Sachverhalte: Die Spuren im Schnee

Aus Das Hinterkaifeck-Wiki
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Was?

Am Donnerstag Morgen, dem 30. März 1922, hatte A. Gruber nach Aussagen von Zeugen Fußspuren im Schnee gefunden, die zum Hof hinführen sollten, aber nicht wieder von ihm weg.
Mal ist von einer Spur, mal von zweien die Rede. Und führten sie wirklich nicht mehr zurück? Heißt das, dass es vor der Mordtat 2 Tage später Eindringlinge auf dem Hof gab?
Hier ein Blick auf die Fundstellen in den umfangreichen Akten

Aktenfundstücke


Hinweis: Die Aktenfundstücke sind chronologisch in aufsteigender Reihenfolge angegeben. Je höher die Quellennummer, umso weiter ist diese Aussage zeitlich gesehen vom Tatgeschehen entfernt. Bitte beachten Sie dies bei der Einschätzung der Glaubwürdigkeit/Belastbarkeit der jeweiligen Quelle/Information.



  • "Bemerken möchte ich noch, dass mir der verlebte Gruber am Donnerstag den 30. März 22 vorm. gegen 11 Uhr auf dem Felde zugerufen hat, dass er in der vergangenen Nacht von Einbrechern heimgesucht worden sei. Er habe die Spuren im Neuschnee bemerkt und verfolgt, habe aber dabei keine Spur die vom Haus wegführt, gefunden. Dabei habe er bemerkt, dass an der Tür des Motorhauses der Verschluß aufgerissen sein. Die Einbrecher (2) wären auch im Motorhaus gewesen, hätten aber nichts mitgenommen. Ferner sagte Gruber, dass an der Türe zur Futterkammer Eindrücke von Brechwerkzeugen ersichtlich sind. " [1]
  • "Weiter ist zu erwähnen, dass in der Nacht am Donnerstag den 30.3.22 im Anwesen der verlebten von 2 Männern ein Einbruch verübt worden ist. Es ist nach Angabe des Andreas Gruber das Motorenhäuschen erbrochen, jedoch nichts entwendet worden. Im Neuschnee waren Fußspuren von 2 Männern ersichtlich, die zum Anwesen führten, es war aber angeblich keine Spur vorhanden, welche vom Anwesen weggeführt hätte. (Angaben des Schlittenbauer)." [2]
  • "Nach den Erhebungen hat der Austrägler Andreas Gruber am 30.März 1922, ein Donnerstag, vormittags noch mit dem in der Nähe ackernden Landwirt Lorenz Schlittenbauer von Gröbern und später mit Landwirt Kaspar Stegmeier von Gröbern gesprochen und ihnen mitgeteilt, dass bei ihm in der Nacht nach den in dem leichten über Nacht gefallenen Schnee ersichtlichen Spuren ein Einbruch versucht worden sein soll, wobei die Diebe in die Motorhütte eingedrungen sein sollen, da sich in dieser noch Schneespuren fanden." [4]
  • "Bezüglich des Gesprächs des alten Gruber in der Eisenhandlung in Schrobenhausen: In der Wirtschaft wurde erzählt, daß Gruber am Tage vor dem Mord in Schrobenhausen in einer Eisenhandlung – es sind zwei dort – aber vermutlich bei Vogel war. Dort sagte er, er müsse schauen, daß er wieder heimkomme, denn er fürchte, daß in seinem Hause etwas nicht in Ordnung sei. Weiter sagte er: Während der vergangenen Nacht ist keine Ruhe gewesen, die ganze Nacht habe ich im Boden droben etwas gehört, wie wenn jemand herumgehe. Ich bin auch hinaufgegangen mit Licht, habe aber nichts gesehen. Fürchten tue ich mich nicht. Ich habe mein Gewehr schon hergerichtet. In der Früh habe ich sogar eine Spur im Neuschnee gesehen, die in das Haus führte, Aber eine Spur, die vom Hause wegführte, habe ich nicht gesehen“. Er meinte dann, der werde schon wieder hinaus sein. Er machte dann seine Einkäufe, ich glaube es wurde von Schienen gesprochen." [5]
  • "Frage: Sie haben angegeben, daß Sie ein oder zwei Tage vor dem Mord zusammen mit dem alten Gruber im Neuschnee die Fußspuren von zwei Menschen gesehen haben, die in die Futterkammer beim Motorhaus geführt haben, aber nicht mehr heraus. Ein anderer Zeuge hat angegeben, der Vater Gruber habe ihm erzählt, daß er schon mehrmals bei seinem Anwesen die Fußtritte einer Mannsperson gesehen habe? Antwort: Davon weiß ich nichts, ich habe jedenfalls die Fußspuren von zwei Personen gesehen." [6]
  • "Als wir nach rechts vom Hof weg abbogen und Richtung zum Wald gingen, sah ich ganz genau in einer grösseren Schneeplatte; es war nämlich teilweise der Boden mit Schnee bedeckt, Männerfußspuren, die Richtung zum Hof führten, aber ganz genau weiß ich noch, daß die Spuren Richtung zum Hof waren und nicht zum Wald. Wenn ich so nachdenke, dann glaube ich bestimmt, dass keine zurückgeführt hat." [7]
  • "Ich hörte erzählen, daß wenige Tage vorher im Schnee 2 Fußspuren vom Wald zum Anwesen gesehen wurden.Der Alte (Gruber) soll deswegen aber keine Angst gehabt haben " [8]
  • "Ich kann mich noch entsinnen, daß an dem Donnerstag als in Schrobenhausen Markt war, mein Vater und mein Bruder Vieh zum Markte trieben. Vor dem Hause in Hinterkaifeck stand der Bauer Gruber am Brunnen. Als mein Vater ( Thomas Schwaiger) Gruber grüßte, meinte dieser, daß es doch komisch sei, zu ihm (gemeint war in sein Anwesen) gingen Fußtritte herein und nicht mehr heraus. Mein Vater sollte damals Gruber erwidert haben, jetzt sei es Ende März und da laufen die Kater. Dieser wird sich verspätet haben und deswegen im Nest geblieben sein. Es hatte seinerzeit leicht geschneit und darum konnte man die Fußtritte deutlich wahrnehmen." [9]
  • "Am Donnerstag, den 30.3.22 v. Gruber sen. entdeckte Spuren von 2 Personen im Neuschnee in Richtung z.Anwesen" [10]
  • "Als ich am Anwesen Hinterkaifeck vorbei kam, waren Gruber Andreas und Viktoria Gabriel bei den Spuren, die von dem Weg zum Motorenhaus hinführten. Damals sagten sie mir, dass im Schnee eine Spur in den Stadel führte und sie aber bei der Suche nichts gefunden haben." [11]
  • "Vorausschicken muss ich noch, dass ich am Donnerstag (30.3.22) vor der Tat in Hinterkaifeck in Schrobenhausen auf dem Viehmarkt war. Bei dieser Gelegenheit bin ich mit meinem Schwiegervater Kaspar Stegmair, zusammengetroffen. Mein Schwiegervater war in Gröbern wohnhaft und ist inzwischen verstorben. Als Stegmair an jenem Donnerstag von Gröbern nach Schrobenhausen ging, kam er an dem Anwesen Hinterkaifeck vorbei. Bei dieser Gelegenheit kam er ins Gespräch mit Andreas Gruber. Dieser sagte meinem Schwiegervater, dass im Schnee eine Spur zu seinem Anwesen gehe, er glaube, dass Spitzbuben in seinem Hause seien. Stegmair soll Gruber aufgefordert haben, das Anwesen durchsuchen zu lassen, worauf Gruber erwiderte, dass er sich nicht fürchte. Dies war für meinen Schwiegervater Anlass genug, dass er mich aufforderte, heute rechtzeitig nach Hause zu gehen, damit nichts passiere." [12]
  • "Wenige Tage vor der Tat - ich glaube es war der letzte Donnerstag vor dem Mordgeschehen - sagte mir der alte Gruber, daß im Schnee eine Spur zu seinem Stadel führe; aber nicht mehr zurück. Ob es sich dabei um eine oder um zwei Spuren gehandelt hat, kann ich heute nicht mehr sagen." [13]
  • "Mit dem Weg, von dem Spuren zum Motorenhaus des Anwesens von Hinterkaifeck führten, meinte ich den Verbindungsweg von Königslachen über Hinterkaifeck nach Gröbern, der in einer Entfernung von etwas 10 m, in Richtung Gröbern gesehen links an dem Anwesen vorbeiführte." [14]

Offene Fragen/Bemerkungen

Vermutete Fußspuren

Am Samstag nach der mutmaßlichen Tatbegehung, also dem 01.04.1922, wird auch von Fußspuren berichtet, die zum Haus hin- aber nicht wieder wegführen:

  • "Als wir nach rechts vom Hof weg abbogen und Richtung zum Wald gingen, sah ich ganz genau in einer grösseren Schneeplatte; es war nämlich teilweise der Boden mit Schnee bedeckt, Männerfußspuren, die Richtung zum Hof führten, aber ganz genau weiß ich noch, daß die Spuren Richtung zum Hof waren und nicht zum Wald. Wenn ich so nachdenke, dann glaube ich bestimmt, dass keine zurückgeführt hat." [7]

Von weiteren Fußspuren wurde nach der Tat berichtet, sie können aber wegen der vielen Schaulustigen auf dem Hof nicht dem Zeitraum um die Tat oder vor der Tat zugeordnet werden. Der Vollständigkeit halber hier der entsprechende Aktenauszug:

  • "Die Fußspuren haben begonnen südlich unterhalb der Umzaunung des Anwesens Hinterkaifeck links vom Wege in einem Ackerfelde und xxx in nordwestliche Richtung in einer Länge von ungefähr 1000 m schräg über verschiedene Ackerfelder einer Lichtung im Walde und zwar auf einem durch diesen Wald nach Edelshausen führenden Seitenweg zu. Die Fußspuren waren, da es in der Nacht vom 7./8.4.1922 und auch im Laufe des Vormittags des 8.4.1922 während der Sicherung der Fußspuren in der dortigen Gegend ziemlich stark geregnet hatte und es sich überdies um einen reichlichen Sandboden handelte, höchst unscharf und ziemlich stark eingefallen. Hervortretende Merkmale wie Nageleindrücke u. dgl. waren an diesen Fußspuren am 8.4.22 mit Bestimmtheit nicht mehr zu erkennen. An einer Spur war noch schwach zu ersehen, daß diese Person, welche diese Spur hinterlassen hat, Schuhe mit Hakennageln an den Rändern sogen. Bergschuhe getragen hat." [3]

Quellen/Herkunft

(Zusammenstellung nach Liste von @Chuck, Datei:Die Spuren im Schnee.pdf)

1922:
[1] Aussage Schlittenbauer 05.04.1922
[2] Kriminaloberinspektor Georg Reingruber 06.04.1922
[3] Bericht der Spurensicherung 10.04.1922

1926:
[4] Bericht Pielmayer 06.11.1926

1930:
[5] Aussage Bley 08.08.1930

1931:
[6] Aussage Schlittenbauer 30.03.1931

1951:
[7] Aussage Hueber 24.11.1951
[8] Aussage Bürgermeister Gall 26.11.1951
[9] Aussage Schwaiger 17.12.1951
[10] Legende der Polizeiskizze v. "Venus" 1951

1952:
[11] Aussage Mayer 10.01.1952
[12] Aussage Sigl 10.01.1952
[13] Aussage Ritzl 31.03.1952
[14] Aussage Mayer 05.06.1952