Zeitungsartikel: 1922-04-06 Augsburger Abendzeitung

Aus Das Hinterkaifeck-Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein sechsfacher Mord

Detailinformationen

Datum

06. April 1922

Ort

Augsburg

Art des Dokumentes

Zeitungsartikel

Verfasser

Verfasst für

Augsburger Abendzeitung

Inhalt

Ein sechsfacher Mord
Ein neues schweres Verbrechen wurde, wie schon kurz berichtet, in Hinterkaifeck, Gemeinde Wangen, A.-G. Schrobenhausen verübt. Wir erfuhren hierüber folgendes: In Hinterkaifeck, Gemeinde Wangen, fand man die Besitzerin eines Baueranwesens, die Witwe Viktoria Gabriel geb. Gruber, deren 9 Jahre alten Tochter Viktoria und deren 2 1/2 Jahre altes Söhnchen Joseph, ferner das hochbetagte Austräglersehepaar Andreas und Cecilie Gruber und die 45 Jahre alte Dienstmagd Maria Baumgartner von Kühbach bei Aichach erschlagen auf. Sämtliche sechs Personen wurden vermutlich mit einem Kreuzpickel oder einem Hammer erschlagen. Die Leiche des 2 1/2 Jahre alten Kindes fand man mit eingeschlagenem Schädel im Schlafzimmer des Austräglerehepaares, die Dienstmagd im Hofe und die Leichen der übrigen vier Ermordeten in der Tenne neben dem Stadel. Sämtliche Ermordeten weisen schwere Schädelverletzungen auf.
Die Tat dürfte bereits in der Nacht vom Freitag auf Samstag geschehen sein. Es haben sich zwei Hausierer aus Schrobenhausen gemeldet, die am Samstag in dem Anwesen vorsprechen wollten, aber die Türen versperrt fanden. Das Anwesen, in dem die grausige Mordtat verübt wurde, liegt etwa 500 Meter außerhalb des Ortes und ist auf zwei Seiten von Wald umgeben. Entdeckt wurde die Tat am Dienstag Nachmittag von dem Bauern Lorenz Schlittenbauer aus Gröbern, der sofort die Gendarmeriestation in Hohenwart verständigte, die eine Stunde später, um 7 Uhr abends, an der Mordstelle eintraf, und der sich beim Eindringen in das Anwesen ein entsetzlicher Anblick darbot.
Es ist noch nicht bekannt, was alles geraubt wurde. Es waren nur wenige Behältnisse durchwühlt. Bekannte der Familie vermuten, daß ein größerer Barbetrag an Papiergeld - man nennt die Summe von 100 000 Mark - geraubt worden sei. Von Beamten des Münchner Erkennungsdienstes, die unter Leitung des Oberinspektors Rheingruber aus München eingetroffen sind, wurden, wie wir auf telephonische Anfrage erfahren, am Dienstag noch Wertpapiere verschiedener Sorten, sowie ein Betrag von Gold- und Silbergeld aufgefunden. Da man auch Depotscheine auf Banken in Schrobenhausen fand, erscheint es zweifelhaft, ob die den Tätern in die Hände gefallene Summe die obengenannte Höhe erreicht.
Die Dienstmagd Maria Baumgartner ist erst am Tage der Tat bei der Witwe in den Dienst getreten. Der oder die Täter müssen wahre Bestien gewesen sein, da sie nicht einmal das in einem Wägelchen liegende 2 1/2 Jahre alte Kind verschonten. Hoffentlich gelingt es der Polizei diese entsetzliche Tat bald aufzuklären.

Offene Fragen/Bemerkungen