Evolution der Geschichte und Widersprüche

Einzelne Aspekte der vorliegenden Tatversion wurden zum Teil in mehreren Versionen erzählt. Diese widersprüchlichen Informationen wurden nie aufgeklärt bzw. erklärt. Dabei würde eine nachvollziehbare Erklärung der eklatantesten Widersprüche die Glaubwürdigkeit der Geschichte deutlich erhöhen. Ob also die Widersprüche aus Nachlässigkeit entstanden oder weil die Erinnerungen trogen oder ob es sich gar um unnötige taktische Manöver handelt – das bleibt ein Rätsel.

Auch logische Fehler und kleinste Wahrscheinlichkeiten tauchten im Laufe der Zeit auf.
Wir möchten diese Auffälligkeiten hier übersichtlich auflisten und erläutern, warum ein Detail Fragezeichen aufwirft.
Die Kommentierung ist so objektiv wie möglich gehalten. Sollte es Hinweise von Usern zu einzelnen Details geben, werden wir sie benennen.

Alle Quellen sind im hiesigen Quellenverzeichnis aufgelistet oder gesondert angegeben.

Sachverhalte mit sich verändernden Informationen

Die Kladde – Papiergröße und Umfang mit Bezug zu Hinterkaifeck

QuelleVersion/Information
[1]Auf den 4 eng beschriebenen DIN A4 steht zwar sehr expliziet beschrieben der Tatablauf, die Absetzbewegung und nachfolgende Ereignisse, jedoch keine Bauanleitung für Fokker D III, auch sind keine Beobachtungen auf dem HK Hof wie: eingelagerte Futtermenge, Sauberkeit Scheisshausanlage, Make up der Viktoria Gabriel, noch andere unwichtige Dinge, die hier von detailverliebten Usern benutzt werden - beschrieben.
[5]Bildausschnitte der Kladde belegen andere Parameter:
- Din A5
- nicht eng beschrieben
- bisher kein expliziter Tatablauf veröffentlicht

Auch wenn diese Abweichungen im Kontext zur Gesamtgeschichte marginal scheinen, so sind sie doch symbolisch für die nicht vorhandene Verlässlichkeit der Informationen. Noack hat sehr ausdrücklich auf ein eng beschriebenes Din A4-großes Dokument hingewiesen, bei dem sich insgesamt 4 Seiten (2 Blätter) mit den Geschehnissen auf Hinterkaifeck befassen sollten.

Was jetzt in der Videoreihe von BY-TV zu sehen ist, spricht eine völlig andere Sprache. Aus dem 2009 beschriebenem Format Din A4 wurde nun sichtbar Din A5, was den ohnehin schon begrenzten Platz für einen Sechsfachmord an insgesamt 3 Tatorten auf einem großen Bauernhof mindestens halbiert. Dass die gezeigten Ausschnitte nun ein sehr großzügig geschriebenes Sütterlin zeigen und Seiten, die überhaupt nicht vollständig gefüllt sind, fällt zumindest auf. Zudem ist die Beschriftung einseitig, die jeweilige Rückseite ist leer. Aus „4 eng beschriebenen Din A4-Seiten“ wären also netto noch bei 2 Blättern gerade mal 2 Din A5-Seiten verblieben. Die beschriebenen Inhalte, die im parallel veröffentlichten Buch „Das letzte Kommando“ so detailreich als Roman geschildert werden, können definitiv ihre Grundlage nicht in 4 großzügig beschriebenen Seiten im Din A5-Format haben. Das ist freie Erfindung und gerade wenn man als Zielgruppe nicht einschätzen kann, wo die Originalquelle aufhört und eigene westernaffine Romantikinterpretationen beginnen, sprießen natürlich die Fragezeichen, ob das alles echt ist.

 

Des Weiteren wurde 2009 in unserem Forum eine ganze Reihe an zusätzlich aufgefundenen Gegenständen erwähnt: Münzen, Synchronisationsanleitung, Offiziersrolle, Rangabzeichen; später kam noch eine Pistole dazu.

Im Fortgang kam noch eine Taschenuhr mit den Initialen „A.G“ hinzu, was sicher den Bezug zu Hinterkaifeck (Andreas Gruber) darstellen soll. Aus den ursprünglichen 30 Silbermünzen wurden 2.

Warum also diese Abweichungen? Warum so wenig Konstanz bei den Details. Noack (nach eigenen Angaben Historiker) sollte eigentlich wissen, wie sich Informationen prüfen lassen und was man benötigt, um ihre Falsifizierung oder Verifizierung zu dokumentieren. Nichts davon ist bislang vorgelegt worden.

 

Wie es zum Fund der Kladde kam und was noch alles gefunden wurde

QuelleVersion/Information
[1]Vor ein paar Jahren hat mein Anrufer (im Folgenden der Einfachheit halber als "X." bezeichnet) bei einem Antiquitäten- und Militariahändler einen Sekretär aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts für sich erworben.

Beim Transport des Möbels fiel der Sekretär eine Treppe herunter und wurde irreparabel beschädigt. Es wurde ein Geheimfach von etwa der halben Grösse eines Schuhkartons entdeckt. Das Möbel existiert nicht mehr.
Bei dieser Gelegenheit sind X. Gegenstände in die Hände gefallen, die in dem Geheimfach versteckt waren:

-Rangabzeichen aus dem I. WK,
-Stammkarte (Kopie?) und (Auszug aus? Offiziersrolle,
-30 Silbermünzen zu je 100 RM ...
-tagebuchartige Aufzeichnungen (Lebenserinnerungen) eines ehemaligen WK-I-Offiziers, auf Papier aus den 70er Jahren in Sütterlin-Steilschrift verfasst( @Dew-Edit, 19.05.2010: Insgesamt 30 Seiten, von denen sich vier mit den Vorgängen auf HK befassen),
-Teile einer Anleitung zur Synchronisation der Maschinengewehre eines Flugzeuges Typ "Fokker D. III", Format etwa DIN A 5.
[3],,Eigentlich wollte ich nur im Auftrag eines Kunden eine Luger vom Typ P08 kaufen, eine Pistole aus dem Ersten Weltkrieg. Dabei stieß ich auf etwas, dessen Brisanz sich mir anfangs gar nicht erschloss. Denn zu der P08, die mir damals, Mitte der 90er-Jahre, ein Antiquitätenhändler in Frankreich anbot, wurde mir auch ein alter Sekretär angeboten. Der beinhaltete in einem Geheimfach nicht nur eine Taschenuhr mit den Initialen ,,A.G." und zwei alte Silbermünzen, sondern auch eine Kladde mit handbeschriebenen Textseiten
[4]Aufgrund eines Kundenauftrags (Anfrage aus den Staaten nach einer P 08) stellte er seinerseits Anfragen bei in Frage kommenden Personen im Elsass das er auf der Suche nach o. g. Waffe ist. 1996 wurde er von einem Bekannten der nur antiquarische Möbel vertreibt angerufen, dass dieser bei Restaurierungsarbeiten eines Schreibtisches eine Parabellum 08 gefunden hat.

Zusammen mit der Kladde sollen weitere Dinge aufgetaucht sein wie Silbermünzen, eine Taschenuhr mit den Initialen „A.G.“, ein ins Elsass gerettetes Foto oder ein Rangabzeichen. Die Kombination und die Anzahl der Silbermünzen variierten dabei stark.

 

Welcher Ort zuerst genannt wurde

QuelleVersion/Information
[1]Damals nannte Frank Helmut Noack uns als Endbahnhof Freudenstadt.
[5]Laut der Kladde endete die Zugreise Mehnerts in Baden-Baden.
Von dort aus soll er 35km weit zu einem Danielshof gewandert sein und dort sein neues Pferd erworben haben.

Laut der Kladde, die 2023 an Mathias Petry übergeben wurde, endete die Zugreise Mehnerts (für dessen Existenz trotz intensiver Nachforschung kein einziger Hinweis gefunden werden konnte) in Baden-Baden.
Von dort aus soll er 35km weit zu einem Danielshof gewandert sein und dort sein neues Pferd erworben haben.
Die in der Kladde und in den Video-Interviews veröffentlichte Route hatten wir auf der gehackten Webseite bereits ausführlich analysiert (siehe Grafik) und auch den Widerspruch angesprochen, dass Jemand statt sich in Baden-Baden und direkter Umgebung nach einem Pferd umzuschauen, bei richtig mieser Witterung einen so langen Fußmarsch auf sich nehmen sollte.

Betrachtet man die Evolution dieser Fluchtroute, so war die Sache 2010ff deutlich runder. Denn damals nannte Frank Helmut Noack uns als Endbahnhof Freudenstadt. Das wiederum war der Auslöser für unsere damaligen Recherchen. Die Fragestellung war einfach: welche Pferdehöfe/Gestüte gab es 1922 in oder um Freudenstadt, wo man ein Pferd hätte kaufen können. Einer unserer Moderatoren stiess so auf den „Danielshof“ (mit „s“), den Noack uns damals so bestätigte. Allerdings erst NACHDEM er den Namen von unserem Moderator erfahren hatte.
In der Kladde nun wird ein Danielhof (ohne „s“) benannt.
Da haben wir also in der Kladde weitere 2 bedeutende Abweichungen zu früheren Informationen: ein falscher Endbahnhof und damit einhergehend ein unnötig weiter Umweg. Während das „s“ im Namen des Pferdehofes noch ein einfacher Erinnerungsfehler sein kann, ist der Wechsel von Freudenstadt nach Baden-Baden durchaus relevant. Denn damit verzögert sich die Rheinüberquerung. Und auch da gibt es in der Geschichte eine ziemlich auffällige Veränderung zwischen 2010ff und heute.

 

Inhaltliche Widersprüche und Fragezeichen rund um die Kommando-Geschichte

Die Beschädigung der Kladde

QuelleVersion/Information
[5-01]Auf dem Deckblatt der Kladde wurde der Aufkleber beschädigt.
Noack sagt darüber: "Auf dem Einband stand das Etikett, "
Für meine Kinder" in lateinischer Schrift. Mit seinem Originalnamen."

Noack, nach eigenen Angaben studierter Historiker, beschädigt die Kladde, indem er u.a. das Etikett auf dem Einband teilweise abkratzt. Die Angaben, was genau dort gestanden haben soll, scheinen nicht zu der Größe der Beschädigung zu passen. Etiketten beschriftet man in der Regel sauber, großzügig, platzfüllend. Der Text „Für meine Kinder“ plus sein eigener neuer Name in lateinischer Schrift hätten in einen kleinen Teil des Etiketts gepresst sein müssen, wenn die Beschädigung tatsächlich diese Eintragungen entfernen sollte.
Die Frage ist: hätten die angegebenen Worte Platz gehabt in dem beschädigten Bereich und wäre eine derart kleine Beschriftung stimmig gewesen mit einem Titeletikett?

Waren Ernst Friedrich Mehnert die Namen der Opfer bekannt?

QuelleVersion/Information
[3]in einer aussgeschmückten Erzählung soll der Vorgesetzte (Rosner) dem Mehnert die Strafakte aus 1915 vorgelegt haben auf dem Scan mit der halben Seite steht "Familie Gruber"
[4]"geschockt waren wir von dem Obelisken, denn alles was Mehnert aufgeschrieben hatte, auch die Namen...also diese Opfer sind namentlich bekannt, ihm auch bekannt gewesen äh das hat sich also verifiziert"
[5-02]in der ganzen Lebenserinnerung ist nur ein Name der Hinterkaifecker erwähnt. Das ist Viktoria Gabriel und ihre Tochter Cilli. Alle anderen Personen tauchen namentlich nicht auf. Ja der Gruber, ja klar---aber auch nicht Andreas Gruber also er hat das ....phhh...er hat das nicht schriftlich fixiert. Auch die Maria Baumgartner taucht hier nicht auf!

Zugegebenermaßen erlauben die einzelnen Angaben durchaus einen Interpretationsspielraum. Von „es war nur ein Name bekannt“ bis hin zu „ihm waren alle Opfer namentlich bekannt“ ist dennoch eine Abweichung festzustellen. Solange der Inhalt der Kladde nicht bekannt ist scheinen diese Abweichungen der Erzählung Noacks geschuldet zu sein.

Anzahl der auf Hinterkaifeck eingelagerten Flugzeuge

QuelleVersion/Information
[1] zwei Flugzeuge in Teilen
(oder Flugzeugteile? ), verpackt in Kisten.
[3]zehn Flugzeuge

Angesichts der schieren Größe eines verpackten Flugzeuges (allein der Rumpf wäre mit 4-6m Länge in einer riesigen Holzkiste untergebracht gewesen) macht eine derart eklatante Abweichung durchaus einen Unterschied. Dass man grob geschätzt 60m³ für 2 Flugzeuge oder gar 150m³ für 10 freihalten und vor Augen von Besuchern/Angestellten hätte verstecken müssen wäre eine ungleich größere Herausforderung gewesen. Warum es nun hier 10 Flugzeuge sein sollen und warum der Verfasser der Kladde überhaupt über den genauen Umfang von eingelagerten Waffen hätte informiert sein müssen/können wären weitere noch offene Fragen.

Anreiseweg des Kommandos?

QuelleVersion/Information
[1]Alle 3 Mitglieder des Kommandos bestiegen samt Fahrrädern in München den Zug. Sie übernachteten in der Nacht zum 27. in Aichach (Wirt oder Bedienung hiess Resi, schwarzhaarig).
[3]In der Augsburger Polizeikaserne bekommt das Kommando seine Fahrräder. Danach geht es mit dem Lkw über Dasing nach Aichach. Dort wartet ein Leutnant der Bayerischen Landespolizei in Zivil auf sie. Zusammen mit diesem geht die Fahrt per Lkw weiter in Richtung Hinterkaifeck.

Wieder ein Aspekt, der sich im Laufe der Zeit in eine völlig andere Richtung entwickelt hat. Inwiefern sich solche detaillierten Reisedetails überhaupt in der nicht vollständig beschriebenen Kladde befinden, muss ebenfalls erst erklärt werden.

 

Wann erfolgte der Zutritt in die Gebäude?

QuelleVersion/Information
[1]…erfolgte in der Nacht vom 28./29.3. das Einsickern…
[3]Nacht (29.3/30.3) erfolgreiches Einsickern

Auch wenn es marginal scheint, der genaue Zeitpunkt des Eindringens in den Hof Hinterkaifeck ist durchaus interessant. Denn im Vorfeld der Tat hatte es einen Einbruchsversuch gegeben und auch Geräusche auf dem Dachboden wurden von den späteren Opfern erwähnt. Hier wäre ein guter Punkt gewesen, sich an Fakten aus den Akten anknüpfen zu können. Durch die unnötige Diskrepanz der Angaben wird das Ganze unglaubwürdig. Weiterhin ist nicht bekannt, woher diese Diskrepanz stammt: ist das eine Weiterentwicklung der Geschichte oder ist das einer unsauberen Schilderung durch Noack geschuldet?

Wann erreichte Mehnert den Rhein?

QuelleVersion/Information
[1]Der eigentliche Grenzübertritt fand am 6.4.1922 um Mitternacht statt, weil er eine Lücke der Grenzmannschaften ausnutzte, die sich durch den Wachwechsel ergab.
[3]Gegen Mitternacht am 10.04.1922 erreichte Mehnert bei Iffezheim den Rhein

Auch hier spielt es für die Glaubwürdigkeit der Geschichte durchaus eine Rolle, ob der Grenzübertritt bereits erfolgte, als auf Hinterkaifeck noch die Spurensicherung aktiv war oder ob es einige Zeit dauerte, um von Bayern aus Iffezheim zu erreichen und sich ein Pferd zu beschaffen.

Wie wurden die Flugzeuge abgezweigt?

QuelleVersion/Information
[1]Auf dem Transport von der Flugausbildung Ingolstadt zum Waffensammelplatz Oberschleißheim
[3]Auf dem Transport von Schleißheim zur Demobilisierungsstelle in Ingolstadt

Nur eine weitere Schludrigkeit oder hat sich auch hier die Geschichte deutlich verändert?

 

Der Mythos eines ungeklärten Sechsfachmordes