Zeitungsartikel: 1988-01-25 Donaukurier

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Die Bluttat von Kaifeck

1 Detailinformationen

1.1 Datum

25. Januar 1988

1.2 Ort

Ingolstadt

1.3 Art des Dokumentes

Zeitungsartikel

1.4 Verfasser

unbekannt

1.5 Verfasst für

Donaukurier

2 Inhalt

Sechs grauenvolle Morde blieben ungesühnt

Eines der schrecklichsten Verbrechen, das je im Altlandkreis Schrobenhausen verübt wurde, war der sechsfache Mord im Einödbauernhof Hinterkaifeck am Hexenholz, abseits der Ortschaft Gröbern bei Orte: Wangen|Wangen]]. Alle Bewohner des einsam gelegenen 50-Tagwerk-Anwesens fielen damals einer Bestie in Menschengestalt zum Opfer: drei Frauen, ein Mann, ein kleines Schulmädchen und im Kinderwagen ein Bübchen. Fünfundsechzig Jahre sind seitdem vergangen. Das Verbrechen blieb immer noch auf Erden ungesühnt. Der Mörder wird seine Richter wohl erst in der Ewigkeit finden.

Der ungeheuerliche Massenmord geschieht in der stürmischen, regnerischen, wolkenverhangenen Nacht vom Freitag, dem 31. März, auf Samstag, dem 1. April 1922. Mit einer breiten Stockhaue mit rückseitigem schweren Eisenhaus und einer zollbreit darunter hervorstehenden Schraube erschlägt der Mörder die Hausbesitzerin Viktoria Gabriel (35), geborene Gruber, deren Mann Karl Gruber (muss heißen: Gabriel) im ersten Weltkrieg 1914 in Frankreich fiel, ihre Tochter Cäcilia Gabriel (8), ihren Sohn Josef Gabriel (2) (muss heißen Gruber), ihren Vater Andreas Gruber (63), ihre Mutter Cäcilia Gruber (72) und die Dienstmagd Maria Baumgartner (45). Mit der Eisenhaue zerschmetterte der Mörder seinen ahnungslosen Opfern die Schädel. Fast zweitausend Mark in Gold und fast ebenso viel in Silber, die er, ohne lange zu suchen, in der Schlafkammer des alten Gruber hätte finden können, läßt er unberührt. Im Dunkel der Regennacht kann sich das Ungeheuer davonmachen.

Niemand öffnet
Am Samstag (1. 4.) fällt es in der Volksschule in Waidhofen auf, daß die kleine Cäcilia nicht zum Unterricht kommt. In Hinterkaifeck öffnet niemand dem anklopfenden Postboten. Die Hinterkaifecker sind als Leute bekannt, die am liebsten ihre Ruhe haben. Der Postbote denkt sich darum nichts. Er steckt die Zeitung an das Küchenfenster und geht seines Weges.

Am Sonntag (2. 4.) vermißt man die Hinterkaifecker beim Gottesdienst in der Waidhofener Pfarrkirche. Viktoria Gabriel ist eine Stütze des Kirchenchores. Ausgerechnet heute hätte man ihren Sopran für die Erstaufführung einer neu einstudierten Messe dringend gebraucht.

Am Montag (3. 4.) fehlt die achtjährige Cäcilia schon den zweiten Tag in der Schule. Der Postbote findet die Samstagszeitung schneebedeckt noch am Fenster stecken. Seit Samstag schneit es. In Gröbern hört man das Vieh aus dem Hinterkaifecker Stall brüllen: die zwei Fahrochsen und die acht Kühe. Man bemerkt, daß aus dem Kamin des Bauernhauses trotz der kalten Witterung kein Rauch aufsteigt.

Am Dienstag (4. 4.) kommt ein Monteur aus Pfaffenhofen. Der alte Gruber hat ihn zu Reparatur des Benzinmotors der Futterschneidmaschine herbestellt. Der Monteur wundert sich, daß niemand zu hause ist, repariert den Motor, geht durch die Scheune, durch die Futterkammer, wäscht sich im Stall die Hände, weiß nicht, was er wegen des brüllenden Viehs von der Lage auf dem Hof halten soll, geht zurück und trifft den Postboten, der sich eben dem Haus nähert. Der Postbote soll einen Brief der Schule abgeben, weil die Cäcilia nun schon den dritten Tag unentschuldigt fehlt. Monteur und Postbote beraten sich. Die Sache kommt ihnen nicht geheuer vor. Der Motor setzt den Postboten auf den Sozius seines Motorrades. Beide fahren nach Gröbern und verständigen den Ortsvorsteher Schlittenbauer.
„Männer! Da her!“
Kurz danach sind Monteur und Postbote wieder in Hinterkaifeck. Wenig später kommt Schlittenbauer mit seinem sechszehnjährigen Sohn, mit den Nachbarn Siegl und Pölt. Durch das offene Scheunentor gehen sie in die Futterkammer, in den Stall. In der Futterkammer schreit plötzlich der Postbote: „Männer! Da her!“ Das Entsetzen ist unbeschreiblich. In der Futterkammer liegen, mit einigen Brettern und mit Heu lose zugedeckt, über- und nebeneinander, die schrecklich zugerichteten Leichen der Bäuerin, ihres Töchterchens, ihrer Eltern! Die Dienstmagd finden sie in ihrer Kammer, halb auf dem Stuhl liegend, halb auf den Boden hingestreckt. Am 1. April hätte sie ihren Hinterkaifecker Dienst antreten sollen. Pflichteifrig war sie von Kühbach her aber schon den Nachmittag zuvor aufgezogen. Die erste Nacht in Hinterkaifeck war die letzte Nacht ihres Lebens. Das zweijährige Joseflein liegt in seinem Kinderwagen; ein Händchen lugt über den Wagenrand hinaus. Der Mörder hat mit der eisernen Haue das Kinderwagendach durchschlagen und dem Büberl das Köpfchen zerschmettert.

Mordkommission ermittelt.
Am Mittwoch (5. 4.) setzt die Mordkommission ihre tags zuvor begonnenen Untersuchungen verstärkt fort. Menschen kommen von fern und nah und beten vor dem Haus des Grauens.
Am Donnerstag (6. 4.) erfolgt die gerichtsärztliche Sektion der Leichen. Die Polizei versucht Spuren zu sichern. Ununterbrochen wird gebetet.
Am Freitag (7. 4.) geben die Gerichtsärzte die Leichen frei. Fünfzig Gendarmen der Landespolizei durchkämmen nun tagelang die Wälder. Umsonst! Der Mörder hat seinen Vorsprung genützt.
Am Samstag (8. 4.) fährt man vormittags auf einem Brückenwagen die sechs Särge zum Friedhof nach Waidhofen. Tausende wohnen nachmittags der Beerdigung bei. Die Opfer finden in einem gemeinsamen Grabe ihre letzte Ruhe.
Ein Jahr später entdeckt der neue Besitzer von Hinterkaifeck im Fehlboden des Speichers die Mordwaffe: die Stockhaue, blutverschmiert, mit Frauenhaaren verkrustet. Es gibt kein Hinterkaifeck mehr.

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