben, immer bloß beim Schlittenbauer ist er um seine Füße herum geschlichen. Und dann haben sie ihn zur Rede gestellt, dann hat er gesagt: Das ist ja kein Wunder, ich war ja bei den Leichen dort. Bereits damals hat man den Schlittenbauer schon in Verdacht gehabt, aber er hat dann einen Prozeß wegen übler Nachrede gehabt, und beweisen hat man nichts können, dann ist auch nichts mehr herausgekommen dabei.
Die Cäzilie und ich waren gleich alt und sind miteinander in die Schule gegangen. Wie es passiert ist waren wir 7 Jahre alt, sie hat ja immer das gleiche Gewand getragen. Sie ist sehr ärmlich gehalten worden. Einmal ist sie in der Schule eingeschlafen.
(Bei der Vernehmung 1980 heißt es: Am Freitag, bevor der Mord passiert ist, ist sie in der Schule eingeschlafen.) Dann hat der Lehrer gefragt was los ist mit ihr, sie hat gesagt, daß sie die ganze Nacht die Oma gesucht hätten. Der Vater hätte sie wieder mal geschlagen, und wir haben dann geglaubt, dass sie in die Paar gegangen sei. Wir haben sie draußen im Wald gefunden, da war sie auf einem Baumstamm gesessen. Sie müssen nämlich wissen, der alte Hinterkaifecker war ein Hünenmensch. Er war ungefähr 1.90 m groß und sehr kräftig, und zu seinen Leuten war er immer grob und furchtbar gemein war er zu seiner Frau. Seine Frau hat genau gewußt, dass er zur eigenen Tochter ein Verhältnis hat. Wenn die Viktoria manchmal zum Wirt nach Gröbern herein gekommen ist, dann hat sie der Wirt manchmal gefragt, was los ist, weil sie so zerrupft ist, dann hat die Viktoria gesagt: Na ja du weißt schon was er immer mit mir macht.



Und meine Mutter hat immer schon gesagt über die Hinterkaifecker: Das war bestimmt Gottes Frucht, dass dies soweit gekommen ist. Ich fahre mit der Frau Fuchs in die Flurgegend von Hinterkaifeck, an der verschneiten Flur an der großen Wetterfichte bleiben wir stehen. Dort ist auch das Marterl von Hinterkaifeck jetzt neu gesetzt worden. Die nicht mehr vorhandene lnschrifttafel wird nach Meinung der Frau Fuchs, vom Gartenbau Verein neu restauriert. Frau Fuchs geht mit mir zum Marterl und meint, am Besten ist es, wir beten zuerst ein Vaterunser. Ich zeigte ihr das vorhandene Bildmaterial und erstellten Skizzen. Frau Fuchs erklärt mir dann genau, wie der Hof ursprünglich stand. Frau Fuchs beschrieb mir, dass die Rückseite des Wohngebäudes genau parallel zum Feldweg Gröbern - Marterl und Wetterfichte verläuft.
Auf der Rückseite des Gebäudes stand außerdem der alte Backofen, und daneben befand sich ein Brunnen mit einer hölzernen Ziehvorrichtung. Damit schöpften die Hinterkaifecker über eine hölzerne Rinne, die der Hinterkaifecker selbst gezimmert hat, das Wasser zum Kuhstall. Er war nämlich handwerklich sehr gut veranlagt. Die eigentliche Einfahrt zum Hof befand sich von der Waldspitze her. Über diesen Weg gingen nämlich die Hinterkaifecker auch immer dann Sonntags zur Kirche. Sonst hat man sie nie getroffen. Sie waren furchtbar scheu und ließen auch keine Fremden in den Hof. Der Kontakt zu uns Gröbernern oder Waidhofenern war nur ganz gering. Sie suchten das Dorf nur auf, wenn es unbedingt nötig war. Ich selbst war ein paarmal mit der Cäzilie auf dem Hof. Die Hinterkaifecker sind, wenn sie nach Gröbern gegangen sind, zuerst über den Hof zum Waldrand gegangen und dann über den Pickelweg nach Gröbern. Von diesem Weg hier ist man normalerweise nicht in den Hof herein gegangen. Von unserm Platz aus gelangte man zuerst in den Obstgarten. Die hatten nämlich sehr viel Obstbäume selbst gepflanzt und gezüchtet. Wir Kinder haben öfter mal was gekriegt davon. Ich weiß noch, dass man uns Obstbäume angeboten hat, als sie im Februar 1923 den Hof abgerissen haben. Ich glaube man soll die Hinterkaifecker in Ruhe lassen, unser Herrgott wird es schon richten.
Unterschrift: Müller Tbumann K.H.K.. 1984. (Warum hat Herr Müller diesen Bericht Unterschrift: Keine Sophie Fuchs -  ?zu den Akten nach Augsburg gebracht?)



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Alois Meinung


Meine Meinung, Alois geb. 1932

Der Schlittenbauer wurde 19 Jahre befragt und ist nicht ausgewandert, hat alle seine Kinder gerne gehabt und war gut verheiratet. Er war zu keiner Zeit eingesperrt, auch nicht wegen anderen Sachen. Alle Kriminaler hat er überzeugen können, dass er es nicht war. Er hat mitgeholfen, wo er nur konnte den Mord zu klären, nur einen Kriminaler konnte er nicht überzeugen und das war nach 75 Jahren Herr Konrad Müller aus Wettstetten. Anfangs dachte ich mir, dieser Kriminaler hat das Zeugs dazu den Mörder zu finden, und die Hänseleien haben ein Ende, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich brauche nur zum Kartenspielen gehen, schon heißt es, der Hinterkaifecker kommt.
Nach meiner Ansicht war das ein politischer Fememord. ( Goldgeld im Beichtstuhl), Pfarrer Haas hat die Viktoria Gabriel zu sich kommen lassen und mit Sicherheit über die Zustände in ihrem Haus gesprochen, er wußte bestimmt was da drüben läuft. Leider fehlt der Bericht.
Die Fragerei mit dem Postboten nach dem Brief, der nie ankam.
Die Münchner- Zeitung, vom Vortag, wie kam diese Zeitung nach Gröbern. Diese Zeitung kann doch nur von den 2 Männern stammen, die bei Hinterkaifeck eingebrochen haben und wahrscheinlich im Heu oder Stroh geschlafen haben (2 Schlafstellen, 2 Spuren). Der obere Boden war mit Heu ausgelegt wegen der Dämmung der Schritte. Es könnte doch sein, dass der Hinterkaifecker die beiden kannte und von den Abmachungen die er mit ihnen gemacht hat, nichts mehr wissen wollte und sie ausgesperrt hatte. Ein schaufeltiefes Loch im Stadelboden, das einen Tag nach der Kommission gefunden wurde, wurde garnicht beachtet.
Die Würgespuren am Hals von der Viktoria, wie kam sie zu den Würgespuren.
In den Händen hatte sie Haare, keiner weiß von wem. Keine Fingerabdrücke (seit 1903 eingeführt)
Die Köpfe abschneiden, sehr lasche polizeiliche Ermittlung, fremde Personen mit sächsischen Dialekt, und die hohe Belohnung. Damals suchte man doch nach Waffenverstecken. Dass die Tiere 4 Tage versorgt worden sind, dass die Täter eine Kuh oder Kalb los gebunden hatten, um die Leute in den Stadel zu locken, das wird angenommen, muß aber nicht wahr sein. Die großen Tiere hatten einen Buckel nach oben und die kleinen Ferkel waren am Verhungern.
Die Tiere haben nur Wasser gesoffen, auch am Mist hätte man es erkennen können ob die Tiere gefüttert worden sind. Man hätte die Tiere gar nicht versorgen brauchen, wenn die Täter noch im Haus gewesen wären und das lose Vieh hätten sie bestimmt angebunden. Auch der Hund im Stall könnte vom losem Rind verletzt worden sein. Es wurde zumindest am Anfang keine Verwandtschaft von Gabriel oder Gruber vernommen.
Man kann mit ruhigem Gewissen sagen, die Münchner Kripo ist nach Hause gefahren und die Sache war für sie erledigt. Die Viktoria Gabriel hatte einen Freund, Karl Bichler, Waidhofen, er hat in Schrobenhausen gearbeitet, dieser hätte doch bestimmt in den 4 Tagen einen Besuch gemacht. Und solche Verdächtigungen wie gegen Schlittenbauer und anderen Personen, die waren doch gerade recht, um die Wahrheit zu vertuschen.

Wir alle sind Herrn KHK Müller sehr dankbar, wenn er den Mordfall löst und es der Wahrheit entspricht.
Spruch von Herrn Hauptkommissar Konrad Müller: Kriminaler ist ein schöner Beruf. Dieser Beruf klärt Fälle auf und er stellt auch fest, wenn einer nicht der Täter ist. Ich habe Herrn Müller einen Lebenslauf von unserem Vater Lorenz Schlittenbauer gegeben, damit er sich besser zurechtfindet, denn unser Vater war bestimmt kein Mörder. Aufgeschrieben von Alois Schlittenbauer geb. 1932, ( im April 2000).

Ich habe Herrn Müller bei einem Flohmarkt in Ingolstadt getroffen. Unter anderem fragte er, wieviel Kinder leben denn noch vom Schlittenbauer, ich sagte: Wir sind noch zu viert. Er sagte: Ich will von der Sache Hinterkaifeck nichts mehr wissen und halte mich von der Sache heraus. (Er muss halt noch warten, bis wir alle gestorben sind, dann hat er es leichter mit der Aufklärung.) ( März 2002)
Vortrag am 08. 11. 2002 im Gasthaus Schneider ,"Hinterkaifeckein ungeklärter Kriminalfall", Referent: Konrad Müller Wettstetten.
4.1516.Januar 2003.Von Uwe Ritzer, Süddeutsche Zeitung. Konrad Müller wird weiter ermitteln.



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Das Leuschner-Interview auf BR1


Radiosendung vom 27. März 1997. Bayern 1

Das Verbrechen von Hinterkaifeck, da passierte auf einem Einödhof bei Schrobenhausen ein bislang grausigster Mord. Das Verbrechen von Hinterkaifeck. In jener düsteren Nacht- läßt einen Zeitungsredakteur seid 20 Jahren nicht mehr los, heute ist er zu Gast. Hallo Peter Leuschner von der Münchner TZ, Sie haben in ihrem Blatt eine große Serie über das Drama von Hinterkaifeck geschrieben. Jetzt gibt es ein neues Buch, das Zweite. Bevor wir über Ihre aktuelle Theorie sprechen, sollten Sie doch mal den Hörern und mir darlegen, was passiert ist in jener Nacht.
In jener Nacht des 31. März 1922, an diesem Tag ist etwa gegen 17 Uhr eine neue Magd gekommen, die einen Tag darauf den 1. Arbeitstag gehabt hätte. Etwa 2 -3 Stunden später sind aus den bis heute ungeklärten Gründen erschlagen worden 4 der 6 Hofbewohner; den alten Bauern, seine Frau, die verwitwete Tochter und ihr 7jährliches Kind hat man in den Stall und dann ein Stück weiter in den Stadel gelockt und dann mit einer sogenannten Kreuzhaue erschlagen. Der oder die Täter sind anschließend in das Wohnhaus über den Stall eingedrungen und haben auch die erst wenige Stunden auf dem Hof befindliche Magd erschlagen und sogar den in einem Stubenwagen schlafenden 2 1/2 jährigen Josef.
Ein mysteriöser Mord, der bis heute nicht aufgeklärt worden ist. Es gab auch schon Voranzeigen in den Tagen. Vor dem Mord haben die Bewohner von Hinterkaifeck irgend etwas schon auch gespürt, dass da was passieren könnte. Die Bewohner von Hinterkaifeck, die wurden offensichtlich beobachtet, das geht aus Zeugenaussagen hervor. Das geht einmal aus einem Protokoll hervor, die Rede von 2 luckiartigen Männer, die am Waldrand vom sogenannten Hexenhölzl aus, den Einödhof beobachteten haben. Es gibt den Fund einer Zeitung und zwar die Münchner Zeitung, es ist der heutige Münchner Merkur, wo die damalige Ausgabe im Schnee gefunden wurde. Der alte Gruber hat herumgefragt, wer sie verloren haben könnte. Dies ist bis heute ungeklärt, wem diese Zeitung gehörte.
Am Tag des Mordes früh hat der alte Gruber 2 Spuren im Schnee gefunden, es hat über Nacht ganz wenig geschneit. Er hat Spuren gesehen die zum Hof zugehen, aber nicht mehr weg. Er hat auch dem Eisenwarenhändler erzählt, bei dem er vorher noch war, und er dachte das irgend welche Diebe um den Hof schleichen würden. Mit diesem Gespräch mit dem Eisenwarenhändler in Schrobenhausen ist auch herausgekommen, dass sie wohl bereits in der Nacht zuvor eben im Speicher oben Schritte gehört haben. Auch seine Tochter, die mit beim Einkaufen war, sagt in einem anderem Geschäft, bei uns ist es heute Nacht zugegangen, wir haben keine Ruhe gehabt.
Es ist eigentlich unverständlich, warum er nicht die Gendarmerie informiert hat.
Nun waren es ganz schöne Familienverhältnisse damals. Also, der alte Gruber, ich glaube er war 63 Jahre und sehr geizig, hatte aber viel Geld, man sprach von Hunderttausend Mark, die er irgendwo abgelegt hatte Er war vorbestraft wegen Blutschande, die Tochter hatte angeblich ein Kind von ihm, oder vom Nachbarn, also es ging da sehr drüber und drunter. Gab es denn Menschen die Interesse an dem Tod der Grubers haben. konnten?
Nach dem Mordfall sind sehr viele Menschen in Verdacht geraten. Also, aus der Nachbarschaft, es sind auch Leute in Verdacht geraten, die keinen Bezug zu den Opfern hatten. Es sind Handwerksgesellen und Leute gewesen, die zufällig dort vorbeigekommen sind. Es ist keine Spur so heiß gewesen, dass man sagen könnte, dies wäre es. Welche Figur machte damals die Polizei 1922, gab es da irgend eine Spurensicherung, Mordkommission oder hat die Polizei ihrer Meinung nach Fehler gemacht?
Man muß auch wissen, dass die Münchner Kriminalabteilung anfangs sicher für ganz Oberbayern zuständig war. Dazu muß man wissen, dass in dieser Zeit, als in Hinterkaifeck die Leichen gefunden wurden, der Chef dieser Mordabteilung, Georg Reingruber, voll ausgelastet war. Er war mit Ermittlungen im ersten bayrischem Fememord, das war die 20 jährige Köchin Maria Sandmeier, die ein Waffenlager rechter Kreise verraten hat, beschäftigt. Er hatte gar keine Zeit, sich darum zu kümmern. Er hat in den Maitagen, das habe ich in den Akten gelesen, da vernimmt er einen, den damals Hauptverdächtigten. Ich denke, dass das Hinterkaifeck zumehr rechts oder links vorbei gegangen ist. Nun haben sie in letzter Zeit Einblick in die neuen alten Akten gesehen und haben es auch in ihrem aktuellen Buch dann niedergeschrieben?
Ich habe in den letzten Monaten etwa dreitausend Seiten im Bayrischen Staatsarchiv gesichtet, es sind die Polizeiakten der Mordkommission München, die zuständig war für die Ermittlungen. Diese Akten zeigen eindeutig, dass in Bayern unmittelbar nach Entdeckung der Leichen, eine regelrechte Hinterkaifeckhysterie ausgebrochen ist. Dies führte soweit, dass also jemand, der sich einen neuen Anzug kaufte und sich in der Sonnenstraße in München zeigte, festgenommen wurde, weil ein Zeuge gesagt hatte,letzte Woche hat er noch einen alten Anzug getragen, der könnte den Anzug quasi mit dem Geld aus Hinterkaifeck gekauft haben.
(Warum haben sie erst jetzt Einblick in den Akten gehabt.) Mir ist damals gesagt worden bei der Münchner Polizei, es gebe keine Akten, diese Auskunft war nicht ganz richtig, also diese Akten sind damals offensichtlich gerade ans Staatsarchiv abgegeben worden.
Es ist eine sehr mysteriöse Geschichte auch schon damals. Der Einödhof wurde mittlerweile abgerissen, wann war das? Der Einödhof ist etwa 10 Monate nach der Mordnacht abgerissen worden. (Heute erinnert nur noch ein Marterl an dieser Schreckensnacht, doch die Verdächtigungen in der Gegend der Familien untereinander gehen weiter). Es ist heute noch so, dass verschiedene Familien die anderen verdächtigen, dass in ihren Familien sich der Mörder befindet, es ist so„ dass massive Risse durch die Orte gehen, es hängt schlichtweg damit zusammen, dass dieser Mord bis heute nicht aufgeklärt worden ist. Es ist auch so, dass bis heute kein Motiv feststeht. Da hat der damalige ermittelnde Generalinspekteur Georg Reingruber sehr richtig erkannt, in einem denkwürdigem Protokoll vom 6. April 1922 schreibt er, dass eigentlich der Bub den Schlüssel zur Lösung dieses Verbrechen liefern müßte.
Möglicherweise hat der Bub den oder die Mörder gekannt. Es müsste heißen, dass der Täter aus dem Umfeld der Opfer kommt und nicht der sogenannte Unbekannte ist, nach dem die Polizei eigentlich gefahndet hatte. ( Nach dem Mord, einige Monate nach dem Mord, Herr Leuschner, gab es, weil man nicht weiter kam in den Ermittlungen, okkulte Sitzungen mit dem Schädel der Opfer, da wandte man sich an zwei Frauen, an zwei Medien sozusagen, an zwei Wahrsagerinnen, die aber auch nicht weiter helfen konnten. Wie muss man sich das vorstellen, wie ist das abgelaufen.) Die okkulten Sitzungen sollten zunächst in der Mordstätte im Mordhof in Hinterkaifeck stattfinden. Ich nehme fast an, dass aus Spargründen, aus finanziellen Gründen, um die Reisekosten für drei Leute zu sparen, der Staatsanwalt Ferdinand Rein aus Neuburg mit den Schädeln im Koffer nach Nürnberg gefahren ist. Die Schädel wurden bereits bei der Obduktion abgetrennt, weil sie als Beweissicherung dienen, die Schädel hatten eben die Einschlaglöcher der Tatwaffe, ja wurden die präpariert? Die Schädel werden ausgekocht und es werden die Schädeldecken beschriftet, die Schädeldecken sind einzeln verpackt worden, die beiden Medien, die in den Akten nur als Fräulein Jü und a1s Fräulein Ü bezeichnet wurden, wussten also nicht dass es sich um die Schädel handelt. Die wussten also nur, es handelt sich hier nur um Gegenstände aus dem Mordhof. ( Das ganze war mehr oder weniger Humbug und hat nichts gebracht.) Es hat nichts gebracht, es führte keine Spur zum Täter. (Und dieser Täter könnte theoretisch ja noch leben.) Also, rein rechnerisch, wenn er damals 20 gewesen wäre, wäre er heute ein rüstiger 95er.
(Eines, aber, Herr Leuschner habe sie uns bislang immer noch nicht verraten, und zwar ihre aktuelle Theorie, die sie durch die Akteneinsicht gewonnen haben.) Durch die Akteneinsicht sehe ich einen politischen Hintergrund, aber keinen politischen Täter.
Was ich ganz persönlich glaube, an einen religiös motivierten Sühnemord, dass jemand das Böse in Form der Blutschande schlichtweg auf Hinterkaifeck auslöschen wollte.


Radiosendung vom 4. April 1997
Herr Peter Leuschner hat eine Anwältin ausfindig gemacht, wonach diese Anwältin ein Schreiben hat, wo die Mordtat von Hinterkaifeck aufgeklärt steht, aber erst nach ihrem Tod der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.



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Fortsetzung: Vorträge (V)


Vorträge: Im Gasthaus Schneider in Wettstetten am 08.ll.2002 von Konrad Müller.

Süddeutsche Zeitung: 4./5./6.Januar 2003 Bericht von Konrad Müller. Aichach 02. April: Vortrag von Peter Leuschner. Kaisheim 09. April Vortrag von Peter Leuschner.

Leuschner in seinem Vortrag in Kaisheim. Oberinspektor Reingruber hat alle seine Fälle fein säuberlich aufgeschrieben,, aber über Hinterkaifeck keine Silbe. Es wurden keine Verwandten von Gabriel oder Gruber vernommen, auch keine Lehrer. Der Lehrer Yblagger kam erst ein halbes Jahr nach dem Mord nach Waidhofen. Und die Aussage vom Pfarrer Haas fehlt in den Akten.

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